eröffnung; kurzfilm; "the punishment" von goran rebic
die eröffnung war etwas schwierig zu balanzieren zwischen den beiden lagern, dem aufgebrachten publikum und produzenten einerseits, und der landesregierung und den davon abhängigen andererseits. wenn sich die intendanz zu sehr hinauswagte, könnte das bei den momentan zu erwartenden "kindischen" trotzreaktionen, wie die angedrohte aussetzung des hauptpreises, zur verschärften bedingungen für weitere subventionierte kunst grossveranstaltern kommen: diagonale, steirischer herbst, schauspielhaus, ... ein lächerliches, aber gefährliches muskelspiel. freiheit der kunst und rede schön und gut, aber die folgen waeren trotzdem absehbar. politikerreden gab es nicht, trotzdem kamen sie zur eröffnung. beim jingle mit nachtraeglich hineingeschnittenem "widerstand" gab's natürlich applaus. der tatsächliche jingle bei den filmen kommt allerdings ohne dieses statement aus. der vorfilm aus der marshallplan zeit war nett aber harmlos, die reden kalmierend (zum glück).
the punishment habe ich mit spannung erwartet und ist ein weit dankbarerer eröffnungsfilm als letztes jahr der fussball film "frankreich, wir kommen" von michael glawogger. beide behandeln die österreichische befindlichkeit in einer bestimmten, dramatischen situation, von aussen betrachtet. "the punishment", die bestrafung belgrad's durch die nato bombadierung um die ethnische säuberung der albaner durch die serben zu stoppen wird der gelernte österreicher auf die eigene, seine situation münzen: "dürfn's denn des?"
die relevanz zu belgrad? ich als damaliger strafbombardierungsbefürworter muß mich fragen, ob dieser barbarische akt gerechtfertigt war. meine freunde die schon immer dagegen waren, haben es leicht. natürlich ist die nato schuld, sie haben ein reines gewissen. ich nicht. der film vermeidet bewußt einfache schlußfolgerungen und stellt die richtigen fragen. war es gerechtfertigt? was können wir gegen unser eigenes problem tun? die weltgemeinschaft fordert die lösung bei uns, pathetisch sozusagen den "tyrannenmord". wir haben ihn so groß werden lassen, also dürfen wir auch bestraft werden. nein, bei uns ist ja nur der schüssel der böse, wir alle sind unschuldig. eh klar.wir sehen schüler und junge jugendliche, die sich offensichtlich nicht trauen offen ihre meinung zu sagen. wir sehen ältere jugendliche intellektuelle, die dann offen ihre meinung sagen. die ihre hoffnung verloren haben, nichts mehr zu verlieren haben. von ihrem land enttäuscht sind, von der welt enttäuscht sind. die vom wirtschaftlichem und kulturellem embargo betroffen sind. so geht es uns als arschlöchern der welt. gestern hussein, heute milosevitsch, morgen haider. dies ist keine disqualifikation, weil handeln eine moralische verpflichtung war/ist. wir stellen uns seit 10 jahren die frage, wie man haider bekämpfen kann und haben verloren. die serben haben inzwischen vier kriege verloren und das problem stinkt immer noch vom kopf. was kann man tun, was darf man tun, wie wirkt sich das aus, versteht uns irgendwer, sind wir teilschuld? ...wie wirkt sich so eine bestrafung aus. die bombardierung der militärischen ziele wird nicht in frage gestellt, der film konzentriert sich auf zivile auswirkungen, der fernsehturm, die urangranaten, das wirtschaftsembargo, vor allem der psychische druck auf die zivilbevölkerung. de-fakto kollektivbestrafung, also kollektivschuld?
mich persönlich berührt die situation sehr. ich war neun jahre hindurch immer im selben unberührtem griechischem ort im sommerurlaub, konnte griechisch, hatte gute freunde, lud sie zu mir nach graz ein, lebte in halbes jahr sogar in athen, ging dort arbeiten, verliebte mich. alles das hörte abrupt auf, wie österreich slowenien anerkannte und die serbenfreundlichen griechen mir vorwürfe machten als österreicher, als kriegsschuldiger. seitdem war ich nie wieder dort. es geht mir sehr ab.leider kommen nur die opfer zu wort. nur ein männlicher schüler erklärt, daß er wohl zur waffe greifen wird, aber man hört heraus, daß er das nicht unbedingt anstrebt. er muß. auch nationalstolz muß sein. auch ein bisschen galgenhumor. er lacht. die anderen lachen verlegen. gandhi als alternative? nein. die betroffenen reagieren etwas realistischer als der interviewer. sie leben ja dort und schauen sich da nicht nur im fernsehen an. trotzdem ist romuald karmakars "warheads" aus dem erstem kroatisch-serbischem krieg (neben anderen kampfschauplätzen) immer noch der berührendste film zu diesem thema des letzten jahrzehntes. komisch eigentlich bei der inflation an jugo-filmen in den letzten jahren. der film ist aber sehr gut, weil er die richtigen fragen stellt, keine antworten vorgibt und zum nachdenken anregt. nachher waren sehr wenig leute beim buffet in der oper, weniger als letztes jahr. die thalia war allerdings gesteckt voll. eh klar, die meisten leute gehen zu diagonale disco und nicht in die filme. die "thomas crown affair" im orf parallel lockte wohl nicht so stark.
danach war war ich kurz nach der revolution in rumänien, organisierte hilfstransporte für alle siebenbürgischen universitäten, brachte computer, medizinische geräte und einen stipendienplatz, bis mich die 'securitate' zu sehr irritierte und ich aufhörte. meine nächste freundin war ein originalflüchtling aus sarajewo, ihr vater ein hohes moslemisches tier, persönlich von den serben und moslems ("vaterlandsverräter") mit dem tode bedroht, ihre beste freundin bei dem berühmten raktenangriff am marktplatz von sarajewo getötet. dieser angriff brachte das ende der belagerung. bei jeder sonntagsmittagssirene in graz zuckte sie zusammen, im traum zuckte sie. ich traute sie nie ganz, sie zu bitten, genaueres zu erzählen aus angst vor der vergangenheit. einmal aufgeschlitzte kehlen und diverse andere kulturunterschiede reichten mir.
morgen: in heaven, kunst machen/kunst kommt von arbeit, daydream nation, the virgin.