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Viennale Rückblick 2003 auf Radio Helsinki


Autor: Reini Urban

Willkommen in Wien, beim langsamsten Filmfestival der Welt!

Bin leider erst 3 Tage zu spät angekommen, und hab dadurch einige Eröffnungsfilme, die meisten allerdings mit Verleih, versäumt. Ich muß die Texte in diesem artfremden Wiki schreiben, sie kommen erst später auf die Filmseiten. Geplant ist der Besuch und Kurzkritik folgender Filme, meist Spielfilme ohne Österreich-Verleih, ausgewählt nach subjektiven Qualitätskriterien:

Dienstag 21.10.

Kennedi se vraca kuci (Kennedy goes back home) 2 von 4 Sternen

Zelimir Zilnik, Serbien und Montenegro 2003, OmeU 74min
Eine Vorfassung haben wir schon teilweise noch unübersetzt auf der Diagonale als VHS Video zu sehen bekommen, wo Zilnik Special Guest war. Wie schon bei der "Festung Europa" dient die spielfilmartige, aber äußerst einfach produzierte Spielhandlung mit real-betroffenen Protagonisten dazu, eine Anklage zur Abschiebepraxis in Europa und eine Analyse der Situation in Serbien zu formulieren. Bei Festung Europa gelang die Einbindung der Geschichte des Helden noch fantastisch, bei Kennedi nicht mehr ganz so rund, das Thema ist aber noch genauso aktuell und wegen mangelnder Logik handelnder Behörden aufrüttelnd.

Volverás (You'll be back) 2.5 von 4 Sternen

Antonio Chavarrías, E/Mex 2002, OmeU 98min Viennale Reviews IMDB:Volverás (2002)
Geschickt konstruierter, aber typischer spanischer Versuchungs-Thriller, mit einem Hispano-Schönling Gael García Bernal (Amores Perros,...) Look-a-like. Der erfolgreiche, schöne Jüngere wird von seinm älterem Bruder, einem Spieler, ins Verderben geführt. Spiele, Rollen und die großen Versuchungen. Die Kamera versucht sich leider ein bißchen in Inarritu, ohne sein Tempo zu erreichen, und hat auch die moderne Entwicklung aus den neueren Fernsehserien verschlafen. Von den zwei Sexszenen ist die die zweite ziemlich scharf, obwohl die attraktive mexikanische Verführerin wohl den rasanten Aufstieg zum Star damit verpaßt haben dürfte. Die Vorraussetzungen wären vorhanden. Nicht grandios, aber okay.

Sud sanaeha (Blissfully Yours) 3 von 4 Sternen

Apichatpong Weerasethakul, Thai/F 2002, OmeU 125min Viennale Reviews IMDB:Sud sanaeha (2002)
Absurd-sprödes Schelmenstück, das zeigt, daß aus Thailand nicht nur absurd überdrehte Thaikomödien, -Western oder -Thriller kommen, sondern auch absurd-komische Arthouse-Schmankerl. Wenn nach einer Stunde Vorspann als Realsatire mit den Hauptdarstellern, die die Ärztin und das Publikum vermeintlich verarschen, plötzlich die Opening-Credits durchlaufen, die Musik einsetzt und die die Helden zum amüsant-romantischen Landausflug ansetzen, glauben viele, der Film ist zu Ende und das Nachspiel mit den Hauptdarstellern im wirklichen Leben fängt an. Das kann an Sprachschwierigkeiten oder kulturellen Differenzen liegen und m.E. eine falsche Interpretation. Formal makellos, konzentriert sich der Plot auf die erotischen und neurotischen Befindlichkeiten der beiden Frauen, die ältere gnadenlos überdreht, die andere gnadenlos verliebt. Sie betrügt ihren Freund mit dem attraktiven Burmesen, der für die Ältere als Kindersatz herhalten muß. Relativiert wird die konstruierte Situation durch ironische auf Thai gezeichnete Kommentare. Man man ist sich nie sicher ob man schmunzeln oder grübeln muß. Nur für Romantiker oder Arthouse Liebhaber mit Steherqualitäten.

