Viennale 2007
Autor: Reini Urban
Viennale
2000 | Viennale 2001 | Viennale 2002
| Viennale 2003 | Viennale 2006 | Offizielle Website
Kritik der Auswahl
Auch dieses Jahr habe ich wie schon im Vorjahr
vorab meine Wunschliste
veröffentlicht, und diesmal war das Ergebnis überraschender als
letztes Jahr. Ich hatte viel weniger Übereinstimmungen, das heisst
noch weniger erwartete Festivalhits, die mir gefallen, und Geheimtips
ausserhalb der Festivals, dagegegen überraschend viele neue kleinere
Filme und vor allem viele Franzosen. Nicht unbedingt was schlechtes
sich überraschen zu lassen, also war ich positiv gestimmt. Klingt
überraschend, nachdem letztes Jahr meine absoluten Favoriten "Half
Nelson", "Little Miss Sunshine" usw. ja in der Auswahl drinnen waren,
dieses Jahr aber meine Favoriten "Secret Sunshine", "Quiet City" und
"Hannah and the Stairs" nicht. Vielleicht will ich mich nur nicht mehr
ärgern. Zum Ärgern ist es ja, nachdem die Viennale meist die einzige
Chance für ein schwierigeres Meisterwerk ist, den Weg in die Kinos
zu finden.
Trotzdem wurden dieses Jahr wieder einige gute Filme ausgewählt und es
gab auch einige positive Überraschungen, vor allem "The Pool" und
"The Matsugane Potshot Affair".
Prominente und überraschende Auslassungen dieses Jahr:
"Le Scaphandre et le Papillon" aus Cannes, "La Graine et le mulet" aus Venedig,
Jason Reitman's "June" (in Rom), Lee Chang Dong's "Secret Sunshine", Brian
de Palma's "Redacted" (dazu gibt's eine Äusserung des Festival
Direktors), Carlos Reygadas "Stellet Licht" und bekannte Wünsche:
Susanne Biers erster Hollywood Film "Things We Lost in the Fire" (in Rom),
Ben Affleck's Erstling "Gone Baby Gone", Mani Ratnam's "Guru",
"Into the wild" (auch in Rom) und der andere US Indie Hit "Lars and the real girl".
Die Indie Hits:
Gehofft habe ich auf eine kleine Fortführung
des amerikanischen Mumblecores, weil diese Filme als echte
Grassrootbewegung die amerikanische Indieszene gehörig aufmischen und
oft mit dem Urvater Casavetes verglichen werden. Wahrscheinlich sind
dem Festivaldirketor diese Filme aber zu publikumstauglich, die
Viennale ist ja eher ein Fest für wichtige Kritiker und das Publikum
wird mit den üblichen Hits abgespeist. Als kein neuer Mumblecore Film
wie etwa "Quiet City", "Hannah takes the Stairs" oder als Beispiel für
eine erfolgreiche Grassroot Vermarktung "Four Eyed Monsters". Der eine
Bujalski 2006 ("Mutual Appreciation") bleibt das einzige Beispiel in
Österreich.
Von den anderen Indie Hits, meist deutsche Filme sind
doch zwei da, "Control" und "Touristen", da war die Auswahl aber
leicht, und alle haben schon einen Verleih. "June" und "Lars and the
real girls" neben den Mumblecore Filmen mit den ausgewählten Filmen zu
vergleichen fällt mir schwer, das ist eine andere Welt.
Die japanische Auswahl war dieses Jahr mit 4 Superfilmen
perfekt. Aus Korea gab's nur den Hong Sang-soo vom letzten Jahr in der Auswahl,
ich vermisse schmerzlich "Secret Sunshine", "My Friend & His Wife" und
"I'm a Cyborg, but That's OK". Aus Argentinien muss man wie
immer auf einige subjektiv-kuratorische Überraschungen gefasst sein,
diesmal blieb wieder wie letztes Jahr "Crónica de una fuga" beste
Argentinier "XXY" aussen vor, dafür gab's das ärgerlich missglückte
Experiment "El Hombre Robado". Das hat man davon wenn der Kurator
seine Hochschul Schüler vor den Independent Regisseuren bevorzugt.
