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Viennale Rückblick 2000 auf Radio Helsinki

Gesendet: Mi 1.Nov 2000, 15:00-16:00
Autor: Reini Urban

Viennale Allgemein ("Mission Statement")

zur Viennale 2000 an sich
am anfang noch allgemeine übersicht, danach evtl. dieser insider tratsch:

hurch wird ja etwas kritisiert daß horwath mutiger gewesen wäre. (zb falter). aha. ich finde die viennale wie immer ausgezeichnet, den dancer muß man sich ja nicht unbedingt sofort geben, der ö bezug ist durch die jungen ausländischen mädels auch gegeben (luif, coppola, usw). weiter so.

Filmbesprechungen

Lust auf Anderes (3) 7 MRQE articles imdb
You Can Count on Me (3.5) 9 MRQE articles imdb
Jesus' Son (1) 87 MRQE articles imdb
W/O (0) no MRQE critics yet - imdb not yet -
Tillsammans (3.5) no MRQE critics yet imdb
Djomeh (3) 2 MRQE articles imdb
Manila (2.5) no MRQE critics yet imdb
The Filth and the Fury (2) 77 MRQE articles imdb
Liberty Heights (3) 79 MRQE articles imdb
Inventario Balcanico (0) no MRQE critics yet - imdb not yet -
Ruang Talok 69 (2) no MRQE critics yet - imdb not yet -
First Last and Deposit (2) no MRQE critics yet - imdb not yet -
La Voleuse de St.Lubin (3) 2 reviews - imdb not yet -
Eureka (4) 5 MRQE articles imdb

Die Kurzinhalte fehlen noch; siehe die Viennale Links.

"Lust auf Anderes" (3/4)

viennale
recht guter und braver eröffnungsfilm im stil der frühen 80'er gesellschaftskomödien. gut das es solche filme noch gibt. besser als sereau, aber weniger spritzig deville oder blier. thema: vorurteile

"You Can Count on Me" (3.5/4)

viennale
für mich bisher der beste film des jahres. nicht umsonst sundance sieger. gewinnt hoffentlich die standard publikumswertung um einen verleih zu bekommen. thema: familie, kommunikation, usw.

"Jesus' Son" (2/4)

viennale
technisch sehr störende kamera und allzu zielgruppeneinschneidende handlung (wie zB bei auch diego donnhofer's "the virgin"). verwackeln und tiefenunschärfe muß nicht immer realismus bedeuten, hier eindeutig unfähigkeit. ansonsten ganz nett, aber eindeutig nur für leute unter 25.

"W/O" (0/4)

viennale
formal selbstverliebt aber nicht ertragbares video. fast ohne handlung, zu 80% unscharf und verzerrte farben, lediglich der anfang und der schluß weckten mich aus dem schlaf. das ganze wäre akzeptable als 5 minuten video aber bitte nicht über 60 minuten. der regisseur ist auch anwesend und interessiert sich mehr für sich als für die leute dort oder was passierte.

"Tillsammans" (3.5/4)

viennale
mein zweitbester viennale film bislang. "fucking amal" litt für mich unter dem unbefriedigendem schluß. tillsammans ist viel runder, lustiger und ernster als "fucking amal". eine möchtegern hippiekommune in schweden zu zeit von abba's "SOS".

"Djomeh" (3/4)

viennale
menschlich feine studie in persien am rande zu afghanistan. themen: ausländer, toleranz, tradition. schön, daß dramatische themen auch gänzlich undramatisch behandelt und gelöst werden können.