Los Angeles Plays Itself 2 von 4 Sternen

Thom Anderson, USA 2003, Doku OF 169min Viennale Reviews IMDB:Los Angeles Plays Itself
Wie der Titel umreißt eine aufgelegte Geschichte. Los Angeles mit Hilfe von ca. 150 Filmausschnitten (alle benannt) erklärt, und der Off Erklärung zur Entmythisierung. Etwas getrübt durch die allzu radikale, linke Anti-Haltung Anderson's.

Mittwoch 22.10.

La espera (Das Warten) 2.5 von 4 Sternen

Aldo Garay, Uruguay 2002, 65 min Viennale Reviews IMDB:Espera, La (2002)
Das Warten auf das Unaussprechliche, den Tod der alten Mutter, in langen ruhigen Bildern aus der Sicht der Tochter. Eine einfache gute Geschichte, einfach erzählt. Nicht unbedingt sehenswert, aber sehr okay.

Le lion volatil 3 von 4 Sternen

Agnes Varda, F 2003, OmeU 12 min
Sehr viel wunderbarer Film in sehr kurzer Zeit.

Mohakeme 3 von 4 Sternen

Iran 2002, 48 min
Bis jetzt mein Lieblingsfilm. Wie man Super-8 Filme unter erschwerten Bedingungen dreht, mit den ganzen Dorf als Team. Verschärft werden die Produktionbedingungen durch staatliche Interventionen (Iran!), das tut dem Spaß für den Betrachter dieser Doku aber keinen Abbruch, macht sie allerdings auch für politisch Denkende interessant.

Gerade ist die Diagonale wiederaufstanden, mit Alexander Dumreicher-Ivanceanu als Präsident. Terminlich vor der "Sunrise-Diagonale" von Vuckovic/Fuchs, auch in Graz.

Mujo 3 von 4 Sternen

Jissoji Akio, Jap 1970, OmU 178 min
Ein Klassiker des japan. 70er Jahre Kino in der Langfassung. Anfangs recht unsaubere unmotivierte Kamerafahrten als Stilübung und unhaltbare 70'er Utopien über Gott, den Sex (Inzest ist eines der Hauptthemen) und die Welt trüben nicht die Faszination.

Donnerstag 23.10.

The Funeral 3.5 von 4 Sternen

Abel Ferrara, US 1996, OmdU 99 min Viennale Reviews IMDB:
Klassischer Mafia-Thriller. Fast kammerspielartig werden die typischen Mafiathemen abgehandelt, diesmal aber ohne den Padrone, d.h. kein überlagerter Generationskonflikt, pure italo-amerikanische Doppelmoral zwischen pragmatisch-atheistischem Machtdenken und den katholischen bis zu Vendetta Wurzeln. Christopher Walken in einer Traumrolle. Besser und präziser als Der Pate. Die zwei kleinen Ungereimtheiten zeugen von Ferarras Autorenschaft und evtl. persönlichen Beziehungen.

Los guantes magicos (Die magischen Handschuhe) 3 von 4 Sternen

Martin Rejtman, Arg 2003, OmeU 90 min Viennale Reviews IMDB:Guantes mágicos, Los (2003)
Wunderbare Kömodie aus Argentinien als Parabel für zwischenmenschliche und politische Verhältnisse. Wie immer kommen aus Argentinien kleine Wunderwerke.

Pas de repos pour les braves (Rabalaire - No Rest for the Brave) * bomb *

Alain Giraudie, Ö/F 2003, OmU 107 min Viennale Reviews IMDB:Pas de repos pour les braves (2003)
Allzu forziert-skurile franz. Provinzkomödie mit großer Liebe zum Land und seinen jungen Bewohnern, mit sehr gutem Team (vor allem die Kamera), aber leider einem Autor, der als 23-jähriger (das Alter in dem er die Romanvorlage schrieb) seine allzu offensichtliche Liebe zu Boris Vian und dem Genrekino die verlorene Logik des Plots durch nicht erkennbare Traumsequenzen und absichtliche, nicht nachvollziehbare Absurditäten zu verteidigen sucht. Schade um das Team und den Aufwand.

