Viennale 2006
Autor: Reini Urban
Viennale
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Nachdem ich mich letztes Jahr zu sehr geärgert hatte, und
vorsorglich nichts dazu veröffentlicht habe, schaut's dieses Jahr
wieder gut aus. Diesmal hab ich meine Wunschliste schon vorab
veröffentlicht, und die meisten Wünsche wurden
wundersamerweise auch erhört.
Kritik der Auswahl:
US: Neben der Liste der
ultimativen amerikanischen Indiependent-Hits "Little Miss Sunshine",
"Half
Nelson" und "Mutual Appreciation" enttäuscht die Auswahl ein
bißchen. Ein überraschend guter Treffer mit "Thank you for
Smoking", typische Filme für's Wiener
Bobo-derStandard Publikum sind "Come Early Morning", "Old Boy" und
"Analog Days", und
Enttäuschungen "Bobby", "Romance & Cigarettes" und "A Scanner
Darkly". Vor allem bei "Bobby" fragt sich die Kritik, wie der da
ins Primetime Programm hineinrutschen konnte. Vermißt habe ich
Beispiele einer neuen
selbstbewußten Form des Erzählkinos, wie im letzten Jahr "Me
and You and Everything we Know", die da wären: "Happy Endings",
"Sherry Baby", evtl. noch "Napoleon Dynamite"
oder "The new great Wonderful".
Neben der dominierenden Auswahl an wie immer hervorragenden
argentinischen, koreanischen und japanischen Filmen überrascht die
Qualität und auch ein bißchen die Auswahl des deutschen
Spielfilms. Die Deutschen müßten ja eigentlich nicht
im
Viennale Programm präsentiert werden, da sie auswegslos alle den
Weg ins reguläre Kinoprogrammm finden. Bis auf Rolf Thome
vielleicht. Den deutschen Cannes Beitrag "Ping Pong" vermißt man,
aber gleichwertige Hits wie "Sommer 04", "Am Montag kommen die
Fenster", "Sehnsucht" und "Der Kick" überzeugen. Aber auch der
sonst eher
ungenießbare Rolf Thome kann positiv überraschen.
Aus Korea hab ich wieder
einmal Hong Sang-Soo's aktuellen Film
schmerzlichst vermißt, aber das ist beim wichtigsten und
intelligentesten koreanischen Regisseur in Wien meist so; von ihm sind
bislang nur seine schlechtesten Filme gezeigt worden. Dafür gibt's
eine gute Auswahl an Erstlingsfilmen. Und als Verstärkung den Hit
des Jahres "The Host", und den
hervorragenden Videofilm "In Between Days" einer Exilkoreanerin in
Kanada. Mit der japanischen Auswahl
bin ich rundum zufrieden, sogar besser
als erwartet. Vor allem der "Vibrator" Nachfolge Film "It's Only Talk"
überzeugt. Mich für mich bislang der beste Film des Jahres.
Die argentinische Auswahl
ist überraschend groß, obwohl
der wohl wichtigste und beste Film aus Cannes 06, "Story of a flight"
von Israel Adrian Gaetano in der Tradition von "El
Bonaerense" fehlt. Wohl eine Geschmacksfrage deutet der Kurator an.
Auch "Battle in Heaven" und "El Sangre" aus Mexiko hätte ich
erwartet.
Aus Frankreich wieder der
übliche Mix aus charmanten
Publikumshits wie "Toi et Moi", Bobo-Schick wie "Dans Paris" und
realistisch langsamen Dramen. Vermißt wird wieder das mutige
Erzähl-Experiment aus der Gaspar Noe Ecke,
nach "Irreversible" wurde diesmal "Innocence" übergangen.
Über
diesen schwiergien Film wird sich auch kaum ein Verleiher trauen, um
nicht medial in die Kinderschänderecke getrieben zu werden. Zum
Glück gab's als Antidot den herausragenden "Little Miss Sunshine".
Über das Spezialprogramm Peter
Whitehead bin ich nicht so
glücklich, viel Promis, geschmäcklerische Bilder, gute Musik,
aber keine
guten Filme. Der Sister Act
über die legendäre Feindschaft
von Joan Fontaine und Olivia de Havilland ist aufgelegt, aber kein
Moderator stellt
sich vorne hin und erzählt ein bißchen was über die
zwei Schwestern und ihre Filme. Das wäre wohl das
einfachste gewesen und der Stoff ist für viele Geschichten und
Pointen gut. In meiner Radioreihe 2005 "Alte Frauen in schlechten
Filmen" waren die zwei auch recht prominent vertreten.
Weitere überraschende Cannes
Auslassungen, mit denen ich
nicht unbedingt belästigt werden wollte, sind "The wind that
shakes the barley", "Babel", "Marie Antoiniette", "Southland Tales",
"Der Kaiman" und "Flandres". "Southland Tales" evtl. interessehalber.
Halb-interessante Festival- und Publikumshits mit Verleih in Ö,
die wird dagegen trotzdem ertragen mußten, waren "Lights in the Dusk", "The Queen" und "A
Prairie Home Companion".
Filmbesprechungen
Online Notizblock
[viennale]
Mitunter hab ich mich im Film sehr
geärgert.