Die Phillipino Welle schwappt aus Rotterdam über, anscheinend sucht man
frisches unverbrauchtes Kino, dass in den Phillipinen sich noch nicht
befreit hat, dafür hat sich überraschenderweise China prächtig
entwickelt. Aus Frankreich hat man dieses Jahr fast alles übernommen,
fast ohne Enttäuschungen. Aus Afrika gibt's anscheinend dieses Jahr
überhaupt nichts, aus Indien hat man sich noch nie etwas erwarten
können, auch wenn dieses Jahr gerade zwei grosse Tamil Filme es hätten
auf die Viennale Liste schaffen können: "Guru" von Mani Ratnam und
"Paruthi Veeran" von Amir Sultan. Indien wird immer noch lieber aus der
Kolonialistischen Sicht betrachtet, "The Pool" von Chris Smith (exzellent) und
"Hotel Very Welcome" von Sonja Heiss. Da hätte auch "Darjeeling Limited" von
Wes Anderson hingepasst. Sicher besser als einiger der 21:00 Gartenbau Füller.
Richtig ärgerlich bei der Auswahl aber wie gesagt nur die amerikanische
Auswahl mit einigen Totalausfällen und keinen einzigem überzeugendem Film.
Deutschland wie zuletzt immer öfter exzellent vertreten, zu Recht. Da gibt's aber noch
viel mehr zu entdecken.
Spielfilme
Online Notizblock
Noch in Arbeit...
|
Der Cannes Jury Preis 2007. Der andere hochausgezeichnete Japaner dieses Jahr, The Rebirth, gewann in Locarno. ...
| | |
[viennale]
| Ein Genrebastard aus Frankeich. Einerseits die Bemühung eines sozialen Anklagefilms, wie schnell gerät man in die Mühlen der Bürokratie, dann die Rettung aus dem |  | Sumpf und ein versöhnliches Ende. Das kann nur bei Koreanern gut gehen. Formal keine Mängel, aber Inhalt ist aber zu bemüht und vorhersehbar. |
[viennale]
| Ich liebe die Konsequenz und den Mut der bekannten Schauspielerin ihr Privatleben zu veröffentlichen, |  | ganz im Sinne der Boulveradpresse die ja auch immer im Privatleben der Stars wühlt. ... |
[viennale]
| Äusserst dilettantischer Debut Amateurfilm ohne Handlung, nur die Stimmung einer Gruppe von Jugendlichen. Was hervorragend gelingt: Das Spiel ohne Worte, die Musik. Was komplett daneben geht: Die überbemühte Kameraführung, viel zu niedriger Tonpegel und unverständliche Sprache. |  | Natürlich kann eine Geschichte ohne Plot erzählen, eine unaussprechliche Stimmung. Dann muss aber näher bei den Personen oder bei seinen Bildern sein. Als Resumé: Ein langatmiger David Gordon Green Film in schönen Bildern und ohne Worte. |
[viennale]
[viennale]
|
Nachdem das Comic schon perfekt ist, was kann die bei der Verfilmung noch schiefgehen? Nichts.
Die erwartet hervorragende Verfilmung.
| | |
[viennale]
Etwas liebloses Abspielen des Filmmuseum Programmes und der Publikation, trotzdem waren diese akademischen Veranstaltungen sehr gut besucht. Eine Einleitung gabs nur am Anfang, kurze Einführungen zu jedem Film wäre besser gewesen.
|  | Schwarz-Weiss Stummfilme ohne Musik aus der Frühzeit der Republik. Nur für Geschichtsinteressierte geeignet. Man muss die einzelnen Personen schon sehr gut kennen, um die feinen Unterschiede der verschiedenen Positionen zu erkennen. |
[viennale]
| Bis jetzt für mich der spannendste und beste Film. Und eigentlich bin ich von |  | den ersten zweit Tagen sehr positiv überrascht. Selten gab es noch so gute Eröffnungstage. |
[viennale]
|
Ganz gut, da wäre aber noch mehr drinnen gewesen.