Lo-du moo-bi (Road Movie) 3 von 4 Sternen

Kim In-Sik, Südkorea 2002, OmeU 114 min Viennale Reviews IMDB:Road Movie (2002)
Überraschend großes Kino. Wunderbar fotografiert und montiert, spritzig, meloncholisches Dreiecks Liebesgeschichte aus Südkorea um einen heruntergekommen Banker und dem lokalen König der Sandler. Lediglich gegen Ende hin zu elegisch.

Nói albinói 2 von 4 Sternen

Dagur Kári, IS/GB/D/DK 2003, OmeU 95 min Viennale Reviews IMDB:Nói albinói (2003)
Angeblich eine hinreißende, in weiße Watte getauchte Variante von "Donny Darko". Im Wirklichkeit durchschnittlicher Exoten-Schicksalsfilm um einen Albino-Rebell in einem isländischen Dorf. Mit sanfter Liebesgeschichte, ohne Dramatik, skurillem Humor, nur für junges Publikum.

Freitag 24.10.

Ana y los otros (Anna und die anderen) 1.5 von 4 Sternen

Celina Murga, Arg 2003, OmeU 80 min Viennale Reviews IMDB:Ana y los otros (2002)
Anna besucht ihre Heimatstadt und ihre erste große Liebe. Rohmer'scher Frauenfilm, endloses Sprechen über Liebesnöte. In der bewegung viel zu behäbig aufgelöst, langatmig, leider ohne alle argentinischen Qualitäten.

Manda meyer upakhyan (A Tale of a Naughty Girl) 1 von 4 Sternen

Buddhadeb Dasgupta, Ind 2002, OmeU 89 min Viennale Reviews IMDB:Manda Meyer Upakhyan (2002)
Unterdurchschnittliches Hurenschicksal aus Südindien. Erträglich durch klassisch auflockernde Rahmenhandlungen, touristische Werte, und nicht überbordende Schwarz-Weiß Malerei bei aller Political Correctness. Warum bevorzugt aber die Viennale bei den Exoten immer drittklassige Zeigefinger-Filme vor erstklassigen Unterhaltungsfilmen mit versteckter Message? Z.B. Lilja Forever letztes Jahr und dieser hier, anstatt die zwei neuen Mani Ratnam Filme? Zum Glück blieb uns wenigstens "Auswege" erspart.

Jiltoo-neun naui him (Jealousy is my Middle Name) 4 von 4 Sternen

Park Chan-Ok, Südkorea 2002, OmeU 124 min Viennale Reviews IMDB:Jiltuneun naui him (2002)
Meisterliche, stimmige Beziehungsstudie aus Südkorea, mit eine ähnlichen Ausgangsituation wie in "Wonderboys", aber viel tiefgründiger, eher ähnlich dem Kino von Edward Yang oder dem klassischen Antonioni. Vom Titel sollte man sich nicht abschrecken lassen, es gibt nur wenig Wehmut und kein Drama.
Eines Tages beschloss ich, einen Film zu drehen, bevor meine Jugend vorbei sein würde. Seit diesem Tag verbrachte ich die Zeit damit, mir zu überlegen, wie die Charaktere für meinen ersten Film aussehen könnten. Die Hauptperson des Films ist etwas naiv, unschuldig und ursprünglich tugendhaft. Er geht jedem Konflikt aus dem Weg, anstatt dass er sich ihm stellt. Er vermisst etwas. Dieser Mangel kann ein gefährliches Gefühl hervorrufen, das zu einem tragischen Ende führen kann, aber gleichzeitig auch ein großartiges Gefühl, das einen beflügelt. Deshalb dachte ich an «Eifersucht» für den Titel des Films. Jealousy Is My Middle Name ist ein anderer Name für «Mangel». Die Schlüsselpunkte des Films sind die Psychologie und die innere Bewegung der Figuren. (Park Chan-Ok)

Un couple epatant (Trilogie I) 2 von 4 Sternen

Lucas Belvaux, F/B 2002, OmdU 100 min Viennale Reviews IMDB:Un couple épatant (2002)
Spritzig, harmlose französische Qualitätskomödie auf gehobenem Arztromanniveau für eine vergnügliche Familienunterhaltung. Achtung, Serie: 3 Teile. Woran krankt's? Ornella Muti als Komödiantin ist leider keine Sophia Loren. Wie ein Louis de Funes Film ohne Louis de Funes.