Ok, die Schauspieler sind natürlich wunderbar, deshalb schaut man
sich den
überhaupt an. Die Inszenierung schöpft alles aus, wahrt
trotzdem die delikate
Distanz, aber … Hier haben wir schon das Schlüsselwort, Distanz.
Ich spüre da
eine scheinheilige Doppelmoral unter den Briten. Da wird die böse
Klatschpresse
des Todes der Ex-Prinzessin Diana beschuldigt, da wird die Queen als
letzte
Instanz der aufrechten, distignierten alten Schule abgefeiert, und da
schaut
man als Zuseher bis in die Schlafzimmer von Tony Blair und Elizabeth
Windsor.
Das Hauptthema des Films ist purer Populismus. Die seltsam
verspätete Reaktion
der Queen nach dem Tod von Lady Di. Erst nach einer Woche „rettete“
Tony Blair
die Monarchie und bringt die Royals dazu, ihr Herz zu zeigen. Neben der
geradezu fantastischen Blair Lobhudelung des Autors stört vor
allem der
Schlafzimmerblick und auf das können die Briten nicht stolz sein.
Natürlich muss man Helen
Mirren lieben. Aber
muss ich dafür auch die Queen lieben?
[viennale]
Authentisches neorealistisches Armenkino aus Mexiko,
brav und langatmig runterzählt. Eine wahre Geschichte, das
heißt unkonventionelle Dramaturgie („so wie es das Leben
schrieb“) und eine
unvorhersehbare
Erzählweise. Junge ohne Chancen kommt in die Stadt um ein besseres
Leben zu gründen,
das ist aber trotz harter Arbeit nicht möglich. Im Vergleich zu
den aktuellen
mexikanischen Filmen, die in Cannes gezeigt wurden, hier aber
ausgelassen
wurden, „Battle in Heaven“ von Carlos Reygadas („Japón“) und
„Sangre“ (von seinem Aissistenten, Carlos Reygadas als Produzent), aber
zu brav und langweilig wie ein
Mittelschüler Erlebnisaufsatz.
[viennale]
Die
Erwartungen, die ich hatte, und die waren wohl
zu hoch, wurden nicht erfüllt. Es wurde zwar vieles aus der
Bewerbung des
Filmes angesprochen, aber nur unzulänglich erfüllt. Formal
stimmten zwar die
Swinging Sixties, aber inhaltlich fehlte das Adequat. Trotz Interviews
mit
allen wichtigen Londoner Promis damals, David Hockney, Mick Jagger,
Julie
Christie, und Michael Caine 1967. Darauf angesprochen meinte der
Regissuer, wer
wollte die Leute so zeigen wie sie wirklich sind, langweilig, und nicht
überhöht, so in der Filmwelt. Schade, denn gerade die
filmische Überhöhung ist
eine besondere Stärke von Peter Whitehead.
[viennale]
Der erste vollauf befriedigende Film und gleich ein unerwarteter
Riesenhit. Bei allen Beobachtern, mit denen ich geredet habe, auch
unter den Top-Drei Filmen.
Was wie ein Titel eines Frauenromans klingt, ist auch einer. Obwohl die
Frauenroman Perspektive vielleicht ein bisschen einseitig ist, der
untreue Mann wird eher aus der Schoßhündchen Perspektive
betrachtet und darf schöne poetische Sätze sprechen, und der
Kitsch aus der Mottenkiste quillt, ist er trotzdem der schönste
Hannelore Elsner Film, noch schöner als die Unberührbare, und
all der Poesiekitsch ist schön in die Geschichte eingebettet.
Eigentlich hab ich mir vorgenommen, mir nur die ersten 20 Minuten
dieses Zwei Stunden Filmes anzuschauen, aber dann war ich durch die
unerwartet direkte Art mitgerissen und ärgerte mich nur mehr
über die letzten 5 Minuten über die allzu kitschige
Auflösung. Ob das als Parodie gemeint war, bin ich mir nicht
sicher. Eine schöne Liebesgeschichte, wie gedruckt, mit zwei
schönen Frauen jedenfalls.
Im Prinzip komplett gleich wie sein Erstling "Funny Ha Ha", aber besser
als erwartet und noch besser als "Funny Ha Ha". Vielleicht war es
besser, die Männerfigur zu stärken und das Gemeinsame vor das
Trennende zu setzen. In der ersten Hälfte waren die Leute
begeistert, in der Zweiten total still und zum Schluss komplett
überrascht. Klatschen haben sie sich erst nach dem kompletten
Abspann getraut. Andrew Bujalski entwickelt sich schön langsam zu
einem ernstem Woody Allen Nachfolger. Beide Filme sind einfach
konstruiert leben vom Dialogwitz und den Momenten dazwischen.
Warum spielt er immer die dritte Figur?
Es ist nur ehrlich dem Publikum gegenüber. Im Vordergrund stehen
immer die zwei Helden, aber die Rolle des dritten Rades passt
fantastisch zu Andrew. Es ist seine Geschichte, es ist sein Problem und
die Helden tragen die Sympathie. Kein Interessenskonflikt und sehr
sarkastisch, bescheiden.