| | |
[viennale]
| Überraschend gut. Das "Tier" (Zitat der Regisseurin) Isild de Besco in einer überraschend gegen den Typ besetzten männlichen Rolle. Ansonsten ein typisches, gutes französisches Drama |  | mit hervorragender Regie und Darstellern. Nur ab und zu ein paar kleine Buchschnitzer, die Wendung hat man schon geahnt, der Film ist natürlich sehr konstruiert. |
[viennale]
[viennale]
[viennale]
[viennale]
[viennale]
[viennale]
| "The Woman on the Beach" habe ich eigentlich schon letztes Jahr erwartet, aber da er in Cannes 07 lief, kann er dieses Jahr hier gezeigt werden. Hong Sang-soo's Filme sind ähnlich wie bei David Fincher ein ständiges auf und ab. Auf einen mittelmäßigen Film folgt ein Meisterwerk, der nächste wieder mittelmäßig usw. |  | Aber jedes Jahr kommt ein neuer Film, seit 1999 geht das so. Die Höhepunkte waren "Turning Point", danach wieder bei "Woman is the Future of Men" und jetzt "The Woman on the beach". Diesmal ist sein großartiger Humor für Westler genauso verständlich wie bei "Turning Point", seinem bisher erfolgreichstem Film. ... |
[viennale]
[viennale]
| Die "Meisterwerk" Lobeshymnen kann ich und viele andere beim neuen Gus van Sant nicht nachvollziehen. Es gibt eine einschneidende Szene um die sich elliptisch alles dreht, die persönliche Sicht des Skaters wird durch Christopher Doyles' Kamera und durch ein hervorragendes Sounddesign untermalt, aber die Bilder lassen uns nie in die Welt der jugendlichen Skater, |  | wie in etwa den überragenden Referenzfilmen "Lords of Dogtown" und "Dogtown - Z-Boys" eintauchen. Gus van Sant scheint sich damit zu begnügen, junge fesche Knaben in Grossaufnahme zu portraitieren, es sind einige gelungene Motivationen geglückt aber der Zauber und die Faszination dieser Welt bleibt uns verborgen. Doyle ist nicht der richtige Mann für einen Skaterfilm |
[viennale]
|
DIE grosse Überraschung des Festivals bisher. Tosender Applaus nach der Vorstellung und Bravorufe.
Zu Recht für dieses einfache und beglückende kleines Drama.
| | |
[viennale]
|
Missglückter Versuch das Experiment "La Prisonera" von der Hochschule in Buenes Aires zu wiederholen.
L'art pour l'art, nur verständlich für Auskenner der argentinischen Literatur des 19.Jh.
| | |
[viennale]
|
Seidl wird braver und mainstreamiger.
| | |
[viennale]
|
Genre Subversion a la Roger Corman und Frauenpower. Ganz nett, aber eindeutig Rothman's schwächster Film.
| | |
[viennale]
|
Konventionelle, relativ flache Frauenneurosen-Metaphern auf der Bildebene werden von einem Geräuschsoundteppich
a'la Benedek Fliegauf / Kurosawa Kiyoshi gerade noch gerettet. Der erste digital geschnittene Film von Menkes.
