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Viennale 2006

Autor: Reini Urban
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Nachdem ich mich letztes Jahr zu sehr geärgert hatte, und vorsorglich nichts dazu veröffentlicht habe, schaut's dieses Jahr wieder gut aus. Diesmal hab ich meine Wunschliste schon vorab veröffentlicht, und einiger meiner Wünsche wurden wundersamerweise auch erhört.

Kritik der Auswahl

US: Neben der Liste der ultimativen amerikanischen Indiependent-Hits "Little Miss Sunshine", "Half Nelson" und "Mutual Appreciation" enttäuscht die Auswahl ein bißchen. Ein überraschend guter Treffer mit "Thank you for Smoking", typisch-schlechte Filme für's Wiener Bobo-derStandard Publikum sind "Come Early Morning", "Old Boy" und "Analog Days", und Enttäuschungen "Bobby", "Stephanie Daley", "Romance & Cigarettes" und "A Scanner Darkly". Vor allem bei "Bobby" fragt sich die Kritik, wie der da ins Primetime Programm hineinrutschen konnte. Vermißt habe ich Beispiele einer neuen selbstbewußten Form des Erzählkinos, wie im letzten Jahr "Me and You and Everything we Know", die da wären: "Happy Endings", "Sherry Baby" oder "Find Me Guilty" als wunderbares Schauspielerdrama.

Neben der dominierenden Auswahl an wie immer hervorragenden argentinischen, koreanischen und japanischen Filmen überrascht die Qualität und auch ein bißchen die Auswahl des deutschen Spielfilms. Die Deutschen müßten ja eigentlich nicht im Viennale Programm präsentiert werden, da sie auswegslos alle den Weg ins reguläre Kinoprogrammm finden. Bis auf Rolf Thome vielleicht. Den deutschen Cannes Beitrag "Ping Pong" vermißt man, aber gleichwertige Hits wie "Sommer 04", "Am Montag kommen die Fenster", "Sehnsucht" und "Der Kick" überzeugen. Aber auch der sonst eher ungenießbare Rolf Thome kann positiv überraschen.

Aus Korea hab ich wieder einmal Hong Sang-Soo's aktuellen Film schmerzlichst vermißt, aber das ist beim wichtigsten und intelligentesten koreanischen Regisseur in Wien meist so; von ihm sind bislang nur seine schlechtesten Filme gezeigt worden. Ich hätte gerne "My Scary Girl" und "Family Ties" gehabt, "Sa-kwa" und das "Peter-Pan Prinzip" sind aber nicht so schlecht. Eine brave Auswahl an Erstlingsfilmen. Und als Verstärkung den Hit des Jahres "The Host", und den hervorragenden Videofilm "In Between Days" einer Exilkoreanerin in Kanada. Der war auch in meiner Liste.
Mit der japanischen Auswahl bin ich ziemlich zufrieden, sogar besser als erwartet. Vor allem der "Vibrator" Nachfolge Film "It's Only Talk" überzeugt. Mich für mich bislang der beste Film des Jahres. Ich hätte noch gehabt: "Domestic Violence" und "The Whispering of the Gods".

Die argentinische Auswahl ist überraschend groß, obwohl der wohl wichtigste und beste Film aus Cannes 06, "Story of a flight" von Israel Adrian Gaetano in der Tradition von "El Bonaerense" fehlt. Wohl eine Geschmacksfrage deutet der Kurator an. Auch "Battle in Heaven" und "El Sangre" aus Mexiko hätte ich erwartet. 2006 scheint wieder großer ein Aufschwung im argentinischen Kino zu werden.

Aus Frankreich wieder der übliche Mix aus charmanten Publikumshits wie "Toi et Moi", Bobo-Schick wie "Dans Paris" und realistisch langsamen Dramen. Vermißt wird wieder das mutige Erzähl-Experiment, "Innocence" wird übergangen. Schade, weil der Vergleich zu "Bes vakit" interessant gewesen wäre. Über diesen schwierigen Film wird sich auch kaum ein Verleiher trauen, um nicht medial in die Kinderschänderecke getrieben zu werden. Zum Glück gab's als Antidot den herausragenden "Little Miss Sunshine" und wenigstens die türkische Variante dieses Themas.

Über das Spezialprogramm Peter Whitehead bin ich nicht so glücklich, viel Promis, geschmäcklerische Bilder, gute Musik, aber keine guten Filme. Der Sister Act über die legendäre Feindschaft von Joan Fontaine und Olivia de Havilland ist aufgelegt, aber kein Moderator stellt sich vorne hin und erzählt ein bißchen was über die zwei Schwestern und ihre Filme. Das wäre wohl das einfachste gewesen und der Stoff ist für viele Geschichten und Pointen gut. In meiner Radioreihe 2005 "Alte Frauen in schlechten Filmen" waren die zwei auch recht prominent vertreten.

Weitere überraschende Cannes Auslassungen, mit denen ich nicht unbedingt belästigt werden wollte, sind "The wind that shakes the barley", "Babel", "Marie Antoiniette", "Southland Tales", "Der Kaiman" und "Flandres". "Southland Tales" maximal interessehalber. Halb-interessante Festival- und Publikumshits mit Verleih in Ö, die wird dagegen trotzdem ertragen mußten, waren "Lights in the Dusk", "The Queen" und "A Prairie Home Companion". Also nicht nur die Musikfilmauswahl für alte Herren mit dem Blues, sondern auch noch diese Hits um das Gartenbau vollzubekommen.