Poor White Trash / Bayou 1 von 4 Sternen

Harold Daniels, US 1957, 90 min Viennale Reviews IMDB:Bayou (1957)
Trash wie der Titel schon sagt. Da Bayou, ein Formeldrama, von United Artists mangels Qualität zurückgenommen wurde, wurde vier Jahre danach versucht, mit Doubles einen Teil der Szenen aufzupeppen. In den 70'ern führte das zu Exploitation.

Samstag 25.10.

Elephant 4 von 4 Sternen

Gus van Sant, US 2003, OmdU 81 min Viennale Reviews IMDB:Elephant (2003)
Der aktuelle Cannes Gewinner spielt das bekannte Massaker in Littleton an der Columbine Highschool ("Bowling for Columbine") nach. Die Handlung und das Ende des Filmes dürfte man als bekannt vorraussetzen. Van Sant verwebt minutiös mehrere Einzelpersonen an diesem Tag, immer wieder die selben Knotenpunkte aus anderer subjektiver Sicht, und erzeugt dadurch den großen Elefanten, das große Problem, das plötzlich im Raum steht. Für Van Sant unerwarteterweise fast gänzlich unspekulativ reichen die Taten und die Psychologie der Einzelpersonen aus, um zu den selben Schlüssen wie Michael Moore zu kommen. Allerdings alleine in den Köpfen des Publikums. Spektakulär gute Kamera, Sakoruv's "Russian Ark" hatte neben den üblichen Firsthand Shooter Games offensichtlich einen guten Einfluß.

Strange Fruit

Joel Katz, US 2002, OF 57 min Viennale Reviews IMDB:Strange Fruit (2002)
Doku über die Geschichte von Billy Holidays' legendären, hochpolitischen Song aus dem Jahr 1939.

Southern trees bear strange fruit,
Blood on the leaves and blood at the root,
Black bodies swinging in the southern breeze,
Strange fruit hanging from the poplar trees.

Pastoral scene of the gallant south,
The bulging eyes and the twisted mouth,
Scent of magnolias, sweet and fresh,
Then the sudden smell of burning flesh.

Here is fruit for the crows to pluck,
For the rain to gather, for the wind to suck,
For the sun to rot, for the trees to drop,
Here is a strange and bitter cry.

Malen'kie ljudi (Kleine Leute) Ein Halber von 4 Sternen

Nariman Turebayev, F/Kasachstan 2003, Omd/fU Viennale Reviews IMDB:Malen'kie ljudi (2003)
Aktuelle russische Komödie um zwei junge, sympathische Verlierertypen. In der ersten Hälfte noch halbwegs erträglich mit Charme vom Aufreißertypen getragen, versinkt er danach in typisch russischer Langeweile, sich nur mehr auf das große Nichts konzentrierend.

Le Mariage d'Alex (Alex' Hochzeit)

Doku, Jean-Marie Teno, F/Kamerun 2002, OmeU 45 min Viennale Reviews IMDB:Mariage d'Alex, Le (2002)

Si-Gueriki, la Reine-mere (Si-Gueriki, the Queen Mother)

Doku, Idrissou Mora-Kpai, F/Benin/D 2002, OmeU 62 min

The Brown Bunny 2.5 von 4 Sternen

Vincent Gallo, USA/J 2003, OF 90min Viennale Reviews IMDB:Brown Bunny, The (2003)
Der Cannes Skandalfilm, diesmal umgeschnitten, kürzer. Ausverkauft, wir wollen anscheinend alle selber wissen, warum Gallo nach der Premiere in Cannes auf die Bühne gegangen ist, und sich für diesen "schlechten Film" entschuldigt hat. Ausverkauft wahrscheinlich wegen der expliziten Oralsexszene mit Chloe Sevigny (Kids). Brown Bunny ist eine sehr persönliche Beziehungsschmerzverarbeitung, die zweifellos von einem richtigem Kameramann profitiert hätte. Man merkt deutlich wie Gallo ganz alleine alles selber machen wollte, vor allem die Anfangsszenen. Bei dem Thema kann man es ihm verzeihen. Es gab zuerst mutigen zögerlichen Applaus, dann aber sehr großen Applaus. Unscharfe Wackelbilder verzeiht also nur Roger Ebert nicht.