"Manila"

(2.5/4)(4/10)

viennale
ich bin schwer enttäuscht von diesem film, von dem ich mir sehr viel erwartet habe. ein guter film, aber kein sehr guter. es geht mir so ähnlich wie bei "nordrand", nur treten die schwächen von "manila" viel deutlicher auf. das drehbuch ist an vielen stellen ziemlich platt, das hochkarätige ensemble betreibt over-acting, karmakar kann nur an kleinen punkten das spektakel brechen und die eigenintelligenz fordern. insbesonders am höhepunkt des filmes am großen schlußchor zu verdi's nabukko. dazu gibt's mehr. (karmakar-20001021.txt)

"The Filth and the Fury" (2/4)

viennale
doko über die sex pistols, formal auf bbc niveau, paßt also überhaupt nicht zum revolutionären thema punk. aber die inhalte an sich, die karriere, die insider streitereien, die musik trösten über das meiste hinweg. ich bin von julien temple viel besseres gewohnt, das ist eher eine ziemlich schnell und unengagierte doku, als nachspiel zum "great rock'n roll swindle". Kurzinhalt: Malcom ist ein Arsch.

"Liberty Heights" (3)

viennale
drittbester film bis jetzt. erwartet habe ich einen typisch nostalgischen rückblick auf die kindheit des regisseurs, an dem schon andere regiegrößen gescheitert sind. bob rafelson, paul mazursky, woody allen, usw. nicht so barry levinson. da zeigt sich die stärke des hollywood kinos, hervoragende ausarbeitung des drehbuches, und spritzige publikumsgerechte inszenierung. die jungen jüdischen helden müssen erkennen, das es noch7 eine andere welt draussen gibt. und das diese ihnen nicht gerade wohlwollend gegenübersteht. was anderenorts zu konfliktbeladenen auseinandersetzung mit der rassistischen thematik versumpern würde, artet hier in ein plädoyer für alle menschlichen tugenden aus, ohne moralisierend wie typische ostblock- oder dritte welt filme zur gleichen thematik zu werden. intelligenz, toleranz, liebe, gewaltfreie konfliktlösung, eine rechte hetz. empfehlung.

"Inventario Balcanico" (0)

viennale
ohne bewertung, da ich eindeutig nicht in die zielgruppe passe. antike filmdokumente aus den 20-40er jahren, undokumentiert, vom balkan. könnte aber überall passiert sein. für filmhistoriker und geschichtswissenschaftler interessant.

"Ruang Talok 69" (2.5)

viennale
eine low-cost verwechslungskomödie-thriller der kühlen lakonischen art aus thailand, aber sonst stark an "el mariachi" erinnernd. einige schwächen der inszenierung und der schauspielerkunst werden gern wohlwollend übersehen, weil die handlung für alles entschädigt. ziemlich viel kino für so einen kleinen film.

"First Last and Deposit" (2)

viennale
super-billiges home-video als spielfilm, gedreht mit einer sony dv10, geschnitten auf einem apple mit media 100. hier darf man nur den inhalt bewerten, da die form sehr an der schwachen technik leidet. selbt verglichen mit den üblichen dogma filmen oder billigst pornos. man muß allerdings unter diesen umständen die relativ gute tonqualität und die hervorragenden schauspieler leistungen loben. das sozialdramatische thema, die geldspirale aus der es kein entrinnen gibt, kann gut in dieser form leben. empfehlung, obwohl meine bewertung natürlich auch formale kriterien beinhaltet, die andere weniger störend empfinden mögen.

"La Voleuse de St.Lubin" (3)

viennale
ein gerichtsfilm der modernen art über das postmoderne frankreich, obwohl es auch in österreich spielen könnte. und dort hätte die heldin wahrscheinlich eine härtere strafe bekommen. das verteidungsargument des notstandes bei einem supermarkt diebstahles wird in der zweiten instanz aufgehoben. im zweiten blick verständlich, aber beide entscheidungen sind problematisch. wichtiger als die entscheidung sind aber die moderne heldin und der umgang mit der heldin. ein sehr ermutigender film.