Spielfilme

The Queen 2 1/2 Sterne [imdb] [80 reviews]
Noticias Lejanas 1 1/2 Sterne [imdb] [2 reviews]
Tonite Let's All Make Love in London 1 1/2 Sterne [imdb] [3 reviews]
Little Miss Sunshine 4 Sterne [imdb] [140 reviews]
Le Passager 1 Sterne [imdb] [1 reviews]
In Between Days 3 1/2 Sterne [imdb] [3 reviews]
Du hast gesagt, dass du mich liebst 2 1/2 Sterne [imdb] [1 reviews]
Mutual Appreciation 3 1/2 Sterne [imdb] [19 reviews]
Toi et moi 3 Sterne [imdb] [2 reviews]
The Host / Gue Mool 3 Sterne [imdb] [? reviews]
El amarillo / Der Gelbe 2 Sterne [imdb] [0 reviews]
Die Verwundbaren [BOMB] [imdb] [0 reviews]
Sommer '04 an der Schlei 3 Sterne [imdb] [1 reviews]
L' Année suivante / The Year After 2 Sterne [imdb] [1 reviews]
Sehnsucht 3 Sterne [imdb] [2 reviews]
Yamuitsu shinzo (New Version) /
Heart, Beating in the dark
1 1/2 Sterne [imdb] [2 reviews]
La Prisionera 4 Sterne [imdb] [0 reviews]
Agua 3 1/2 Sterne [imdb] [0 reviews]
It's Only Talk / Yawarakei seikatsu 4 Sterne [imdb] [0 reviews]
Analog Days 1 1/2 Sterne [imdb] [? reviews]
Bobby [BOMB] [imdb] [9 reviews]
Tropical Malady / Sud pralad 1 Sterne [imdb] [45 reviews]
Look Both Ways 4 Sterne [imdb] [49 reviews]
Nue propriété 2 1/2 Sterne [imdb] [2 reviews]
Bitter Sweet / Nokofurin Toraretaonna 3 Sterne [imdb] [? reviews]
Stephanie Daley 1 1/2 Sterne [imdb] [1 reviews]
Bamako 1 Sterne [imdb] [6 reviews]
Loft /
Shi no otome
1 1/2 Sterne [imdb] [1 reviews]
The Peter-Pan Formula /
Peterpan-eui Gongsik
3 Sterne [imdb] [0 reviews]
Gab es eine oder gab es keine? /
A fost sau n-a fost?
3 1/2 Sterne [imdb] [2 reviews]
Come Early Morning 2 Sterne [imdb] [4 reviews]
Neil Young: Heart of Gold 1 Sterne [imdb] [66 reviews]
Thank you for Smoking 3 Sterne [imdb] [160 reviews]
Dans Paris 2 Sterne [imdb] [2 reviews]
Der Kick 3 Sterne [imdb] [1 reviews]
Half Nelson 4 Sterne [imdb] [76 reviews]
Vibrator 3 Sterne [imdb] [8 reviews]
Iklimler 2 1/2 Sterne [imdb] [16 reviews]
Kaleldo 1 1/2 Sterne [imdb] [0 reviews]
Chuang Bing 0 1/2 Sterne [imdb] [0 reviews]
Glue 4 Sterne [imdb] [1 reviews]
A Scanner Darkly 1 Sterne [imdb] [121 reviews]
Sa-kwa 3 Sterne [imdb] [2 reviews]
A Propósito de Buenos Aires [BOMB] [imdb] [0 reviews]
Cantico das Criaturas (Short) 3 1/2 Sterne [imdb] [? reviews]
Fantasma 3 1/2 Sterne [imdb] [1 reviews]
About Love - Digital Short Films 2006 1 1/2 Sterne [imdb] [0 reviews]
No Day Off - Digital Short Films 2006 2 1/2 Sterne [imdb] [0 reviews]
The Pervert's Guide to Cinema 3 Sterne [imdb] [6 reviews]
A Prairie Home Companion 1 1/2 Sterne [imdb] [135 reviews]
Full or Empty / Gol ya pouch 3 Sterne [imdb] [0 reviews]
Times and Winds / Bes vakit 3 Sterne [imdb] [0 reviews]
 
Nicht gesehen:
Lichter der Großstadt /
Laitakaupungin Valot


La lejenda del tiempo

Zemestan

Bled Number One

Man Push Cart
Lobende Erwähnung Leserjury
Honor de Cavalleria FIPRESCI Preis
Ca brule

Jardins en automne

Rabia 1 Sterne
Be Ahestegi ...


Online Notizblock

The Queen 2 1/2 Sterne

Mitunter hab ich mich im Film sehr geärgert. Ok, die Schauspieler sind natürlich wunderbar, deshalb schaut man sich den überhaupt an. Die Inszenierung schöpft alles aus, wahrt trotzdem die delikate Distanz, aber … Hier haben wir schon das Schlüsselwort, Distanz. Ich spüre da eine scheinheilige Doppelmoral unter den Briten. Da wird die böse Klatschpresse des Todes der Ex-Prinzessin Diana beschuldigt, da wird die Queen als letzte Instanz der aufrechten, distignierten alten Schule abgefeiert, und da schaut man als Zuseher bis indie Schlafzimmer von Tony Blair und Elizabeth Windsor. Das Hauptthema des Films ist purer Populismus. Die seltsam verspätete Reaktion der Queen nach dem Tod von Lady Di. Erst nach einer Woche „rettete“ Tony Blair die Monarchie und bringt die Royals dazu, ihr Herz zu zeigen. Neben der geradezu fantastischen Blair Lobhudelung des Autors stört vor allem der Schlafzimmerblick und auf das können die Briten nicht stolz sein.
Natürlich muss man Helen Mirren lieben. Aber muss ich dafür auch die Queen lieben?

[viennale]
[salon], Rotten Tomatoes 97%

Noticias Lejanas (2.5/4)

Authentisches neorealistisches Armenkino aus Mexiko, brav und langatmig runterzählt. Eine wahre Geschichte, das heißt unkonventionelle Dramaturgie („so wie es das Leben schrieb“) und eine unvorhersehbare Erzählweise. Junge ohne Chancen kommt in die Stadt um ein besseres Leben zu gründen, das ist aber trotz harterArbeit nicht möglich. Im Vergleich zu den aktuellen mexikanischen Filmen, die in Cannes gezeigt wurden, hier aber ausgelassen wurden, „Battle in Heaven“ von Carlos Reygadas („Japón“) und „Sangre“ (von seinem Assistenten, Carlos Reygadas als Produzent), aber zu brav und langweilig wie ein Mittelschüler Erlebnisaufsatz.

Tonite Let's All Make Love in London (1.5/4)

Die Erwartungen, die ich hatte, und die waren wohl zu hoch, wurden nicht erfüllt. Es wurde zwar vieles aus der Bewerbung des Filmes angesprochen, aber nur unzulänglich erfüllt. Formal stimmten zwar die Swinging Sixties, aber inhaltlich fehlte das Adequat. Trotz Interviews mit allen wichtigen Londoner Promisdamals, David Hockney, Mick Jagger, Julie Christie, und Michael Caine 1967. Darauf angesprochen meinte der Regisseur, wer wollte die Leute so zeigen wie sie wirklich sind, langweilig, und nicht überhöht, so in der Filmwelt. Schade, denn gerade die filmische Überhöhung ist eine besondere Stärke von Peter Whitehead.

