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Filmclub Cosmos 2000

jeden Sonntag 15.00-22.00 mit Filmen, Diskussion, Kaffee und Kuchen,
ab 11.Jan.98, Filme beginnen 17.00 Uhr

 

 

 


So 11.Jan 98:

"Das Ende meines Mythos Amerika"

"10 gute Gründe nicht nach Amerika auszuwanden"

von Reini Urban

Langfilm: Grand Canyon (US 91, Lawrence Kasdan)

mehr Info

mit   Danny Glover      .... Simon
      Kevin Kline       .... Mack
      Steve Martin      .... Davis
      Mary McDonnell    .... Claire
      Mary-Louise Parker.... Dee
Vorher Szenen aus Filmen zu den folgenden Themen:
american culture
Der Untergang des amerikanischen Imperiums (CAN 86, Denys Arcand)
    Zitat: Die steigende Bedeutung privates Glücks ist das Zeichen des Untergangs einer Hochkultur.
The Big Chill (US 83, Lawrence Kasdan),
The Player (US 92, Robert Altman),
New Years Day (US 93, Henry Jaglom),
Up! (US 76, Russ Meyer),
Kids (US 95, Larry Wall)
american way of life
Point Break (US 91, Kathryn Bigelow)
Baywatch, (US TV Series: 1989-)
Der Tag der Heuschrecke (John Schlesinger)
The Player (Robert Altman)
MASH (Robert Altman)
Light Sleeper (Paul Schrader)
Basic Instinct (Paul Verhoeven)
american cities
Getaway (US 72, Sam Peckinpah),
Strange Days (OF) (US 95, Kathryn Bigelow)
an american dream
Jenseits der Weißen Linie (US 92, Bill Duke) => Zitate
Miami Blues (US 90, George Armitage)
Bad Lieutenant (US 92, Abel Ferrara)


Vorab: Zu den Filmen

Ich habe mich wirklich bemüht meine absoluten amerikanische Lieblingsfilme auszusuchen, und nicht Beispiele für die nachfolgenden Thesen.

Zuerst die Filme, dann die Thesen.

Aber mit amerikanischen Filmen hab ich trotzdem so meine Probleme. In Wirklichkeit gibt es nur drei sehr gute amerikanische Filme: "Jenseits der weißen Line", "Miami Blues" und "Bad Lieutenant". "Exotica", "Pulp Fiction" und "Point Break" gehören zwar auch zu meinen Lieblingsfilmen, sind aber nicht unbedingt sehr gut.

Das Land das weltweit am zweitmeisten Filme pro Jahr produziert, macht nur Scheisse. In einem Land, das wahnsinnig gute Schauspieler hat, gibt es fast keine guten Regisseure. In Indien (dem größten Filmproduzenten) wie im fernen Osten sieht man, daß Kommerzkino nicht unbedingt schlecht sein muß. Es muß also was mit dem amerikanischen Publikum faul sein...

Nach jedem Punkt gibts eine Abstimmung Pro/Contra.

"10 gute Gründe nicht nach Amerika auszuwanden"

  1. Grund: Fernsehen
    Oberflächlichkeit und Körperkult.
    Best Direct
    Dauerwerbesendung
    Gays On Line
            Wollen Sie Spaß? Ruf uns an!
    Zapping
    

  2. Grund: Kultur
    Sie versuchen zwar möglichst Kultur einzukaufen, aber zu Geld in der Kunst hab ich gespanntes Verhältnis. Man stelle sich vor: Techno in Amerika Von entscheidender Bedeutung in unserer Studie wird die Bewertung des persönliches Glücks sein. Und die Unterscheidung zwischen persönlichem und dem Gemeinwohl.

    Der Untergang des amerikanischen Imperiums:
            Früher gab es noch politisch bedeutende Filme, wie zB. von Norman
            Jewison, Joseph Losey, ... heute nur mehr Bigelow und Konsorten.
            Zitat:
            "- In Variationen entwickle ich die Hypothese, daß die Idee vom
            persönlichem Glück immer dann literarisch bedeutsam wird, wenn die
            Ausstrahlungskraft einer Nation oder einer Zivilisation immer kleiner
            wird.
            - Und was ist Ihrer Meinung nach persönliches Glück?
            - Das ist die Idee, daß man in seinem Alltagsleben für das was man
            getan hat, stets sofort belohnt wird und daß der Umfang dieser
            Belohnungen eigentlich den  normativen Parametern für das Gelebte
            bildet.
            - Könnten Sie das unsereren Hörern mit einem Beispiel
            veranschaulichen?
            - Ja, zum Beispiel die Institution Ehe.
            ...
            Das bedeutet, daß eine gute Ehe überhaupt nichts mit dem persönlichem
            Glück der beiden verheirateten Individuen zu tun hat. Die Frage
            stellt sich villeicht nicht einmal.
            In einer unterentwickelten Gesellschaft sind ja auch erst einmal das
            Wohlergehen der Gesellschaft und ihnre Zukunft wichtiger als die
            augenblickliche persönliche Zufriedenheit.
    