| | |
[viennale]
| Lynch wird ja nicht gerade selten portraitiert und immer kommen neue Obsessionen zu Tage. Trier kann das besser, aber Lynch macht bessere Filme. Diesmal ist der Aufhänger |  | Inland Empire, die Doku trägt aber nicht wirklich zur Rettung von Inland Empire bei, hier schimpft er sogar über die neue Digital Kamerabilder, ganz gegen seine sonstigen Marketing-Zitate. |
[viennale]
| Der aktuelle Locarno Gewinner ist ein radikales Seh-Experiment. Der eigentlicher Aufhänger der Geschichte, die Vergebung nach einer Straftat in der Familie, hat nichts mit der weiteren Handlung zur tun. Experimente in allen Ehren, aber ich glaube doch eher, dass der Preis deswegen vergeben wurde, weil bei der Premiere in Locarno alle Journalisten gelangweilt die Vorstellung nach und nach verlassen hatten, und dadurch die (langsame) "Auflösung" nicht mitbekommen hatten. Sozusagen zur Strafe. "Seht, |  | das habt ihr versäumt, das nächste mal bleibt ihr!" Und wie man sieht mit Erfolg, in Wien ging keiner, aber der Film war nicht besonders befriedigend. Zu diesem Theme wäre doch "Secret Sunshine" aus Cannes um einiges besser gewesen. Inhaltlich wie formal. Besonders am Anfang sind die dillettantischen Schnitte störend, bis man erst nach einiger Zeit den Rhythmus in den kleinen Unterschiede der täglichen Handgriffe begreift, die eine langsame "Affection" bescheiben sollen. |
[viennale]
| Eigentlich habe ich mir einen stärkeren Kamera-orientierten Film wie beim "Tod des Herrn Lazarescu" erwartet - der selbe Kameramann -, es aber eher als konventionelles Kammerspiel |  | aufgelöst. Die Geschichte ist stark, aber nicht so stark wie bei früheren rumänischen Filmen. Im Nachhinein ärgere ich mich über die latente Anti-Abtreibung Stimmungsmache im Film. |
[viennale]
| In Anlehnung an das beschwingte Starkino der Swinging Sixties in Europa swingt ein japanisches Starpärchen quer durch Japan um die |  | Auflösung der starren Geschlechterrollen und der tradionellen Werte zu persiflieren. Und im Inneren sind auch die Medien-Superstars grosse idealistische Softies. |
[viennale]
| Ein grosser Teil der Festivalregisseure sind Prostituierte. Sie produzieren jährlich Filme für Festivalredakteure und Kritiker ohne jede Chance auf Publikumsverwertung, jenseits jeder Arthouse Schiene. Mie meist asiatischen Regisseure können auf den Exotismus Faktor vertrauen und werden meist mit rein europäischen Festivalgeldern produziert, fast ausschliesslich von europäischen Festivalbesuchern konsumiert und die Werke führen im Heimatland zu grosser Verwunderung was die Leute im Ausland denn in diesen Filmen finden |  | mögen. Squatterpunk von Khavn ist ein Ausnahmefall aus Rotterdam und Jurypreis auf dem Manila Filmfestival. Eine Laien-Handkamera beobachtet 90 Minuten fast ungeschnitten Slumkinder und dazu Punkmusik, und das will sich natürlich hierzulande jeder anschauen. Der Missbrauchsfaktor liegt bei 100%, das einzig sinnvolle im Film ist die Liveuntermalung von harter und lauter Gitarrenmusik. Und der asiatische Prostitutionsfaktor war dieses Jahr auf der Viennale erstaunlich klein. Nur 2 Filme. |
[viennale]
| Ganz im sensationalistischem TV-Dokustil gedrehte Doku mit aufpeitschender Musik, viel einseitigen Erzählungen, Verunglimpfungen und Off-Erzähler über eine interessante Geschichte. Anscheinend ist dieser US-Doku Stil jetzt schon hausfähig, es ist nicht die einzige Fox-Stil Doku auf dieser Viennale, der Zweck - der Gegenpropaganda - heiligt nicht alle Mittel. Ärgerlich, aber doch leidlich interessant, vor allem in |  | den unglaubwürdigen Passagen. Viel Fakten müssen ja zum Glück nicht erzählt werden, viel Gegen-Standpunkte gibt es nicht, Objektivität gibt es bei persönlichen Dokus kaum. Der Herr von der BBC kann als Haus-und-Hof Berichterstatter über Nordkorea bezeichnet werden, und diesen Status kann man nicht mit Interviews etwa von Nordkorea-Kritikern aufs Spiel setzen. Trotzdem, eine sensationelle Geschichte natürlich. |
[viennale]