Warum spielt im Gegensatz zu Woody Allen nicht der Verlierer die
Hauptrolle sondern nur das dritte Rad? Deshalb.
Unterhaltsame französische Liebeskomödie um
zweiunterschiedliche Schwestern, die Träumerin und die schöne
Prinzessin auf ihren erfolgloser Suche nach dem richtigem Mann.
Auf einfachem Video gedrehte, lakonisch-wortlos erzählte
Geschichte um einen Reisenden der in eine Stadt kommt, dort in einer
Bar Arbeit findet und Anschluß an die Frau, die im gefällt.
Vieles funktioniert nicht wie gewollt, ungewohnt viel technische
Probleme für eine argentinischen Film, aber trotzdem sehenswert.
Lieber hätte ich aber den neuen Gaetano gesehen, der ein anderes
Kaliber ist, als dieser einfache Film vom Lande.
Interessant an diesem Film ist eigentlich der Hype aus der Tageszeitung
"Der Standard", der ihn als verlorenes Meisterwerk in seine Edition der
50 besten österreichischen Filme übernommen hat.
Man sollte aber von der Standard Filmredaktion so etwas gewohnt sein. Ein typischer
Schwarz-Weiß Amateurfilm jugendlicher Poser und Wichtigtuer,
filmisch und inhaltlich belanglos.
Der beste Martina Gedeck Film dieses Jahr in einem großartigem
Gedeck Jahr. Die süßeste Versuchung im Sommerurlaub seit
Alan Delon an der Riviera, eine verzwickte und verbotene Beziehung,
eine überraschende Wendung, die aber anders als in vergleichbaren
unauflösbaren Wendungen in "À ma soeur!" und vor allem in
"A Good Lawyers Wife" (Korea 2003), die richtige Zeit- und
Emotionsökonomie aufbringt, um das Unauflösbare doch noch zu
einem befriedigendem Ende zu führen.
Bei den vielen offenen Enden auf diesem Festival bemerkenswert.
Ein fades Gesicht in den letzten fadem Jahr an der Schule, mit
persönlichen Schicksalschlägen, eine schwere Zeit, die schwer
vergeht. Vor allem wenn nichts passiert, aussen und innen. Und vor
allem ärgerlich, wenn man an die Vielzahl von exzellenten
koreanischen Filmen aus den letzten Jahren denkt, die das gleiche Thema
einfühlsamer und interessanter behandeln.
Nach dem kleinen Meisterwerk "Mein Stern" wagt sich Valeska Grisebach
an ihren ersten großen Langfilm, nach ähnlich akurater und
langwieriger Vorbereitung und Proben, wieder nur mit Laiendarstellern
in Norddeutschland wird der große Herzschmerz und das große
Pathos im Alltag beleuchtet. Da fallen Sätze in einem
neo-realistischem Dokumentarfilm, die man sonst nur in Filmen
hört, da weinen und sterben Leute, da bilden sich Mythen.
Alle paar Jahre gibt es solche räteselhafte Filme, die alle
faszinieren, aber keiner versteht. Und rede nicht von den
jährlichen David Lynch Exzessen. Die letzten großen
Filmrätsel waren Japón, Blissfully Yours und jetzt La
Prisionera aus Argentinien. Das eine symbolistische und
strukturalistische Ebene gehobene Beziehungsstück folgt eher den
Gesetzen eines Musikstückes, als einem Theater. Zitat: "What are
we doing here in this musical shipwreck?"
Leitmotiv ist Beethoven's Spiegelstück La Appassionata. Das
Gegenmotiv wird gleichzeitig mit den gleichen Instrumenten mit
gespiegelten Noten gespielt.
Immer wenn einer der drei Helden, ein Mann zwischen zwei Frauen, der Ex
und der Neuen, vor eine Wahl gestellt wird, antwortet er/sie mit einer
Lüge, nimmt die falsche Wahl. "Reality is a ever changing
phenomenon". Z.B. als die Neue - Leo - am Schluß gefragt wird
"Pre oder Post?" - Sie nimmt grad eine Pille ein, antwortet sie "Pre",
"Wird dir nicht schwindlig?" "Ja, aber 28 Tage lang." Kann man sicher
sein, daß sie nicht die Antibabypille meint, sondern die Pille
danach. Die Geschichte und der schluß lassen eindeutig darauf
schließen, daß de Geschlechtsverkehr bereits vorangegangen
ist, und nicht bevorsteht. Bevorsteht die letzte Rache, die Lust am
Zerstören, aber eher die Lust am Zerstören von Strukturen und
vorweggenommenen Sehweisen.
Surrealistisch ohne eine Spur von Psychologisierung wie etwa bei einem
der Urväter Luis Bunuel, Anders als bei ähnlich
selbstreflexiven L'art pour l'art Stücken ist La Prisionera formal
exzellent erzählt und immer spannend, und führt am Ende zum
spontanen Impuls "Nochmals!", so der erschrockene Ausruf einer jungen
Zuseherin aus dem Urania-Publikum. Die Kamera zitiert immer wieder
andere Filme, aber nicht in Posen oder Symbolen, sondern in Schwenks,
Bewegungen und Schnitten. Der für mich einzig vergleichbare Film,
rätselhaft aber viel einfacher, der ir dazu einfällt ist
Kyioshi Kurosawa's Studentenprojekt "Barren Illusions", La Prisionera
ist aber nicth aber der Filmhochschule, sondern der Musikhochschule
entstanden, von zwei jungen Filmdozenten aus Buenes Aires.