Little Miss Sunshine (4 von 4)

Der erste vollauf befriedigende Film und gleich ein unerwarteter Riesenhit. Bei allen Beobachtern, mit denen ich geredet habe, auch unter den Top-Drei Filmen.  

Le Passager (1 von 4)

...  

In Between Days (3.5 von 4)

...  
[viennale]

Du hast gesagt dass du mich liebst (3 von 4)

Was wie ein Titel eines Frauenromans klingt, ist auch einer. Obwohl die Frauenroman Perspektive vielleicht ein bisschen einseitig ist, der untreue Mann wird eher aus der Schoßhündchen Perspektive betrachtet und darf schöne poetische Sätze sprechen, und der Kitsch aus der Mottenkiste quillt, ist er trotzdem der schönste Hannelore Elsner Film, noch schöner als die Unberührbare, und all der Poesiekitsch ist schön in dieGeschichte eingebettet. Eigentlich hab ich mir vorgenommen, mir nur die ersten 20 Minuten dieses Zwei Stunden Filmes anzuschauen, aber dann war ich durch die unerwartet direkte Art mitgerissen und ärgerte mich nur mehr über die letzten 5 Minuten über die allzu kitschige Auflösung. Ob das als Parodie gemeint war, bin ich mir nicht sicher. Eine schöne Liebesgeschichte, wie gedruckt, mit zwei schönen Frauen jedenfalls.
[viennale]

Mutual Appreciation (3.5 von 4)

Im Prinzip komplett gleich wie sein Erstling "Funny Ha Ha", aber besser als erwartet und noch besser als "Funny Ha Ha". Vielleicht war es besser, die Männerfigur zu stärken und das Gemeinsame vor das Trennende zu setzen. In der ersten Hälfte waren die Leute begeistert, in der Zweiten total still und zum Schluss komplett überrascht. Klatschen haben sie sich erst nach dem kompletten Abspann getraut. Andrew Bujalski entwickelt sich schön langsam zu einem ernstem Woody Allen Nachfolger. Beide Filmesind einfach konstruiert leben vom Dialogwitz und den Momenten dazwischen.
Warum spielt er immer die dritte Figur?
Es ist nur ehrlich dem Publikum gegenüber. Im Vordergrund stehen immer die zwei Helden, aber die Rolle des dritten Rades passt fantastisch zu Andrew. Es ist seine Geschichte, es ist sein Problem und die Helden tragen die Sympathie. Kein Interessenskonflikt und sehr sarkastisch, bescheiden.
Warum spielt im Gegensatz zu Woody Allen nicht der Verlierer die Hauptrolle sondern nur das dritte Rad? Deshalb.

Toi et moi (3 von 4)

Unterhaltsame französische Liebeskomödie um zweiunterschiedliche Schwestern, die Träumerin und die schöne Prinzessin auf ihren erfolgloser Suche nach dem richtigem Mann.  

The Host / Gue Mool (3 von 4)

Erfreulich angenehmes Spektakel-Kino von einem der profilitiersten koreanischen Schauspieler/Theaterregisseure, der das Angebot angenommen hat, einen konventionellen Horrorfilm zu machen, und daraus mit seinem drei altgedienten Starsund viel Trickeffekten den erfolgfreichsten Publikumshit in Korea produziert hat. Dabei aber das Genre zum Anlaß nimmt allerlei Systemkritik anzubringen, in etwa einem John Landis vergleichbar.
[viennale]

El Amarillo (2.5 von 4)

Auf einfachem Video gedrehte, lakonisch-wortlos erzählte Geschichte um einen Reisenden der in eine Stadt kommt, dort in einer Bar Arbeit findet und Anschluß an die Frau, die im gefällt. Vieles funktioniert nichtwie gewollt, ungewohnt viel technische Probleme für eine argentinischen Film, aber trotzdem sehenswert. Lieber hätte ich aber den neuen Gaetano gesehen, der ein anderes Kaliber ist, als dieser einfache Film vom Lande.
[viennale]

Die Verwundbaren (*bomb*)

Interessant an diesem Film ist eigentlich der Hype aus der Tageszeitung "Der Standard", der ihn als verlorenes Meisterwerk in seine Edition der 50 besten österreichischenFilme übernommen hat. Man sollte aber von der Standard Filmredaktion so etwas gewohnt sein. Ein typischer Schwarz-Weiß Amateurfilm jugendlicher Poser und Wichtigtuer, filmisch und inhaltlich belanglos.

Sommer 04 an der Schleie (3 von 4)

Der beste Martina Gedeck Film dieses Jahr in einem großartigem Gedeck Jahr. Die süßeste Versuchung im Sommerurlaub seit Alan Delon an der Riviera, eine verzwickte und verbotene Beziehung, eine überraschende Wendung, die aber anders als in vergleichbaren unauflösbaren Wendungenin "À ma soeur!" und vor allem in "A Good Lawyers Wife" (Korea 2003), die richtige Zeit- und Emotionsökonomie aufbringt, um das Unauflösbare doch noch zu einem befriedigendem Ende zu führen.
Bei den vielen offenen Enden auf diesem Festival bemerkenswert.

L' Année suivante / The Year After (2 von 4)

Ein fades Gesicht in den letzten fadem Jahr an der Schule, mit persönlichen Schicksalschlägen, eine schwere Zeit, die schwer vergeht. Vor allem wenn nichts passiert, aussenund innen. Und vor allem ärgerlich, wenn man an die Vielzahl von exzellenten koreanischen Filmen aus den letzten Jahren denkt, die das gleiche Thema einfühlsamer und interessanter behandeln.
[viennale]

Sehnsucht (3 von 4)

Nach dem kleinen Meisterwerk "Mein Stern" wagt sich Valeska Grisebach an ihren ersten großen Langfilm, nach ähnlich akurater und langwieriger Vorbereitung und Proben, wieder nur mit Laiendarstellern in Norddeutschland wird dergroße Herzschmerz und das große Pathos im Alltag beleuchtet. Da fallen Sätze in einem neo-realistischem Dokumentarfilm, die man sonst nur in Filmen hört, da weinen und sterben Leute, da bilden sich Mythen.