| Stark moralisierendes pathetisches Tierdrama als Kinderstück im Karl May Stil. Das Leben ist hart, aber da draussen in der wilden Natur ist es noch viel härter. |  | Das schöne weisse Wildpferd aus der Camargue geht lieber in den romantisierenden Freitod als die Freiheit zu verlieren. "Schön" wäre ein treffendes Eigenschaftswort. Sensationelle Tieraufnahmen jedenfalls. |
[viennale]
| Legendäres Kinder-Zauberstück, Goldene Palme von Cannes und Oscar damals. Kleiner Junge freundet sich mit einem roten Ballon an, |  | und marschiert mit und neben ihm durch Paris. Sensationalle Trickaufnahmen, viel einfachere, undramatischere Story als im Wildpferddrama. Ganz nett. |
[viennale]
| Fernreise-Rucksack Touristen auf der Suche nach sich selbst, eine aufgelegte, ernste Komödie. Die junge Filmschulabsolventin |  | aus München löst die typischen Geschichten, die jeder kennt, hervorragend auf. Sehr einfach und unterhaltsam. |
[viennale]
| Anspruchslose Thriller Unterhaltung in Anlehnung an Tarantino, perfekt inszeniert. Der Film will mehr sein als eine Fingerübung, aber der tiefere Sinn für den endlosen Epilog wird uns allen erst bei der deutsche Synchrofassung offenbart werden. Kann |  | auch sein, dass der hochgelobte Autor Cormac McCarthy etwas überzieht. Am meisten habe ich mich über meine Lieblingsschauspielerin, die Schottin Kelly McDonald (The Girl in The Cafe) gefreut, die mittels Dialektcoach reinsten Südstaaten Slang redet. |
[viennale]
| Die wahre Geschichte einer Upperclass Familien-Sexdramas, die sich zu sehr auf die Macht der Bilder verlässt und die Charakterentwicklung zweier durchaus interessanter |  | Helden ausser Augen verliert. Schade. Die Darsteller können nichts dafür, dass der Film schlussendlich nicht funktioniert. Vielleicht sollte noch einmal umgeschnitten werden. |
[viennale]
| Allzuviel darf man sich ja von einem Überraschungsfilm nicht erwarten. Welche Filme kommen in Frage? Entweder ein Major vor der offiziellen Premiere, oder ein obskurer Non-Hollywood Major der nicht unbedingt durch eine offizielle Nennung im Festival gefördert werden muss. Meist stellt der Direktor eine Liste von Kandidaten zusammen, bevorzugt einen der Kategorie vor der offiziellen Premiere, wie letztes Jahr Zia Changkes "Still Life", oder dieses Jahr David Cronenberg "" der vor einem Monat beim Filmfest Hamburg |  | Premiere hatte. Cronenberg war nicht verfügbar, in Venedig wurde Midnight ?? gespielt, in Wien durfte der technisch bessere "Eye in the Sky" des Johnny To Drehbuchautors dran. Eine typische Milky Way Production, exzellenter Hollywood-Actionstyle Sound und Kamera mit politisch äusserst unkorrektem Inhalt, fast ärgerlich wie die polizeiliche Überwachungskameras hier stilistisch gehypt und inhaltlich gerechtfertigt werden. Das nächste mal bitte lieber eine Überraschungsfolge von "24" mit Folter und Atombomben. Da kann man wenigstens über die tolpatschige Rechtspropoganda lachen. |
[viennale]
| Total misslungene Medienfarce im grossen Stil in den Sand gesetzt. Da halfen auch Nachdrehs ein halbes Jahr nach Drehschluss nichts mehr. Nichts ist leichter als dummer deutsche TV-Shows zu überziehen. Denkt man. Das |  | Buch ist flach, die Kamera uninspiriert, die Darsteller typisch deutsch. Auch die rasante Autoverfolgungsfahrt, die uns den Helden sympatisch machen soll, ist undynamisch gefilmt und geschnitten, fast im Stil der Autobahnjäger TV Serie. |
[viennale]
| Ian Curtis, das Rockidol der 80er, für meine Generation wichtiger als weiland Jim Morrisson oder Curt Cobain. Man sollte vorher schon ein paar Manchester Dokus gesehen haben, über die Factory, oder "24 Hour Party People" um den Hintergrund zu verstehen, weil der Film sehr nahe, fast zu nahe an unserem Helden bleibt. Hervorragend die Musikauswahl, fast nur Liveaufnahmen und weniger die hauptsächlich bekannten Studioaufnahmen der zwei offiziellen Platten, die eher die Handschrift des Studiomixers tragen, als die von Joy Division. Die Jungs spielen alle Songs selber live, und die Aufnahmen |  | sind fast besser also die erhältlichen Bootlegs der Originalliveaufnahmen. Was mich ein bisschen störte: Die Bandmitglieder haben nach seinem Selbstmord immer wieder auf die verstörenden suizidalen Texte des letzten Albums hingewiesen, man hätte es eigentlich erahnen sollen. Diese Texthinweise fehlen leider im Film. Die langen Lieder werden nie ausgespielt, der Film müsste viel länger sein, und keine Nummern abschneiden. Das ist nicht nur ein Sakrileg sondern auch inhaltlich wichtig. Trotzdem, ein Meisterwerk. Und wie betörend schön Alexandra Maria Lara wirklich sein kann, wenn man in ihr eine Belgierin sieht. Unglaublich. |