Nachdem der junge Lagen-Schwimmer die nationale Ausscheidung verpaßt
bekommt er das Angebot, bei einem legendären Langstreckenrennen dem
alten Meister als Assistent zu helfen. Der Alte hat das letzte Rennen über eine dauer von 8 Stunden
vor 6 Jahren gewonnen, er wurde dann aber wegen einem Dopingvergehen ausgeschlossen, und erst
nachträglich wieder rehabilitiert. Die Schwimmaufnahmen sind sensationell, man spürt
förmlich den Rhythmus, das Schweben, die Schwerelosigkeit von dem das Schwimmen geprägt ist.
Argentinische Filme schwelgen in einer außergewöhnlichen Farbenpracht,
normalerweise in Orange, hier einmal in Blau. Das offene Ende befriedigt nicht ganz,
aber rückwirkend betrachtet muß man ein bißchen Verständnis für die Figuren aufbringen.
Eine wunderschöne Geschichte über Freundschaft, wenn man sie
braucht aber nicht erwartet. Ein Meisterwerk nach einem Roman einer
inzwischen ausgezeichneten jungen Autorin, mit etwa den gleichen
Grundvorraussetzungen wie der vorangegangene Film "Vibrator".
Psychologisch angeschlagene, alleinstehende Frau von etwa 30. Hier
allerdings mit komplexeren und reiferen Figurenkonstellationen als in
"Vibrator".
Ein kleiner proto-rassistischer Jugendfilm. Die Gruppe der Helden
grenzt sich über authtentisch-alternativer Musik, vom Rest der
überzeichneten Yuppies ab. Ein klares Feindbikld ist die
etablierte verloegen Gesellschaft. Ein Freund, der ein Beck T-Shirt
trägt wird gemobbt, weil Beck inzwischen reich ist und in einer
Villa wohnt. Ultrafeindbilder sind ein Muskeldarsteller, der zur Wahl
des Kalifornischen Gouvernors antritt, Dolf Lundgren, oder
dumm-elitaristische Schulschwätzer. Vereinfachte Feindbilder und
Selbstdefinition über alternative Musik, die Tragik der dummen
Jugend ohne Helden.
Ein unfreiwillig komisches Starmassenbegräbnis Erster Klasse. Ein
großes Halleluja auf alle großen amerikanischen Werte im
Hotel in dem am Schluß Bobby Kennedy 1967 erschossen wird, der
wahrscheinliche demokratische Gegenkandidat von Richard Nixon. Der
wichtigste angesprochene Wert ist das Wissen um amerikanische
Baseballstatistiken. Wenn man das versteht und liebt, ist man auch als
armer Latino dabei. Es gibt zwar einige üble Propagandafilme aus
Serbien, Russland oder China, aber so weit entfernt von der
Wirklichkeit ist nur Bobby und die Weinstein Company. Deshalb ist Bobby
unbedingt sehenswert, ein größeres Titanic-Schiff, das
aufrecht in die Katastrophe fährt gibt es nicht. Gespickt
mit Prominenten Schauspiel Kollegen, die wie in einer Nummernshow ihren
großen Auftritt mit einigen unfreiwilligen Lachern haben
dürfen, sticht der Schalgzeugauftritt des Regisseurs Emilio
Estevez hervor, auch er darf einmal an die große
Bühne wie Thomas Muster in Sport am Montag. Die einzig edie aus
diesem Massenbegräbnis sterbender Karrieren halbswegs
unbeschädigt heraussteigt, ist überraschenderweise Sharon
Stone, "die Unberührbare". Hans Hurch muß komplett gaga
geworden sein, uns das ohne Warnung zur Primetime im
Gartenbau-Hauptabendprogramm vorzusetzen. Negativbeispiele über
den Untergang einer Kulturnation sollte man als solche ankündigen.
Das schaut man sich doch gerne an.