"Eureka" (4)

viennale
der absolute höhepunkt des festivals, der kritikerpreis von cannes. ein monster von dreieinhalb stunden, aber die vergehen wie im flug, obwohl sich die handlung rein im inneren abspielt. kaum worte, kaum große bilder. ähnlich aber viel besser als der letzte japanische preisträger "der aal". es mag an tarkowskij "andrei rubljow" zB erinnern, ist aber viel spannender als der "stalker". lediglich über details kurz vor dem ende mag man streiten. der titel selbst erinnert an nicolas roeg's "eureka", ein vergleichbares filmmonster, das durch das united artists debakel für einige jahre in der schublade verschwand, aber dann doch eine verlieh fand. dies wird dem japaner nicht widerfahren, er läuft äüßerst erfolgreich, auch dank dem cannes preis, obowhl wir in graz wahrscheinlich erst im herbst nächstes jahr bekommen werden. der titel wurde durch jim o'rourke's schallplatte inspiriert, der den titel wegen nicolas roeg's film wählte. mich erinnert der film stark an eines meiner lieblingsbücher, "das große heft" von agotha christof. trotzdem ist "eureka" nicht ganz mein lieblingsfilm der viennale, "you can count on me" gefiel mir besser.

"Dancer in the Dark" (2)

viennale

davor: der versuch auch die hartgesottesten kritiker zum weinen zu bringen, soll ja angeblich funktioniert haben. leider kann ich selbst nicht viel dazu sagen, karten waren trotz größter anstrengungen unmöglich zu bekommen. allerdings waren die leute die aus dem saal kamen, sichtbar gezeichnet, und die projektion des nächsten filmes verzögerte sich, weil erst die gänge von den tränenströmen gereinigt werden mußten. nüchtern betrachtet ist der film wohl ein ziemlicher schmus, wohlwollend betrachtet äußerst interessant. da der film am donnerstag eh in alle kinos kommt, reservierte hurch nur einen gartenbau prime-time termin, thematisch passt er auch nicht ganz zur viennale. pathos und melodramatik pur.

danach: einige meiner Kritiken auf de.rec.film.misc. (schade um die gute björk...)


Ausblick

die anderen filme, die die vienale als verleihstart benutzten: "virgin suicides" (O-Töne), "der krieger und die kaiserin" ( derStandard Kritik) sind allesamt auch empfehlenswert. leider werden wir von den meisten guten filme aber nie etwas sehen: "suzhou he" aus china, "djomeh" aus dem iran und "you can count on me" aus amerika. auf "tillsammans", "eureka", "george washington" und die deutschen "paradiso" und "die innere sicherheit" wird man noch einige zeit warten müssen. zuerst kommen noch die guten filme des letzten jahres dran, "felicia's journey", der neue atom egoyan, wieder fies und subtil, und "le petit voluer" (der kleine dieb), der neue Erick Zonca, der zweite film nach "la vie revee des anges" (liebe das leben), ähnlich wahrhaft und intensiv. beide im augarten kino demnächst. im rechbauer kommt nur lovers (dogma #5) und am freitag abend was besseres.

filme, die sich feinspitze ersparen können, sind "animal factory" der erste von steve buscemi , "manila" von romuald karmakar (stattdessen kann man seine neue himmler rede gehen), "topsy curvy" von mike leigh, "merci pour le chocolat" von claude chabrol, "jesus son" von alison macLean. für liebhaber interessant dürfte sein "the house of mirth" und "summer of sam", der neue spike lee.

"ternitz tenessee", der erste langfilm von miriam unger, bekannt durch fm4 aber vor allem durch ihre zwei hervorragenden kurzfilme in den letzten zwei diagonale jahren muß patriotischerweise unterstützt werden. persönlich setze ich mehr in sie als in barbara albert, aber die routine und die qualität muß wohl erst noch reifen. das selbe gilt auch für jessica hausner, die zweite große junghoffung, deren erster langfilm "lovely rita" auch bald in die kinos kommt. für die viennale war er leider noch nicht fertig. die weltpremiere, das erstfestival muß ja heutzutage mit bedacht ausgesucht werden. da paßt das konzept der "viennale", qualität zu heben ohne preise zu vergeben, nicht ganz dazu. die meute giert nach preisen ohne die qualität in jedem film zu suchen. es kann bei 15 guten filmen nur einen ersten geben, deshalb sind die anderen 14 auch nicht schlechter.


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Reini Urban • Created: "2000-10-21 rurban" • Last update: "2002-03-11 21:19:37 rurban"