[viennale]
[viennale]
| "Fargo" meets "Blue Velvet". Zusammen mit "The Pool" mein Lieblingsfilm dieses Jahr, und beide Filme hab ich mir zweimal angeschaut. Die berühmte Romanvorlage von Ryunosuke Akutagawa portratiert |  | zwei belämmerte Zwillingsbrüder, im Film wird die gesamte Dorfbevölkerung verarscht. Durch den spezifisch japanischen Humor nicht ganz so erfolgreich wie der international erfolgreichere Erstling "Linda Linda Linda". |
[viennale]
|
Stilles Machodrama, wie man es sich aus Argentinien erwartet, das leider mit einer blöden Sexgeschichte
aufgelöst wird. Das hat sich der Film nicht verdient.
| | |
[viennale]
|
Eine Wohltat! Wunderbar! Sehr schön! Manchmal haben die Berliner wirklich Glück.
| | |
[viennale]
| Warum so viele in Lobeshymnen in diese brave Literaturverfilmung ausbrechen konnte kaum jemand verstehen. Die erste halbe Stunde bis zur ersten Sexszene zieht sich, erst allmählich wachen unsere blassen Charaktäre auf, und ein bisschen brave Sinnlichkeit macht sich breit. Das Buch ist um einiges spannender. Auch am Ende mit den politischen Implikationen ist die Verfilmung bieder und brav, ganz im Gegensatz zum viel längerem und viel kämpferischem und analyterischerem Buch. Ferran ist halt leider nur am Genderproblem und nicht am Klassendrama interessiert. |  | Auch beim Sex dominiert die Aufklärung über die Spannung. Lawrence dritte Buchfassung löst auch das Gender Problem befriedigender, hier in Anlehnung an die inoffizielle zweite Fassung bleibt zum Ende alles offen, wohl weil keine Zeit für die letzte hale Stunde Auflösung des Kapitel 22 der dritten Fassung blieb. Die D.H. Lawrence Referenzverfilmungen bleiben nach wie vor die drei von Ken Russell, "Lady Chatterley", "The Rainbow" und vor allem das grossartige "Woman in Love" mit Glenda Jackson und Oliver Reed. Eine vergebene Chance. |
[viennale]
[viennale]
| Blöde US-Doku über die Umweltproblematik. Wie schon beim ORF die Religionsabteilung das Weltjournal übernommen hat, wird auch in den US-Dokus komplizierte Zusammenhänge moralisierend und eindeutig parteiisch ohne überzeugende Hintergrundinformation geliefert, alles in einem euphisierendem Soundbrei, damit man weiss, was man jetzt zu fühlen hat. Komplexität wird durch komplexe mehrschichtige Bilder symbolisiert, so á la das verstehen wir eh nicht, |  | also probieren wir es so sonst zappen uns die Leute davon. Denken tun die interviewten Experten, nicht die Seher, uns ist nur der Erhalt der Ausflugsoase am Rande von Austin Texas wichtig, und natürlich die Verschmutzung der Umwelt rundherum. Und der langsame aber stetige Ausverkauf des Staates an umweltzerstörende kurzfristige rechnende Grossfirmen. Danke, nein zum populistischen Religionsfunk bei der Viennale! |
[viennale]
| Name Strasse Nummer Postleitzahl Ort Staat Europa Erde Milchstrasse. Das sind wir. Nach den zwei übergrossen Filmen "Rengedek" und "Dealer", mitbegründend für das sogenannte ungarische Filmwunder, beschränkt sich Benedek Fliegauf auf die kleine Form von 10 Haikus. Hauptsächlich aus finanziellen Gründen, weil sein aktuelles Grossprojekt, mit dem er endlich die goldene Palme in Cannes gewinnen wird noch Finanzierungsschwierigkeiten hat. Statische Einstellungen mit kleinen Witzen und unerwartet lakonischem Humor nach |  | der Düsterkeit und Schwere der zwei Filme vorher. Das ist ein sehr persönlicher Film, ein Film anläßlich der bevorstehenden Geburt seines ersten Sohnes, bei der Vorführung in Wien anwesend, wie er enstanden ist, wie es ihm ergehen wird in naher Zukunft, in unserem Europa, Erde, Milchstrasse. Wieder, wie ihn Dealer, wird das Instrument der "Super-Athmo", brutal laute Natursounds ausgepackt, eigentlich ein Element des japanischen Horrorfilms. Lediglich die Kamera bleibt still. |
[viennale]
|
SW-durchgestylt harmloser Prominentenspass.