La Prisionera (4 von 4)

Alle paar Jahre gibt es solche räteselhafte Filme, die alle faszinieren, aber keiner versteht. Und rede nicht von den jährlichen David Lynch Exzessen. Die letzten großen Filmrätsel waren Japón, Blissfully Yours und jetzt La Prisionera aus Argentinien. Das eine symbolistische und strukturalistische Ebene gehobene Beziehungsstück folgt eher den Gesetzen eines Musikstückes, als einem Theater. Zitat: "What are we doing here in this musical shipwreck?"
Leitmotiv ist Beethoven"s Spiegelstück La Appassionata. Das Gegenmotiv wird gleichzeitig mit den gleichen Instrumenten mit gespiegelten Noten gespielt.
Immer wenn einer der drei Helden, ein Mann zwischen zwei Frauen, der Ex und der Neuen, vor eine Wahl gestellt wird, antwortet er/sie mit einer Lüge, nimmt die falsche Wahl. "Reality is a ever changing phenomenon". Z.B. als die Neue - Leo - am Schluß gefragt wird "Pre oder Post?" - Sie nimmt grad eine Pille ein, antwortet sie "Pre", "Wird dir nicht schwindlig?" "Ja, aber 28 Tage lang." Kann man sicher
sein, daß sie nicht die Antibabypille meint, sondern die Pille danach. Die Geschichte und der schluß lassen eindeutig darauf schließen, daß de Geschlechtsverkehr bereits vorangegangen ist, und nicht bevorsteht. Bevorsteht die letzte Rache, die Lust am Zerstören, aber eher die Lust am Zerstören von Strukturen und vorweggenommenen Sehweisen.
Surrealistisch ohne eine Spur von Psychologisierung wie etwa bei einem der Urväter Luis Bunuel, Anders als bei ähnlich selbstreflexiven L"art pour l"art Stücken ist La Prisionera formal exzellent erzählt und immer spannend, und führt am Ende zum spontanen Impuls "Nochmals!", so der erschrockene Ausruf einer jungen Zuseherin aus dem Urania-Publikum. Die Kamera zitiert immer wieder andere Filme, aber nicht in Posen oder Symbolen, sondern in Schwenks, Bewegungen und Schnitten. Der für mich einzig vergleichbare Film, rätselhaft aber viel einfacher, der ir dazu einfällt ist Kyioshi Kurosawa"s Studentenprojekt "Barren Illusions", La Prisionera ist aber nicth aber der Filmhochschule, sondern der Musikhochschule entstanden, von zwei jungen Filmdozenten aus Buenes Aires.

Agua (3.5 von 4)

Nachdem der junge Lagen-Schwimmer die nationale Ausscheidung verpaßt bekommt er das Angebot, bei einem legendären Langstreckenrennen dem alten Meister als Assistent zu helfen. Der Alte hat das letzte Rennen über eine dauer von 8 Stunden vor 6 Jahren gewonnen, er wurde dann aber wegen einem Dopingvergehen ausgeschlossen, und erst nachträglich wiederrehabilitiert. Die Schwimmaufnahmen sind sensationell, man spürt förmlich den Rhythmus, das Schweben, die Schwerelosigkeit von dem das Schwimmen geprägt ist. Argentinische Filme schwelgen in einer außergewöhnlichen Farbenpracht, normalerweise in Orange, hier einmal in Blau. Das offene Ende befriedigt nicht ganz, aber rückwirkend betrachtet muß man ein bißchen Verständnis für die Figuren aufbringen.
[viennale]

It"s Only Talk (4 von 4)

Eine wunderschöne Geschichte über Freundschaft, wenn man sie braucht aber nicht erwartet. Ein Meisterwerk nach einem Roman einer inzwischen ausgezeichneten jungen Autorin, mit etwaden gleichen Grundvorraussetzungen wie der vorangegangene Film "Vibrator". Psychologisch angeschlagene, alleinstehende Frau von etwa 30. Hier allerdings mit komplexeren und reiferen Figurenkonstellationen als in "Vibrator".

Analog Days (1 von 4)

Ein kleiner proto-rassistischer Jugendfilm. Die Gruppe der Helden grenzt sich über authtentisch-alternativer Musik, vom Rest der überzeichneten Yuppies ab. Ein klares Feindbikld ist die etablierte verloegen Gesellschaft. Ein Freund, der ein Beck T-Shirt trägt wird gemobbt, weilBeck inzwischen reich ist und in einer Villa wohnt. Ultrafeindbilder sind ein Muskeldarsteller, der zur Wahl des Kalifornischen Gouvernors antritt, Dolf Lundgren, oder dumm-elitaristische Schulschwätzer. Vereinfachte Feindbilder und Selbstdefinition über alternative Musik, die Tragik der dummen Jugend ohne Helden.
[viennale]

Bobby (*bomb*)

Ein unfreiwillig komisches Starmassenbegräbnis Erster Klasse. Ein großes Halleluja auf alle großen amerikanischen Werte im Hotel in dem am Schluß Bobby Kennedy 1967 erschossen wird, der wahrscheinliche demokratische Gegenkandidat von Richard Nixon. Der wichtigste angesprochene Wert ist das Wissen um amerikanische Baseballstatistiken. Wenn man das versteht und liebt, ist man auch als armer Latino dabei. Es gibt zwar einige üble Propagandafilme aus Serbien, Russland oder China, aber so weit entfernt von der Wirklichkeit ist nur Bobby und die Weinstein Company. Deshalb ist Bobby unbedingt sehenswert, ein größeres Titanic-Schiff, das aufrecht in die Katastrophe  fährtgibt es nicht. Gespickt mit Prominenten Schauspiel Kollegen, die wie in einer Nummernshow ihren großen Auftritt mit einigen unfreiwilligen Lachern haben dürfen, sticht der Schalgzeugauftritt des Regisseurs Emilio Estevez hervor, auch er darf einmal an die   große Bühne wie Thomas Muster in Sport am Montag. Die einzig edie aus diesem Massenbegräbnis sterbender Karrieren halbswegs unbeschädigt heraussteigt, ist überraschenderweise Sharon Stone, "die Unberührbare". Hans Hurch muß komplett gaga geworden sein, uns das ohne Warnung zur Primetime im Gartenbau-Hauptabendprogramm vorzusetzen. Negativbeispiele über den Untergang einer Kulturnation sollte man als solche ankündigen. Das schaut man sich doch gerne an.
[viennale]