Nach dem unerwarteten Insider-, sprich Festivalerfolg von Blissfully
Yours, bekam der Regisseur mit dem unausprechlichen Namen aus Thailand,
der der Einfachkeit gerne "Joe" genannt werden will, viel Geld von
Festivaldirektoren aus Europa für den nächsten Film Tropical
Malady. Mit ein bißchen mehr Dschungel bitte. Dadurch ermutigt
gibt er jeden Versuch auf, eine Geschichte zu erzählen. Oder
wenigstens zu sabotieren, wie in seinem ersten Film. Der erste widerum
überlange Teil dieses Amateurfilms in satten 35mm Farben dreht
sich ein bißchen um das schwule Begehren zweier dauergrinsenden
Thais, und danach fällt ihm ein, er will ja doch noch eine
Geschichte erzählen, um die Leute zu befriedigen wie im ersten
Film. Da eignet sich das berühmte indische Märchen vom
Tigergeist, der in Frauengestalt den Jäger betört,
verführt und verhöhnt. Bei Joe ist hübsche Mädchen
mit dem Tigerschwanz ein nackter tätowierter Mann der durch den
Urwald läuft. Die Schlüsselszenen, in denen der Tiger den
schlafenden Jäger anstarrt und der darauffolgende Kampf wird der
Einfachkeit halber nicht mit einem Tiger (Special Effects, oh Horror)
sondern mit der Männergestalt gedreht. Ein lächerlicher
Amateurfilm, aufgeblasen auf 35mm Scopeformat, in interessangem
Setting, aufwendiger Kamera und ohne Geschichte. Ein Film für
mLiebhaber und davon gibt es viele. Joe hat inzwischen Wong Kar-Wai auf
der schwulen-selbstparodistischen Festivalschiene als Star
abgelöst. Jedes Jahr ein neues Werk, und dieses Jahr sogar ein
Dschungel-Spezial.
Ab jetzt achte ich besonders auf Rechts und Links bei jedem
Bahnübergang. Horrorbilder und Ängste bevölkern immer
wieder überraschend den inneren Blick der Heldin, nach außen mit einem optimistischen
aber skeptischen Blick auf die Freuden des Lebens getragen, auch wenn
das Leben meist tragisch endet. Ein wunderbarer, reicher Film mit einer
schauspielerischen Entdeckung Justine Clark, die ein bißchen an
Genevieve Bujold erinnert.
Familiendrama um einen Mama Sohn und einen Papa Sohn, von dem Schauspieler
Brüderpaar Jeremie und Yannick Regnier gespielt. Ein seltener Glücksfall. Über
die meiste Zeit ist die Charakterisierung der Verrohung und Verhärtung der Fronten
sehr genau und das Drama realistisch, lediglich zum Schluß gibt es wie in jedem
typischen europäischen Familiendrama nur einen möglichen Weg, die Gewalt,
und so gibt es eine konventionelle offene Auflösung. Ärgerlich. Im Stadtkino Verleih.
Sehenswerter japanischer Softporno mit Anspruch ("Ping Kaige").
Wenn man das nicht weiß, würde man sich vielleicht nur ein bißchen
über den plötzlichen Impuls junger hübscher Japanerinnen wundern, den
nächsten attraktiven älteren Herren die Hose herunterzureissen und ihm einen zu blasen.
Dass das und alle anderen Sexszenen nicht gekünstelt wirken, und die Konflikte
und die Charakterisierung der Helden auch als Kinodrama funktionieren,
ist einer der Stärken dieses "J-Pornos".
Eine Produktionsnische, von älteren Herren in den kleinen japanischen Kinos regen
Zuspruch erfährt und immer wieder als Sprungbrett für junge japanische Regisseure funktioniert,
in der Industrie Fuss zu fassen. Der Produzent mischt nicht groß ein, alles ist möglich,
hauptsache
es ist genug Sex im Film und die strengen Zensurbestimmungen werden
nicht verletzt.
Schwerfällig konstruiertes, einfühlsames aber vorhersehbares
Standardbetroffenheitsdrama über die Anklage eines
Teenager-Babymords. Als Kontrapunkt zum Teenager wird Tilda Swinton
als Psycholgin aufgeboten, leider hochschwanger, natürlichb ebenfalls
mit Beziehungsproblemen. Das einzig Gute neben der jungen Darstellerin:
Das Ende wird zum Glück nicht psychologisch herbeigezerrt, sondern moralisch.
Ein bißchen Exorzismus der Emily Rose ohne Exorzismus Hokuspokus.
In einem für afrikanischem Kino ungewöhnlich gespreizt und
artifiziell erzähltes Propagandastück um einen
Gerichtsprozess gegen die Weltbank und den IWF. Die Rahmenhandlung, die
eigentlich die Probleme der klagenden Partei unterstützen sollte, interessiert
sich wenig für den Prozess der im Hinterhof dieses Hauses
abgehalten wird. Der Prozess selbst wird sehr parteiisch dokumentiert.
Der Vertreter der Weltbank, Ms. Rappaport wird gleich zu Beginn
filmisch denunziert, und obwohl man 80% der Anklagepunkte zustimmen
kann, ärgert man sich über wichtige Punkte, die unter den
Tisch gekehrt werden, über die unnotwendige Polarisierung des
Konflikts und über das demonstrative Desinteresse der
Hauptfiguren.
Geradliniger typischer J-Horror ohne besondere Brutalitäten. Am
Anfang eine eher klassisch schlichte Mumiengeschichte ohne
Schockelemente, überschlägt sich das Buch aber gegen Ende hin
mit Wendung über Wendung und führt zu etlichen Lachern im
Publikum. Für einen Kurasawa, den Meister des J-Horrors und auch
anspruchsvoller Filme, sehr enttäuschend. Bislang sein
schlechtester Film.