| | |
[viennale]
| Ärgerlich! Ganz im Stil einer üblen Sexgeschichte, nur ist es diesmal die wahre Geschichte eines Familienaufregers. Tja, Kinder sind oft wirklich kleine Monster. |  | Wie wär's mit der Herabsetzung des Mindestalters der Todestrafe? Eine brisante Frage für das österreichische Rechtssystem. Wird nicht von ungefähr von Fox Searchlight vertrieben. |
[viennale]
|
Ein kleiner Workshop mit Schauspiel Studenten der Hochschule in Strassburg.
| | |
[viennale]
| I, PIERRE RIVIÈRE, HAVING SLAUGHTERED MY MOTHER, MY SISTER AND MY BROTHER ... So beginnt eine berühmte Sozialstudie von Michel Foucault. Die Bauern der Umgebung spielen |  | das zeitlose Drama 150 Jahre später nach. Irritierend sind anfangs die Texte der Laien aus den Gerichtsprotokollen und die starre Inszenierung wie in einem schlechtem Dorftheater. |
[viennale]
|
Sehr gute Umsetzung eines klassischen Verschwörungs- und Spionagemotivs erweitert um die Unsicherheit
um den Status des Helden, ein typisches Motiv der 90er.
| | |
[viennale]
|
Ähnlich dem Anti-Familiendrama "License to Live" seines Freundes Kiyoshi Kurosawa, allerdings etwas überfrachtet
mit Personen und Konstellationen, nicht ganz so leicht und schwerelos wie bei Kurosawa.
| | |
[viennale]
| Routiniertes Anti-Grossfirmendrama mit etwas verwirrter Story. Das einzig interessante Element dürfte sein, dass die Böse Chefin des bösen Konzerns ihre |  | Medienauftritte im vornherein übt, wohl ein Offenlegen innerer Mechanismen. Gute CEO's werden darüber wohl lachen müssen, nur Anfänger müssen Medienauftritte üben. |
[viennale]
Wie immer regiert auf der Viennale der Blues. Einige Filme kann man
sich nur dadurch erklären, dass sich die niemand vorher angeschaut
hat. Vielleicht ist das Auswahlkriterium nur eine kurze Synopsis wie
sie dann im Katalog vorkommt. Geschrieben ist oft alles viel einfacher
als verfilmt, und zu komplizierten Filme kann bzw. darf man nicht zu
viel schreiben.
Überraschungen gab es für mich positiv mit "The Pool" und der
"Matsugane Potshot Affair", einer langsamen japanischen "Crazy
Comedy", und negativ mit den hochgelobten, aber nur durchschnittlichen
"Lady Chatterley", "Paranoid Park" und vor allen den vielen US-Style
Dokus und der grottenschlechten Auswahl an US Filmen.
Preise:
FIPRESCI-Preis: Shotgun Stories
Standard-Leserpreis: Rubljovka – Straße zur Glückseligkeit (Irene Langemann, D 2007)
Wiener Filmpreis: Rule of Law (Susanne Brandstätter, A 2006) - Diagonale 07
Siehe auch hier.
Reini Urban |
Created: "2007-10-25 rurban" |
Last update: "2007-11-02 17:44:08 rurban"