Tropical Malady (1 von 4)

Nach dem unerwarteten Insider-, sprich Festivalerfolg von Blissfully Yours, bekam der Regisseur mit dem unausprechlichen Namen aus Thailand, der der Einfachkeit gerne "Joe" genannt werden will, viel Geld von Festivaldirektoren aus Europa für den nächsten Film Tropical Malady. Mit ein bißchen mehr Dschungel bitte. Dadurch ermutigt gibt er jeden Versuch auf, eine Geschichte zu erzählen. Oder wenigstens zu sabotieren, wie in seinem ersten Film. Der erste widerum überlange Teil dieses Amateurfilms in satten 35mm Farben dreht sich ein bißchen um das schwule Begehren zweier dauergrinsenden Thais, und danach fällt ihm ein, er will ja doch noch eine Geschichte erzählen, um die Leute zu befriedigen wie im ersten Film. Da eignetsich das berühmte indische Märchen vom Tigergeist, der in Frauengestalt den Jäger betört, verführt und verhöhnt. Bei Joe ist hübsche Mädchen mit dem Tigerschwanz ein nackter tätowierter Mann der durch den Urwald läuft. Die Schlüsselszenen, in denen der Tiger den schlafenden Jäger anstarrt und der darauffolgende Kampf wird der Einfachkeit halber nicht mit einem Tiger (Special Effects, oh Horror) sondern mit der Männergestalt gedreht. Ein lächerlicher Amateurfilm, aufgeblasen auf 35mm Scopeformat, in interessangem Setting, aufwendiger Kamera und ohne Geschichte. Ein Film für mLiebhaber und davon gibt es viele. Joe hat inzwischen Wong Kar-Wai auf der schwulen-selbstparodistischen Festivalschiene als Star abgelöst. Jedes Jahr ein neues Werk, und dieses Jahr sogar ein Dschungel-Spezial.

Look Both Ways (4 von 4)


Trailer
Ab jetzt achte ich besonders auf Rechts und Links bei jedem Bahnübergang. Horrorbilder und Ängste bevölkern immer wieder überraschend den inneren Blick der Heldin, nach außen mit einem optimistischen aberskeptischen Blick auf die Freuden des Lebens getragen, auch wenn das Leben meist tragisch endet. Ein wunderbarer, reicher Film mit einer schauspielerischen Entdeckung Justine Clark, die ein bißchen an Genevieve Bujold erinnert.

Privatbesitz / Nue Propriété (2.5 von 4)

Familiendrama um einen Mama Sohn und einen Papa Sohn, von dem Schauspieler Brüderpaar Jeremie und Yannick Regnier gespielt. Ein seltener Glücksfall. Über die meiste Zeit ist die Charakterisierung der Verrohung und Verhärtung der Frontensehr genau und das Drama realistisch, lediglich zum Schluß gibt es wie in jedem typischen europäischen Familiendrama nur einen möglichen Weg, die Gewalt, und so gibt es eine konventionelle offene Auflösung. Ärgerlich. Im Stadtkino Verleih.

Bitter Sweet / Nokofurin Toraretaonna (3 von 4)

Sehenswerter japanischer Softporno mit Anspruch ("Ping Kaige"). Wenn man das nicht weiß, würde man sich vielleicht nur ein bißchen über den plötzlichen Impuls junger hübscher Japanerinnen wundern, den nächsten attraktiven älteren Herren die Hose herunterzureissen und ihm einen zu blasen. Dass das und alle anderen Sexszenen nicht gekünstelt wirken, und die Konflikte und die Charakterisierung der Helden auch alsKinodrama funktionieren, ist einer der Stärken dieses "J-Pornos". Eine Produktionsnische, von älteren Herren in den kleinen japanischen Kinos regen Zuspruch erfährt und immer wieder als Sprungbrett für junge japanische Regisseure funktioniert, in der Industrie Fuss zu fassen. Der Produzent mischt nicht groß ein, alles ist möglich, hauptsache es ist genug Sex im Film und die strengen Zensurbestimmungen werden nicht verletzt.

Stephanie Daley (1.5 von 4)

Schwerfällig konstruiertes, einfühlsames aber vorhersehbares Standardbetroffenheitsdrama über die Anklage eines Teenager-Babymords. Als Kontrapunkt zum Teenager wird Tilda Swinton als Psycholgin aufgeboten, leider hochschwanger, natürlichb ebenfalls mitBeziehungsproblemen. Das einzig Gute neben der jungen Darstellerin: Das Ende wird zum Glück nicht psychologisch herbeigezerrt, sondern moralisch. Ein bißchen Exorzismus der Emily Rose ohne Exorzismus Hokuspokus.

Bamako (1 von 4)

In einem für afrikanischem Kino ungewöhnlich gespreizt und artifiziell erzähltes Propagandastück um einen Gerichtsprozess gegen die Weltbank und den IWF. Die Rahmenhandlung, die eigentlich die Probleme der klagenden Partei unterstützen sollte, interessiert sich wenig für den Prozess der im Hinterhof dieses Hauses abgehalten wird. Der Prozess selbst wirdsehr parteiisch dokumentiert.
Der Vertreter der Weltbank, Ms. Rappaport wird gleich zu Beginn filmisch denunziert, und obwohl man 80% der Anklagepunkte zustimmen kann, ärgert man sich über wichtige Punkte, die unter den Tisch gekehrt werden, über die unnotwendige Polarisierung des Konflikts und über das demonstrative Desinteresse der Hauptfiguren.
[viennale]

Loft / Shi no otome (1.4 von 4)

Geradliniger typischer J-Horror ohne besondere Brutalitäten. Am Anfang eine eher klassisch schlichte Mumiengeschichte ohne Schockelemente, überschlägt sich das Buch aber gegen Ende hin mit Wendung über Wendung und führt zu etlichen Lachern im Publikum. Füreinen Kurasawa, den Meister des J-Horrors und auch anspruchsvoller Filme, sehr enttäuschend. Bislang sein schlechtester Film. Beim Asiatischen Viennale Programm ist man aber inzwischen gewöhnt, dass von großen Regisseuren nur die schlechtesten Filme gezeigt werden.