Daft Punk & Leji Matsumoto's Interstella 5555 1.5 von 4 Sternen

Viennale Reviews IMDB:Interstella 5555: The 5tory of the 5ecret 5tar 5ystem (2003)
Schon damals bei Beatles "Yellow Submarine" war ich anfangs sehr befremdet. Gute bis geniale Musik, selbstreferentielle, systemkritische, medial überlastete Band, subversiv naiver Zeichentrickfilm. Daft Punk ist allerdings etwas anderes. Neben genial verschrobenen, massentauglichem Minimalismus-Techno, gibt es immer auch den warme, verkitschte, soulige Popseite (Bester Song: Drinking in LA). Das Video liegt leider mehr auf der zweiten Seite, nur ein guter neuer Song, der wird allerdings bombastrock mäßig abgefeuert. Trotzdem die wichtigste Band der letzten Jahre, nach Sonic Youth.

Sonntag 26.10.

Identity Kills 3 von 4 Sternen

Sören Voigt, D 2003 Viennale Reviews IMDB:Identity Kills (2003)
Deutsches Emanzipationsdrama nach einer wahren Geschichte, und wie der Titel andeutet, mit gewaltsamen Ende. Ohne Drehbuch, nur mit szenischen Kurzbeschreibungen geplant. Herausragende Hauptdarstellerin und Regisseur, und ohne vom Inhalt vorwegzunehmen spielt der Autor mit Erwartungshaltung für ein typisch deutsches Schicksalsdrama einer jungen Frau am Rande der Gesellschaft. Unbedingt sehenswert.

When night falls 2.5 von 4 Sternen

Julian Schnabel, Reviews IMDB:When night falls
Lebensgeschichte eines kubanisches Schriftstellers, homosexuell, vom Regime eher nebenbei verfolgt und schlußendlich abgeschoben. Die poetische Kraft dieses eher schöngeistigen Autors wird in diesem Epos nicht ganz spürbar, deshalb werden die eher dramatischen Lebensabschnitte bebildert. Sehr unterhaltsam, bis auf das Ende. Der eigentliche Star ist die meisterliche Kamera.
(Überraschungsfilm. Meine Wunschtips waren Secretary, Irreversible.)

Kill Bill Vol 1 2.5 von 4 Sternen

(Nicht auf der Viennale, aber gleichzeitig im Cineplexx.) Wenn bislang jeder der drei Tarantinos einen neuen Style vorwegnimmt oder begründet, mutet das Aufspringen auf die schon länger laufende Martial Arts Eastern Welle schon etwas schal an, vor allem wen das Genre nicht entscheidend erweitert wird. Morricone, Pizzicato Five Clones und Schwertkampf. Exzellente Unterhaltung, aber nur in kurzen Momenten kann er uns überraschen oder gar verzaubern. Das ist für den vierten Tarantino zu wenig.

Dogville 4 von 4 Sternen

Lars von Trier, DK/S/N/NL/F/FIN/D/I 2003, OmdU 178 Viennale Reviews IMDB:Dogville (2003)
Soll ja noch schlechter, voreingenommener und manipulativer als sein Todesstrafenfilm mit den Tänzern im Dunkel sein. Trotzdem... und zum Glück, Vorurteile. Alles nur Vorurteile.
Von Trier gibt es dem Puiblikum kalt-warm. nach dem gernzgenialen Dogmameisterwerk "Idioten" und dem ziemlichen dummern und an die niedrigen Instinkte appelierenden Rührstück "Dancer in the dark" und jetzt großes, intellektuelles, allgemeingültiges Theater. Grandioses Theater. Präzise und feine Analyse bürgerlicher Strukturen und erst gegen Ende hin der Macht, so daß jeder, der hämisch Amerika den Zeigefinger vorhalten wollte, sich zuerst selbst getroffen sah.