Eine einfache Entwicklungsgeschichte, äußerst interessant
und komplex erzählt. Wenn man sie etwa mit "L' Année
suivante" (The Year After) vergleicht. Lediglich das allzu offene Ende
überdehnt das Konzept und befriedigt nicht. Wie auch in vielen
anderen Viennale Filmen dieses Jahr, eine Inflation von offene Enden
sich allzu sehr wichtig nimmt auf Kosten des Publikums.
(...Revolution, hier in unserer Stadt)
Nicht ganz das rumänische Meisterwerk wie letztes Jahr der Tod des
Herrn Lazarescu, aber der Spezialpreis in Cannes erfolgte auch hier zu
recht. Mit lakonischer Situationskomik führt die Aufarbeitung der
jüngeren Vergangenheit Rumäniens sich selbst ad absurdum. Ein
großartiger Film der sowohl im Inland wie auch im Ausland
funktioniert.
Hangover-Blues. Diesmal aus Frauensicht, aber nicht deswegen
nicht unbedingt interessanter. Melodramatischer, inklusive
Wirtshausschlägerei und Heulkrämpfen. Dazwischen starke
Sprüche und die Bibel als Trost. Aber trotz der versumpften
Bluesstimmung im tiefen Süden, gibt es starke emanzipatorische
Tendenzen, sicher ein Kultfilm dort unten in den Südstaaten. Ein
Hoch auf die schönen starken Frauen.
Im Vergleich zu den zwei vorhergehenden Neil Young Filmen, Jim
Jarmusch's Konzertfilm und Neil Young's eigenem unter dem Pseudonym
Bernard Shakey (wegen der Wackelkamera) gedrehten Konzeptfilm
"Greendale" ist Heart of Gold unter dem Regisseuer Jonothan Demme und
der momentan besten Kamera Amerikas Ellen Kuras eine Enttäuschung
und ein großer Rückschritt. Musikalisch, inhaltlich und
filmisch. Als Konzertfilm ist er banal, schöne gerade Bilder,
nette Freunde, die sich in Nashville Tennesse zu einem Konzert in einem
altem Holztheater treffen, nur unkritische Lieder. Die ersten Songs
ausschließlich vom aktuellem, langweiligem Album ohne irgendeine
hitverdächtige Nummer. Am letzten Album gab es wenigstens zum
Schluß noch eine starke Hymne, hier muß man am Schluß
sich wie bei einem typischen Neil Young Konzert mit ein paar Hits
behelfen. Zum Abspann eine halblustige Ballade im leeren Saal. Der
Blues hat zugeschlagen. Kein einziger kritischer Songtext, um nur
nirgends in den Südstaaten inhaltlich anzuecken, nur endlose
Lobhudelungen auf alte Werte.
"Greendale" hatte seine dramaturgischen Schwächen, war trotz der
Kunstfiguren und des artifiziellen Videosettings aber um Längen
authentischer und hatte auch die besseren Lieder. Und im Jarmusch Film
ist die Kamera wesentlich näher an den Personen und am Herzen aus
Gold. Da gibt es Widersprüche bei den Proben, da werden Lieder
entwickelt, das Konzert selbst ist dann Open-Air mit frischem Licht,
kein Vergleich. Maximal noch vergleichbar mit dem ähnlich
abgestandenem Abschlußfilm "Prairie Home Companion", ein Abgesang
auf alte hölzerne Säle, vergangene Zeiten und alte Werte.
Damals als die Welt noch in Ordnung war.
Liberal-zynische Farce um die Kunst der Debatte in Amerika und die
Fragwürdigkeit von moralischen Vorab-Qualifizierungen. Nach Little
Miss Sunshine die zweite positive Programmierungsüberraschung aus
den USA. Der Held ist nach herkömmlicher (moralischer) Bobo-Presse
Berichterstattung der Teufel leibhaftig. der eloquente Mediensprecher
der amerikanischen Raucherlobby, verantworlich für, wie in
köstlichen Dreiersitzungen der Vertreter der Raucher-, Alkohol-
und Waffenlobby, tausenden von Toten monatlich und nicht nur hunderte
jährlich wie den werten Kollegen. EIne Traumrolle für
Aaron eckhart auf die er schon lange gewartet haben muss.
Am Anfang: Gestelzte Dialoge wie aus einem schlechtem Buch. Wie aus
einem Buch über die Dummheit der Liebe, sehr Fou, sehr
französisch, sehr Artsy Fartsy. Die Figuren jedoch, als sie sich
ihrer zu pathetischen Sätze bewußt wären, posieren
nicht wie in den frühen Nouvelle Vague Filmen herum, sondern
hüpfen und zappeln aufgeregt wie in einem modernen
Theaterstück, sei es von Boris Vian, herum. Nach dem
ärgerlichem Beginn erholt sich aber überraschenderweise der
Erzählfluss, der aufgeregte Erzähler, der Alter Ego des
Regisseurs und selbst Regisseur und Sohn eines Regisseurs und
Schauspieler Superstar mutiert zum Shakespear'schem kleinen Dämon,
der mit absurden Späßen und erotischen Affären der
Schwere des Seins zu Entfliehen sucht, die irreale Ebene verstärkt
und so von der Tragik des Alltags, Weihnachten naht! abgelenkt wird.