The Peter-Pan Formula (3 von 4)

Eine einfache Entwicklungsgeschichte, äußerst interessant und komplex erzählt. Wenn man sie etwa mit "L" Année suivante" (The Year After) vergleicht. Lediglich das allzu offene Ende überdehntdas Konzept und befriedigt nicht. Wie auch in vielen anderen Viennale Filmen dieses Jahr, eine Inflation von offene Enden sich allzu sehr wichtig nimmt auf Kosten des Publikums.

Gab es eine oder gab es keine (3.5 von 4)

(...Revolution, hier in unserer Stadt)
Nicht ganz das rumänische Meisterwerk wie letztes Jahr der Tod des Herrn Lazarescu, aber der Spezialpreis in Cannes erfolgte auch hier
zu recht. Mit lakonischer Situationskomik führt die Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit Rumäniens sich selbst ad absurdum. Ein großartiger Film der sowohl im Inland wie auch im Ausland funktioniert.
[viennale]

Come Early Morning (2.5 von 4)

Hangover-Blues. Diesmal aus Frauensicht, aber nicht deswegen nicht unbedingt interessanter. Melodramatischer, inklusive Wirtshausschlägerei und Heulkrämpfen. Dazwischen starke Sprüche und die Bibel als Trost. Aber trotzder versumpften Bluesstimmung im tiefen Süden, gibt es starke emanzipatorische Tendenzen, sicher ein Kultfilm dort unten in den Südstaaten. Ein Hoch auf die schönen starken Frauen.
[viennale]

Neil Young: Heart of Gold (1 von 4)

Im Vergleich zu den zwei vorhergehenden Neil Young Filmen, Jim Jarmusch"s Konzertfilm und Neil Young"s eigenem unter dem Pseudonym Bernard Shakey (wegen der Wackelkamera) gedrehten Konzeptfilm "Greendale" ist Heart of Gold unter dem Regisseuer Jonothan Demme und der momentan besten Kamera Amerikas Ellen Kuras eine Enttäuschung und ein großer Rückschritt. Musikalisch, inhaltlich und filmisch. Als Konzertfilm ist er banal, schöne gerade Bilder, nette Freunde, die sich in Nashville Tennesse zu einem Konzert in einem altem Holztheater treffen, nur unkritische Lieder. Die ersten Songs ausschließlich vom aktuellem, langweiligem Album ohne irgendeine hitverdächtige Nummer. Am letzten Album gab es wenigstens zum Schluß noch eine starke Hymne, hier muß man am Schluß sich wie bei einem typischen Neil Young Konzert mit ein paar Hitsbehelfen. Zum Abspann eine halblustige Ballade im leeren Saal. Der Blues hat zugeschlagen. Kein einziger kritischer Songtext, um nur nirgends in den Südstaaten inhaltlich anzuecken, nur endlose Lobhudelungen auf alte Werte.
"Greendale" hatte seine dramaturgischen Schwächen, war trotz der Kunstfiguren und des artifiziellen Videosettings aber um Längen authentischer und hatte auch die besseren Lieder. Und im Jarmusch Film ist die Kamera wesentlich näher an den Personen und am Herzen aus Gold. Da gibt es Widersprüche bei den Proben, da werden Lieder entwickelt, das Konzert selbst ist dann Open-Air mit frischem Licht, kein Vergleich. Maximal noch vergleichbar mit dem ähnlich abgestandenem Abschlußfilm "Prairie Home Companion", ein Abgesang auf alte hölzerne Säle, vergangene Zeiten und alte Werte. Damals als die Welt noch in Ordnung war.

Thank you for Smoking (3 von 4)

Liberal-zynische Farce um die Kunst der Debatte in Amerika und die Fragwürdigkeit von moralischen Vorab-Qualifizierungen. Nach Little Miss Sunshine die zweite positive Programmierungsüberraschung aus den USA. Der Held ist nach herkömmlicher (moralischer) Bobo-Presse Berichterstattung der Teufel leibhaftig. der eloquente Mediensprecherder amerikanischen Raucherlobby, verantworlich für, wie in köstlichen Dreiersitzungen der Vertreter der Raucher-, Alkohol- und Waffenlobby, tausenden von Toten monatlich und nicht nur hunderte jährlich wie den werten Kollegen. EIne Traumrolle für Aaron  eckhart auf die er schon lange gewartet haben muss.

Dans Paris (2.5 von 4)

Am Anfang: Gestelzte Dialoge wie aus einem schlechtem Buch. Wie aus einem Buch über die Dummheit der Liebe, sehr Fou, sehr französisch, sehr Artsy Fartsy. Die Figuren jedoch, als sie sich ihrer zu pathetischen Sätze bewußt wären, posieren nicht wie in den frühen Nouvelle Vague Filmen herum, sondern hüpfen und zappeln aufgeregt wie in einem modernen Theaterstück, sei es von Boris Vian, herum. Nach dem ärgerlichem Beginn erholt sich aber überraschenderweise der Erzählfluss, der aufgeregte Erzähler, der Alter Ego des Regisseurs und selbst Regisseurund Sohn eines Regisseurs und Schauspieler Superstar mutiert zum Shakespear"schem kleinen Dämon, der mit absurden Späßen und erotischen Affären der Schwere des Seins zu Entfliehen sucht, die irreale Ebene verstärkt und so von der Tragik des Alltags, Weihnachten naht! abgelenkt wird. Nein, Weihachten im Schoße der getrennten Familie ist noch nicht genug, der Bruder jammert über die Launen seiner unzufriedenen Frau, der Sex ist schlechter geworden, und die Schwester hat sich aus Melancholie mit 17 umgebracht. "Sie starrte ins Leere und weinte oft ohne Grund."
[viennale]

Der Kick (3 von 4)

Nach der Synospis war ich ja extrem skeptisch, ob das auch so funktionieren kann. Der authentische Fall in Mecklenbug-Vorpommern, bei dem eine Gruppe von Neonazis einen Kollegen geschlagen und dann per Kick auf den Hinterkopf 2002 hingerichtet hatten, frei nach dem Filmvorbildaus "American History X", wurde als Theaterstück adapatiert, allerdings vollkommen reduziert und abstrahiert. Zwei Schauspieler lesen aus Interviewausschnitten mit 18 realen Personen. Bei Dogville hat die Abstraktion funktioniert, bei Karmakar"s Speer Stück wurde noch mehr reduziert und da hat es nicht funktioniert.