Gerry 3 von 4 Sternen

Gus van Sant, USA 2002, OF 103min Viennale Reviews IMDB:Gerry (2002)
Gerry war letztes Jahr auf der Viennale komplett ausverkauft und klang nicht so interessant, aber nachdem er immer noch keinen Verleih hat, muß ich ihn mir heuer anschauen. Die zwei Jugendlichen namens Gerry (sprich "Tscherri"), verirren sich im Death Valley, anfangs verwirrt durch die vielen Gerry-Umleitungen. "Picknick am Valentinstag" ohne störende Übersinnlichkeit.

Montag 27.10.

American Splendor 3 von 4 Sternen

Viennale Reviews IMDB:American Splendor (2003)
Rührendes Portrait des Comic Fans Harvey Pekar, der dann seine eigene Comic Reihe textete, mit seinem miserablen Leben eines Durchschnittsbürgers als Handlungsbogen, u.a. illustriert von seinem Freund Robert Crumb. Qualitativ mit dem Crumb Film vergleichbar, d.h. auch so gut. Formal und inhaltlich.

Raja 3.5 von 4 Sternen

Viennale Reviews IMDB:Raja (2003)
"Sie liebten sich, aber sie verstanden sich nicht." Wunderschöne Amour-Fou Liebesgeschichte in Marokko zwischen einem alten, reichen Franzosen, der kein Arabisch spricht und einer junen Marokkanerin, die kein Französisch spricht. Trotz aller Kommunikationsprobleme und ständiger Mißverständnisse versuchen sie und das Schicksal die beiden immer wieder zusammenzuraufen. Aber nur als Zuseher ist man in der glücklichen Lage, aller Parteien zu verstehen, die Helden sind wortwörtlich "Lost in Translation". Man merkt wie Jaques Doillon seine Figuren liebt, man gewinnt tiefe Eindrücke in die fremde Kultur, besser als in Techiné's "???".

Edi 1 von 4 Sternen

Viennale Reviews IMDB:Edi (2002)
Alle haben es gewußt, Jesus Christus war Pole. Edi nimmt vorbildlich alle Leid der Welt auf seine breiten häßlichen Schultern. Alle müssen ihn lieben und auch er ist voller Liebe, und auch er liebt seine Mitmenschen, Sandler aber auch die junge Liebe und Schönheit. Unglaublich verlogenes, langweiliges und viel zu langsames - trotz lyrischer Klavierbegleitung - polnisches Produzentenrührstück, das in seinen falschen und vorhersehbaren Weisheiten auch der Kronen Zeitung gut zu Gesicht stehen würde. Der Film kam auch in Wien gut an, "schöner Film". Obwohl schon bei wenig schlechterer Scheiße die Leute scharenweise das Kino verließen, blieben sie in Edi bis zum Schluß und spendenten Schlußapplaus. Gehobenes Hauptabendprogramm für poln. oder öst. Fernsehen. Einen Stern gibt's für den Produzenten, der uns die vollen Brüsten der schönen Prinzessin zeigt.

Capturing the Friedmans 1.5 von 4 Sternen

Viennale Reviews IMDB:Capturing the Friedmans (2003)
Konventionelle anklagende Doku, mehr auf Massenwirkung als auf Detailtreue angelegt, über ein Problem der amerikanischen Rechtspflege. Pädophiler Lehrer wird mit Hilfe von produzierten Zeugenaussagen von angeblich betroffenen Schülern weggebuchtet. Sein jüngster Sohn gleich mit, wohl weil er Kollegen auch auf den Sack ging. Die Doku stützt auf einzigartiges authentisches Videomaterial des ältesten Sohnes, immer von der Unschuld seines Vaters überzeugt. Als Zuseher erkennt man nur, daß fast alle Interviewten in dieser Doku lügen, daß die Art der Zeugenaussagen reformiert gehört (das war allerdings schon vor 20 Jahren und wurde inzwischen längst reformiert. Das wird aus Gründen der Wirksamkeit unterschlagen), mehr aber nicht. Schockierend ist die immer noch vorherrschende Hysterie zum Thema Kindesmißbrauch, die psychologisch betrachtet immer noch auf ein breites Zielpublikum rückschließen läßt.