Nein, Weihachten im Schoße der getrennten Familie ist noch nicht
genug, der Bruder jammert über die Launen seiner unzufriedenen
Frau, der Sex ist schlechter geworden, und die Schwester hat sich aus
Melancholie mit 17 umgebracht. "Sie starrte ins Leere und weinte oft
ohne Grund."
Nach der Synospis war ich ja extrem skeptisch, ob das auch so
funktionieren kann. Der authentische Fall in Mecklenbug-Vorpommern, bei
dem eine Gruppe von Neonazis einen Kollegen geschlagen und dann per
Kick auf den Hinterkopf 2002 hingerichtet hatten, frei nach dem
Filmvorbild aus "American History X", wurde als Theaterstück
adapatiert, allerdings vollkommen reduziert und abstrahiert. Zwei
Schauspieler lesen aus Interviewausschnitten mit 18 realen Personen.
Bei Dogville hat die Abstraktion funktioniert, bei Karmakar's Speer
Stück wurde noch mehr reduziert und da hat es nicht funktioniert.
Trotz saublödem reisserischem Titel für den japanischen Markt
ein schöner einfühlsamer Film um eine psychologisch
angeschlagene Frau, die sich mit einem Lastwagenfahrer auf ein
Roadmovie durch Japan begibt. Am Anfang muß man ein wenig Sitzfleisch und Wohlwollen
aufbringen, für das man später belohnt wird.
Jahrzehnte nach "Easy Rider" endlich wieder ein ähnlich kraftvoller idealistischer
No-Future Film, über den Verlust der Ideale in unserer Gesellschaft. "Half Nelson" ist der
von allen amerikanischen Kritikern der am meisten gelobte Film 2006.
Der junge, idealistische Lehrer Dan versucht außerhalb des Lehrplans
seinen armen, ausschließlich spanischen und schwarzen Schülern in
Brooklyn, die Hintergründe über geschichtliche Entwicklungen der
amerikanischen Geschichte, dem Civil Rights Movement, beizubringen.
Den Verlust seiner Ideale bekämpft er mit Drogen und Huren. Zu einer 11 jährigen Schülerin,
Mutter Polizistin, Onkel Dealer, entwickelt sich ein besonderes Vertrauensverhältnis.
Das Thema, die Darsteller, eine unglaublich nahe, direkte Handkamera und der Soundtrack von
Broken Social Science machten Half Nelson zum Independent Hit des Jahres.
Für mich einer der wichtigsten Filme des Jahrzehnts.
Nach "Uzak" hat Nure Bilge Ceylan die wortlose schöne Heldin seines Filmes geheiratet. Sie, die junge
Emra, ist selbst auch Regisseurin und war auch mit einem Kurzfilm gemeinsam mit Uzak in Cannes vertreten. Inzwischen haben sie sich getrennt, warum zeigt etwas vereinfacht dieser Film, "Iklimer".
Beide Regisseure spielen sich selber, er um wohl seinen Schmerz zu verarbeiten, und sie wahrscheinlich, weil er im Film, also öffentlich, die Schuld für das Scheitern der Beziehung auf sich nimmt, durch seine Art und einen Seitensprung. Beide schenken sich aus seiner Sichtweise und in seinem Namen nichts, und wir sind Zeuge. Er vergewaltigt seinen Seitensprung, sie führt sich verrückt auf. Private Probleme werden verallgemeinert, man erkennt sich trotz Überhöhungen selbst wieder. Ein schöner gelungener Film, allerdings bleibt mit fahlem ethischem Nachgeschmack. Warum müssen die Türken alle solche selbstverliebten Machos sein?
Bessere Filme über das Leben von 16-Jährigen hab ich noch nicht gesehen. Eine bunte an erinnernde Super-8 Kamera, tolle Musik und eine frisch-lustig-bewegende Geschichte über Freundschaft zweier Jungs, die ein Mädchen in ihre Mitte aufnehmen.
Die Themen eines typischen Frauenromans, wichtige Fragen und Antworten, ergeben meist ein schmieriges Epos oder eine langweilige Oper. Nicht so in den neueren koreanischen Filmen. Früher gab es im koreanischen Kino nur solche Themen um der strengen Zensur zu entgehen. Inzwischen aber sind die Koreaner der Seifenoper und dem Epos überdrüssig und produzieren realistische anspruchsvolle Filme, die trotzdem ihr Publikum finden. Die Standard Leserjury war dem nicht gewachsen.
Moon So-Ri, einer der besten koreanischen Schauspielerinnen überzeugt in der schwierigen Hauptrolle, die kindlich lustige, und wieder ernste erwachsene Momente erfordern, in so wichtigen Fragen, wie. "Wen heirate ich von den zwei? Ist er der Richtige? Soll ich mich scheiden lassen? Soll ich das Kind behalten? Soll ich zum Alten, mit dem es nicht funktioniert hat, zurück
? Warum ist er so komisch?".
Nicht einmal die notwendigen Zeitsprünge unterbrechen den Fluss der Handlung.