Vibrator (3 von 4)

Trotz saublödem reisserischem Titel für den japanischen Markt ein schöner einfühlsamer Film um eine psychologisch angeschlagene Frau, die sich mit einemLastwagenfahrer auf ein Roadmovie durch Japan begibt. Am Anfang muß man ein wenig Sitzfleisch und Wohlwollen aufbringen, für das man später belohnt wird.

Half Nelson (4 von 4)

Jahrzehnte nach "Easy Rider" endlich wieder ein ähnlich kraftvoller idealistischer No-Future Film, über den Verlust der Ideale in unserer Gesellschaft. "Half Nelson" ist der von allen amerikanischen Kritikern der am meisten gelobte Film 2006. Der junge, idealistische Lehrer Dan versucht außerhalb des Lehrplans seinen armen, ausschließlich spanischen und schwarzen Schülern in Brooklyn, die Hintergründe über geschichtliche Entwicklungen der amerikanischen Geschichte,dem Civil Rights Movement, beizubringen. Den Verlust seiner Ideale bekämpft er mit Drogen und Huren. Zu einer 11 jährigen Schülerin, Mutter Polizistin, Onkel Dealer, entwickelt sich ein besonderes Vertrauensverhältnis. Das Thema, die Darsteller, eine unglaublich nahe, direkte Handkamera und der Soundtrack von Broken Social Scene machten Half Nelson zum Independent Hit des Jahres. Für mich einer der wichtigsten Filme des Jahrzehnts.
[viennale]

Iklimler / Climates (3 von 4)

Nach "Uzak" hat Nure Bilge Ceylan die wortlose schöne Heldin seines Filmes geheiratet. Sie, die junge Emra, ist selbst auch Regisseurin und war auch mit einem Kurzfilm gemeinsam mit Uzak in Cannes vertreten. Inzwischen haben sie sich getrennt, warum zeigt etwas vereinfacht dieser Film, "Iklimer". Beide Regisseure spielen sich selber, er um wohl seinen Schmerz zu verarbeiten, und sie wahrscheinlich, weil er im Film, also öffentlich, dieSchuld für das Scheitern der Beziehung auf sich nimmt, durch seine Art und einen Seitensprung. Beide schenken sich aus seiner Sichtweise und in seinem Namen nichts, und wir sind Zeuge. Er vergewaltigt seinen Seitensprung, sie führt sich verrückt auf. Private Probleme werden verallgemeinert, man erkennt sich trotz Überhöhungen selbst wieder. Ein schöner gelungener Film, allerdings bleibt mit fahlem ethischem Nachgeschmack. Warum müssen die Türken alle solche selbstverliebten Machos sein?
[viennale]

Kaleldo / Summer Heat (1.5 von 4)

Relativ uninteressante Familien-Soap im für Südasien typischen Italowesternstil.  
[viennale]

Chuang Bing / Ice Games (0.5 von 4)

Amateurfilm aus Peking.  
[viennale]

Glue (4 von 4)

Bessere Filme über das Leben von 16-Jährigen hab ich noch nicht gesehen. Eine bunte an erinnernde Super-8Kamera, tolle Musik und eine frisch-lustig-bewegende Geschichte über Freundschaft zweier Jungs, die ein Mädchen in ihre Mitte aufnehmen.
[viennale]

Sa-kwa (3 von 4)

Die Themen eines typischen Frauenromans, wichtige Fragen und Antworten, ergeben meist ein schmieriges Epos oder eine langweilige Oper. Nicht so in den neueren koreanischen Filmen. Früher gab es im koreanischen Kino nur solche Themen um der strengen Zensur zu entgehen. Inzwischen aber sind die Koreaner der Seifenoper und dem Epos überdrüssig und produzieren realistische anspruchsvolle Filme, die trotzdem ihr Publikum finden. Die Standard Leserjury war dem nicht gewachsen. Moon So-Ri,einer der besten koreanischen Schauspielerinnen überzeugt in der schwierigen Hauptrolle, die kindlich lustige, und wieder ernste erwachsene Momente erfordern, in so wichtigen Fragen, wie. "Wen heirate ich von den zwei? Ist er der Richtige? Soll ich mich scheiden lassen? Soll ich das Kind behalten? Soll ich zum Alten, mit dem es nicht funktioniert hat, zurück? Warum ist er so komisch?". Nicht einmal die notwendigen Zeitsprünge unterbrechen den Fluss der Handlung.

A Scanner Darkly (1 von 4)

Ein hochkomplexes aber nicht wirklich einfach zu verfilmends Phillip K Dick Buch wieder nach Waking Life in dem digital verfremdeten Rotar... verfahren von Richard Linklater gedreht, trägt nicht dazu bei, zwischen den Zeilen in die Tiefen desBuches vorzudringen, sondern bleibt an der spekulativen Oberfläche. Und als Zuseher braucht man lange, um hinter der neuen Technik überhaupt mehr erblicken. Ein bißchen Verschwörungstheorie auf verspieltem Manga Niveau. Leider überhaupt kein Vergleich zu dem großartigem "Sin City".

A Propósito de Buenos Aires (0 von 4)

L"art pour l"art,m die zweite non-linerear Non-Plotübung nach "La Prisionera" aus Buenos Aires zeigt deutlich die Unterschiede solcher Experimente.
1. Kamera, 2. Schnitt. 3. Buch
 
[viennale]

Cantico das Criaturas (3 von 4)

Frisch-fröhliche Franz von Asissi Parodie aus Portugal in drei formal unterschiedlichen Teilen, bei denen alle für sich überzeugen können. Sehr genial. 