Donau Duna Dunaj Dunav Dunarea 1.5 von 4 Sternen

Viennale Reviews IMDB:Donau, Duna, Dunaj, Dunav, Dunarea (2003)
Behäbig konstruiertes Roadmovie mit 8 Personen am Schiff. Bei Agatha Christie oder schlechten B-Movies akzeptiert man die seltsame Anordnung unterschiedlichster Figuren, die alleine weit-vorhersehbaren Rahmenhandlungen dienen werden, und bei deren Einführung neben fehlender Sympathie auch die Glaubwürdigkeit auf Kosten der Message gesetzt wird. Aber anscheinend akzeptiert man die aufgesetzten Rahmenhandlungen auch hier, wohl weil der Hauptheld die Landschaft ist, berechenbar, Happy End, am Ende mündet die Donau ins Schwarze Meer, und die Figuren relativ wenig Zeit der Donau wegnehmen. Das Publikum war restlos begeistert. Ein gutes Drehbuch hätte alle überflüssige Figuren entfernt, und sich auf die sentimentalen Nöte des Kapitäns und vielleicht noch pragmatische Schwierigkeiten der Mannschaft konzentriert, der unvermeidbare Kitsch mit serbischen Grenzbeamten, Zigeunerfolklore usw. um alle beiteiligten Koproduzenten zu befriedigen kann auch dort eingebaut werden. Der erste Vorbote des Ost-Euro Puddingkinos, wie er wohl in der Sunrise Diagonale zelebriert werden soll.

Long Way Home 3 von 4 Sternen

Peter Sollet, US 2002 Viennale Reviews IMDB:Raising Victor Vargas (2002)
Einfaches direktes Portrait von Hispano-Jugendlichen in der New Yorker Lower East Side. Mix aus "Kids" und "Girl Fight", mit Liebes- und Familiengeschichte ohne großes Drama. Empfehlung.

Dienstag 28.10.

Terra Incognita

Ghassan Salhab, Libanon/F 2002, OmeU 120 min Viennale Reviews IMDB:Terra incognita (2002)
Analyse der traumatischen Befindlichkeit libanesischen Mitdreißiger als Stadtportrait von Beirut in Spielfilmform. Wurde in Cannes nicht ganz gutiert, vom einheimischen Publikum in Beirut gemischt aufgenommen.

The Fog of War

Errol Morris, USA 2003, OF 103 min Viennale Reviews IMDB:Fog of War, The (2003)
Dieses Interview mit Robert McNamara, als damaliger Verteidigungsminister Architekt des Vietnam Kriegs, war unter den Top Ten in Toronto.

versäumte Filme:

The Insider

Michael Mann, USA 1999, OF 157min Viennale Reviews IMDB:Insider, The (1999)
Gibt's zwar auch auf Video, aber die OF im Gartenbau ist sehenswert.

La Colère des dieux

Idrissa Ouédraogo, Burkina Faso 2001, OmfU/K 95 min Viennale Reviews IMDB:Colère des dieux, La (2003)

Trouble every day * 1/2

Claire Denis, F/D/J 2001, OmeU 100min Viennale Reviews IMDB:Trouble Every Day (2001)
Schlechter Schundfilm von einer guten Regisseuse.

Nós

Claudia Tomaz, Por 2003, OmeU 99min Viennale Reviews IMDB:Nós (2003)

Depuis qu'Otar est parti

Julie Bertucelli, F/B 2003, OmdU 100 min Viennale Reviews IMDB:Depuis qu'Otar est parti (2003)

Catharsis

Viennale Reviews IMDB:Catharsis (2003)

Uzak

Viennale Reviews IMDB:Uzak (2002)

Resumé

Bis jetzt lang nicht so gute Filme wie im letzten Jahr, aber letztes Jahr war die Dichte an herausragenden Filmen exzeptionell. Insgesamt also eher enttäuschend, obwohl zwei - drei herausragende Filme dabei sind. Bestes Filmland ist eindeutig Südkorea, und überholt damit Argentinien, das außer dem Rejtman Film heuer ziemlich ausgelassen hat.


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Reini Urban • Created: "2003-11-11 rurban" • Last update: "2002-03-11 21:19:37 rurban"