Ein hochkomplexes aber nicht wirklich einfach zu verfilmends Phillip K Dick Buch wieder nach Waking Life in dem digital verfremdeten Rotar... verfahren von Richard Linklater gedreht, trägt nicht
dazu bei, zwischen den Zeilen in die Tiefen des Buches vorzudringen, sondern bleibt an der sprekulativen Oberfläche. Und als Zuseher braucht man lange, um hinter der neuen Technik überhaupt mehr erblicken.
Ein bißchen Verschwörungstheorie auf verspieltem Manga Niveau. Leider überhaupt kein Vergleich zu dem großartigem "Sin City".
L'art pour l'art,m die zweite non-linerear Non-Plotübung nach "La Prisionera" aus Buenos Aires
zeigt deutlich die Unterschiede solcher Experimente.
1. Kamera, 2. Schnitt. 3. Buch
Frisch-fröhliche Franz von Asissi Parodie aus Portugal in drei formal unterschiedlichen Teilen,
bei denen alle für sich überzeugen können. Sehr genial.
Ein Mini-Meisterwerk. Die Inhaltsangabe verspricht nicht viel, aber das ist bei einem Alsonso
Film immer so. Wichtig ist die kraftvolle Materialität des Bildes, und sogar wenn Alsono nicht in den Dschungel geht, sondern in ein Riesenhaus mit Hallen, Gängen und Aufzügen spürt man, dass hier ein Meister des Bildes am Werk ist. Ein Kartenbilleteur hat so einen genialen Kurzauftritt, daß man
zum Schluß kommen muß, dass er der Held des nächsten Langspielfilmes sein wird. Wir sind schon neugierig, ob er sich im Dschungel oder in den Gängen des Kinos verirren wird.
Unser stiller Anti-Held verliebt sich in die Frau eines Studienkollegen in Kasachstan nach Tschechov's Stück "Über die Liebe". Ein bieder-brav und seltsam blutleer erzählte einfache Geschichte eines Amateurs.
...
* Beach Boys in London (1 von 4)
Wenn man die harmlose Beach Boys Aufnahmen mit etwa
Richard Lester's Help vergleicht, ist das Peter Whitehead Material trotz ungleich höhreren (Promo-)Aufwand banal. Die Kamera verfolgt die Jungs durch die Faneuphorie, auf der Fahrt vom Flughafen in die Stadt und beim Shopping. Das dürfte eine sehr frühe Arbeit sein.
* Pink Floyd in London (3 von 4)
"A Tribute to Syd Barret". Eine monoton-treibende Nummer aus dem Anfang von
"Tonite Let's All Make Love" ca 15 Minuten lang ausgespielt.
* Led Zeppelin Live at the Royal Albert Hall (Ausschnitt) (3 von 4)
Gitarrengott Jimmy Page ein bißchen entzaubert.
Slavoj Zizek führt unterhaltsam durch die Phantasiewelten einiger Kinoklassiker, frei nach dem Motto, "Kino im Leben, Leben im Kino", und kommt auf einige für mich überaschende Analysen.
Endlich verstehe ich zB. "Lost Highway". Ein kurzer Klapps auf den Rücken war das auslösende Moment für die Flucht in die Traumwelt. Bei fast allen Analysen und Thesen
kann ich zustimmen, man schmunzelt viel und hat kaum Zeit für diverse Aha's,
lediglich Kieslowski's "Blue" ist für mich doch etwas reicher und komplizierter als
Zizek das populärwissenschaftlich erklärt. Das Material besteht aus drei Teilen á 50 Minuten, zu sehen waren nur Teil 1 und 2.
Der alte Starhasser Robert Altmann, neben dem kaum einer mit anderer Meinung
die Sonne sehen darf, versammelt wieder einmal ein Ensemble zum letzten Abgesang.
Eine Live-Country Radiosendung gibt ihre letzte Show, die letzten Stars werden aufgeboten, alles geht einmal zu Ende, und ein schöne unbekannte Frauengestalt in Hermelin wandelt als Geist durch die Hallen.
Uninspirierter Filmkitsch und viel schlechte Musik, und eine Schlangengrube der Stars vor und hinter der Kamera singen ein Loblied auf das "seit nett zueinander". "Country Home, Country Home, West Virginia, ..."
In der Dichte bessere Filme als in den letzten 2 Jahren, fast schon an die goldenen Jahre 2002
und 2003 erinnernd.
Zum Überraschungsfilm Sicilia!
von Straub-Huillet, im letzten
Moment duch den plötzlichen Tod von Danielle Huillet, hastig als
Kondolenz programmiert, hege ich Sympathien, und ich hab ihn auch
erraten (wirklich!), obwohl mir
natürlich wie jedem anderen die ursprüngliche Auswahl des
chinesischen Venedig Gewinners besser gelegen wäre.
Preise:
FIPRESCI-Preis: Honor de Cavalleria.
Inoffizielle lobende Erwähnung für "Zeit des Abschieds" (?)
Standard-Leserpreis: "Balordi".
Lobende Erwähnungen für "Glue" und "Man Push Card".
Wiener Filmpreis: "Kurz davor ist es passiert".
Siehe auch den offiziellen
Abschlußbericht.
Reini Urban |
Created: "2006-10-23 rurban" | Last update: "2006-10-23 21:55:38
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