            Diese Sucht nach ausgeprägtem persönlichem Glück, dem wir derzeit
            in unserer Gesellschaft beobachten, hat der historisch betrachtet
            nicht mit dem beginnenden Untergang des amerikanischen Imperiums zu
            tun?"
    
    The Player:
            1. Die Beziehung zur Eisprinzessin, am Tag der Beerdigung ihres
            Freundes (übrigens vom selben Autor wie Deep Cover)
            2. Wie man in Hollywood einen erfolgreichen Film macht
            (das "Happy End" Dilemma)
    
    Basic Instinct:
            Spielende Psychologen.
            Verhör mit dem Bein-Überkreuzen.
    Lightsleeper:
            Psychologische Beratung. Die Frage nach dem persönlichen Glück
            kann nur durch sich selbst beantwortet werden.
    MASH:
            Es wird schrecklich viel gebetet.
    
  3. Grund: the american way of life
    Engstirnigkeit kann man ihnen wirklich nicht vorwerfen. Rassismus auch nicht unbedingt, wenn man vom Bereich außerhalb Californiens einmal absieht.

    Frank Gehry - Architektur in LA:
            "Am Abend wird aufgeräumt, nicht erledigte Arbiet mitgenommen oder im
            Computer gespeichert.
            Nirgends findet man Aktenberge, Papierstöße oder staubige Büros.
            Das System zwingt zu einer Arbeitsweise, die an einem anderem Ort, zu
            Hause oder an einem anderen Ort weitergeführt werden kann. Eine
            ungezwungene lockere und positive Athomsphäre breitet sich überall
            aus." ... 
    Justine:
            Intelligente Durchschnittsbürger:
            Saudumme Anmache im Sexshop.
            Rein zufällig der größte Pornohit 1995
    Kids:
            Jungfrauen ficken, drüber reden, über Schwule lästern, Schwarze
            klopfen.
    
  4. Grund: Los Angeles
    Ich selbst hab mich fürchterlich angeschwitzt, daß ich in Flughafen Nähe - in Inglewood - ja nicht die falsche Highway-Abfahrt nehme. Das ist lebensgefährlich für Weiße. Blöd, weil die Autovermietungsfirmen dort ihre Stützpunkte haben.

    Die Kosten für Mietautos bestehen nur zum geringen Teil aus der Miete, das meiste ist die Versicherung.

    In Oakland bei San Francisko und in Washington soll es so ähnlich sein, obowhl ich in Oakland einmal die falsche Abfahrt genommen habe und trotzdem noch lebe. Naja, die Fensterscheiben waren unten.

    Eine Stadt so groß wie die Untersteiermark. Stundenlang nur Häuser. Und dann die Wüste. Und lauter Verrückte. Noch ärger als in New York.

    Mein typischer Los Angeles Film ist mit Steve Martin. Hier gibts Zitate aus Menace II Society.

    
    Strange Days:
            Am Silvesterabend vor 2000 werden größere Unruhen prophezeit, weil
            der schwarze Rapstar mit politischem Engagement von Polizisten
            ermordet wird.
            Daneben werden auch noch andere ermordet, aber das Fest endet dann
            doch nicht im Chaos.
    Der Tag der Heuschrecke:  Starkult
            40 Jahre früher passierte das gleiche schon mal. Endzeitphantasien
            eines Europäers (Schlesinger) und Massenhysterie in Hollywood.
    
    [Lange Pause um nach dem "Grauen" (Das Grauen, Apokalypse Now) Zeit fuer die
    Katharsis zu geben]
    
  5. Grund: Gut und Böse
    Gute amerikanische Filme stellen immer die Frage, wie man in einer schlechten Welt Gutes tun kann. Der typische Western. Noch bessere Filme stellen Gut und Böse in einem Helden dar. Man ist fasziniert von den Abgründen der eigenen Seele, die Moral ist relativ aber doch absolut. Folgende drei Filme perfektionieren diesen Konflikt, das Ende bleibt unausweichlich aber ich zeige nur die Anfangsszenen.
    Jenseits der Weißen Linie (Deep Cover):
            "Was ist der Unterschied zwischen einem Schwarzen und einem Nigger?"
            Kann Gott da helfen? Larry Fishburne wird von der Macht der Drogen
            und des Geldes korrumpiert. Bleibt aber Held.
    Miami Blues:
            Der Held ist bemerkenswert sympathisch wie unsympathisch. Gewalt und
            Liebe bilden ein eigenes Gesetz. Und als Gewalttäter muss man etwas
    	Rücksicht auf gewisse Eigenheiten nehmen.
    Bad Lieutenant:
            Am Anfang die Schwester nackt im Krankenhaus, dann die Szene mit den
            2 Jersey Mädchen. Zum Schluß der Absturz und die Vision.
    