Fantasma (2.5 von 4)

Ein Mini-Meisterwerk. Die Inhaltsangabe verspricht nicht viel, aber das ist bei einem Alsonso Film immer so. Wichtig ist die kraftvolle Materialität des Bildes, und sogar wenn Alonso nicht in den Dschungel geht, sondern in ein Riesenhaus mit Hallen, Gängen und Aufzügen spürt man, dass hierein Meister des Bildes am Werk ist. Ein Kartenbilleteur hat so einen genialen Kurzauftritt, daß man zum Schluß kommen muß, dass er der Held des nächsten Langspielfilmes sein wird. Wir sind schon neugierig, ob er sich im Dschungel oder in den Gängen des Kinos verirren wird.
[viennale]

About Love - Digital Short Films 2006 (1.5 von 4)

Unser stiller Anti-Held verliebt sich in die Frau eines Studienkollegen in Kasachstan nach Tschechov"s Stück "Über die Liebe". Ein bieder-brav und seltsam blutleer erzählte einfache Geschichte eines Amateurs.
About Love handelt von Kairat, einem einsamen Mathematiklehrer, der zufällig seinen alten Freund Askar wiedertrifft, mit dem er seinerzeit gemeinsam die Universität besuchte. Askar lädt Kairat
zu sich nach Hause ein, wo dieser die Bekanntschaft mit Askars Frau Togzhan macht - und sich in diese verliebt. Und obwohl es sich um gegenseitige Liebe handelt, können die beiden die Hindernisse, die ihnen das Leben in den Weg stellt, nicht überwinden. Darezhan Omirbayevs About Love basiert auf der Erzählung «Stachelbeeren» von Anton Tschechow.
[viennale]

No Day Off - Digital Short Films 2006 (2.5 von 4)

Ein schönes Beispiel eines moralischen Zeigefinger Kinos, das man sich gerne anschaut. Das typische Schicksal einer indonesischen Haushaltshilfe in Singapur wird exemplarisch und ziemlich trocken bebildert, mit viel Empathie für die Hauptfigur, ohne dramatische Zuspitzungen.
No Day Off von Eric Khoo verfolgt über einen Zeitraum von vier Jahren
das Leben von Siti, einer jungen Frau, die ihren Mann und ihr Kleinkind in ihrem Heimatdorf zurücklässt, um als Dienstmädchen in Singapore zu arbeiten. Aus der Perspektive Sitis erzählt, schildert der Film von den Prüfungen und Leiden, welche die junge Frau in den Diensten dreier verschiedener Familien durchlebt.
[viennale]

Peter Whitehead"s Rock and Pop Promos1

* Beach Boys in London (1 von 4)
Wenn man die harmlose Beach Boys Aufnahmen mit etwa Richard Lester"s Help vergleicht, ist das Peter Whitehead Material trotz ungleich höhreren (Promo-)Aufwand banal. DieKamera verfolgt die Jungs durch die Faneuphorie, auf der Fahrt vom Flughafen in die Stadt und beim Shopping. Das dürfte eine sehr frühe Arbeit sein.
* Pink Floyd in London (3 von 4)

"A Tribute to Syd Barret". Eine monoton-treibende Nummer aus dem Anfang von "Tonite Let"s All Make Love" ca 15 Minuten lang ausgespielt.

 
* Led Zeppelin Live at the Royal Albert Hall (Ausschnitt) (3 von 4)

Gitarrengott Jimmy Page ein bißchen entzaubert.

 

The Pervert"s Guide to Cinema (3 von 4)

Slavoj Zizek führt unterhaltsam durch die Phantasiewelten einiger Kinoklassiker, frei nach dem Motto, "Kino im Leben, Leben im Kino", und kommt auf einige für mich überaschende Analysen. Endlich verstehe ich zB. "Lost Highway". Ein kurzer Klapps auf den Rücken war das auslösende Moment für die Flucht in die Traumwelt. Beifast allen Analysen und Thesen kann ich zustimmen, man schmunzelt viel und hat kaum Zeit für diverse Aha"s, lediglich Kieslowski"s "Blue" ist für mich doch etwas reicher und komplizierter als Zizek das populärwissenschaftlich erklärt. Das Material besteht aus drei Teilen á 50 Minuten, zu sehen waren nur Teil 1 und 2.

A Prairie Home Companion (1.5 von 4)

Der alte Starhasser Robert Altmann, neben dem kaum einer mit anderer Meinung die Sonne sehen darf, versammelt wieder einmal ein Ensemble zum letzten Abgesang. Eine Live-Country Radiosendung gibt ihre letzte Show, die letzten Stars werden aufgeboten, alles geht einmal zu Ende, undein schöne unbekannte Frauengestalt in Hermelin wandelt als Geist durch die Hallen. Uninspirierter Filmkitsch und viel schlechte Musik, und eine Schlangengrube der Stars vor und hinter der Kamera singen ein Loblied auf das "seit nett zueinander". "Country Home, Country Home, West Virginia, ..."

Full or empty / Gol ya pouch (3.5 von 4)

Politische Farce mit ernstem Hintergrund aus Persien, die einen eigenartigen Nachgeschmack hinterlässt.  
[viennale]

Times and winds / Bes vakit (3 von 4)

...  
[viennale]

Resume & Ausblick

In der Dichte bessere Filme als in den letzten 2 Jahren, fast schon an die goldenen Jahre 2002 und 2003 erinnernd.

Zum Überraschungsfilm Sicilia! von Straub-Huillet, im letzten Moment duch den plötzlichen Tod von Danielle Huillet, hastig als Kondolenz programmiert, hege ich Sympathien, und ich hab ihn auch erraten (wirklich!), obwohl mir natürlich wie jedem anderen die ursprüngliche Auswahl des chinesischen Venedig Gewinners besser gelegen wäre.

Preise:
FIPRESCI-Preis: Honor de Cavalleria. Inoffizielle lobende Erwähnung für "Zeit des Abschieds" (?)

Standard-Leserpreis: "Balordi". Lobende Erwähnungen für "Glue" und "Man Push Card".

Wiener Filmpreis: "Kurz davor ist es passiert".

Siehe auch hier.

Viennale Visiting in Graz

Überraschend viele Leute dann in den nächsten drei Tagen auch im Grazer KIZ Kino. Die Auswahl ist nicht sehr gewagt oder exzellent, aber trotzdem werden 7 von 9 Filmen ohne Verleih gespielt.
Empfehlungen: Vibrator , Full or Empty / Gol ya pouch , Times and Winds / Bes vakit


 
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Reini Urban | Created: "2006-10-23 rurban" | Last update: "2006-10-31 20:45:24 rurban"