  6. Grund: Die Frauen, Sex
    Es gibt dort ziemlich viele Fettärsche. Aber okay, seien wir fair, denken wir an Pamela Anderson oder and eine ganz nette, wie Madeleine Stowe oder Andi McDowell. Sex, Lies und Videotape - Anfangsszene Die gutbürgerliche Durchschnittsfrau hat viel Selbstbewußtsein, aber ist trotzdem Stammgast beim Psychiater. Sie haßt Überraschungen und die Umweltverschmutzung.

    True Romance:
            Ist die Frau jetzt stark oder dumm?
            Nur Männerphantasien?
    Sex, Lies & Videotape:
            "Ich die ganze Woche über an nichts anderes als an Müll
            gedacht."
            "Und vor allem weil man nicht weiß was mit ganzem Müll passieren
            soll."
            "Die Beziehung zu meinem Mann? Na ja, ganz gut, in Anbetracht der
    	Tatsache dass ich es nicht aushalte wenn er mich anfasst."
    
    
  7. Grund: Gesellschaft
    New Years Day:
            typisches upperclass Partygeschwaetz. Jaglom ist für mich der Woody
    	Allen meiner Generation, dem Allan zu verrückt und Linklater zu
    	langweilig ist. Nein wirklich. Jaglom hat Herz und Moral im
    	Gegensatz zu den anderen. Das Thema passt auch zu unserem, eine
    	Silvesterparty in New York mit bunt durcheinandergewürfelten Gästen.
    The Big Chill:
    	Dieser Film, der beste vor Grand Canyon von Kasdan, ist durch kurze
    	Szenen nicht zu beschreiben, deshalb nur einige kurze Ausschnitte.
    	8 Freunde vom Collegezeiten treffen sich anläßlich des Selbstmordes
    	eines Kumpels. Seine Freundin wohnt noch dort - Meg Tilly. Damals
    	hab ich mich unsterblich in sie verliebt. Und alles dreht sich um
    	die nie gestellte Frage: Warum? Ist sie schuld? War er schuld? Die
    	Lösung hat nichts mit diesen Fragen zu tun. Aber doch mit ihr.
            u.a.:
            Meg: They're either married or gay. And if they're not gay, they've
            just broken up with the most wonderful woman in the world, or they've
            just broken up with a bitch who looks exactly like me. They're in a
            transition from a monogamous relationship and they need more space.
            Or they're tired of space, but just can't commit. Or they want to
            commit, but they're afraid to get close. They want to get close, you
            don't want to get near them.
    
    Weiters noch ohne Filme: (aus Zeitmangel)
  8. the american dream
    siehe "Geld, Gewalt, Drogen" und "Kultur".
  9. Das Essen
  10. Autofahren und Autokult
    amerikanischer Auto-Städtebau
10 gute Gründe doch nach Amerika auszuwanden:
Ganz einfach:
  1. Pornos in OF
  2. Frauen
  3. the american way of life
  4. Geld
  5. Los Angeles
  6. gesundes Essen, kein Rauchen
  7. Karriere
  8. Autos
  9. Hippies
  10. Platz
[lange Pause]
Grand Canyon (in voller Länge)
	Mir ist nur diese eine Szene noch in Erinnerung, über das
        stehengeblieben Auto in Inglewood, einer Gegend durch man in LA als
        Weißer nicht durchfahren sollte. Das wird auch schnell klar. Wie ich
        in LA war, war die Geschichte ganz bekannt von dem Touristenpaar
        dass aus Versehen in eine Sackstrasse gefahren ist und nicht mehr
        lebend rausgekommen ist. Der Film versucht wie einem Wunder gleich
        das lecke Schiff durch LA zu faedeln und alles gut und richtig zu
        machen und alles geht gut und klappt richtig. Die Polizisten sind
        menschlich, die Bösen sind menschlich und das Leben ist menschlich.
        Nur der Grand Canyon, die tiefe Schlucht zwischen Schwarz und Weiß
        bleibt. Die Träume aber sind besser geworden.

	Sehr sehr guter Film.