"Shrek" bringt Animation für viele Alterklassen + Produzent Jeffrey Katzenberg über die Erfolgsrezepte von Dreamworks Produzent Jeffrey Katzenberg im STANDARD- Interview über die Erfolgsrezepte von Dreamworks Oma und Opa werden diesen Film mit ihren Enkelkindern vielleicht nicht ansehen wollen. Die Enkel werden wohl jüngere Begleitpersonen suchen müssen - und auch ganz schnell finden: Denn "Shrek", so Claus Philipp, verfügt trotz monströser Helden über Charme und Witz. Wien - Was ist das für ein Märchenland, in dem Lebkuchenmännchen von zwergwüchsigen Königen gefoltert werden? Was sind das für Märchenbücher, deren Seiten von Monstern zum Hintern- auswischen missbraucht werden?! Shrek, die neueste Trickproduktion aus dem Hause Dreamworks, gibt sich von Anfang an als Albtraum jeder so genannten Märchentante: Die Zeiten haben sich geändert. Nicht immer muss sich also im Fall einer Liaison einer Prinzessin und eines Monsters immer das Monster in einen Prinzen verwandeln. Wieder einmal versucht das von Steven Spielberg, David Geffen und Jeffrey Katzenberg gegründete Dreamworks-Studio, Disney auf ureigenstem Terrain Konkurrenz zu machen. Erstmals wird dieses Unterfangen zum unbestrittenen Triumph und US-Sommerhit - weniger wegen einer digitalen Animation, der die Produktionsbeschleunigung in teilweise unansehnlichem Design anzumerken ist. Sondern vor allem wegen eines Drehbuchs, das Disneys reaktionäre Erzählmuster und sterile Erlebnisparks genussvoll zerpflückt und dann wortwörtlich in den Schlamm tritt. Shrek, ein Moormonster mit wenig Taktgefühl und viel (brennbarem) Ohrenschmalz, übernimmt also Aufgaben, für die es bei Disney bestenfalls als Komparse eingeteilt worden wäre: Unterstützt von einem Esel befreit Shrek eine Prinzessin aus den Fängen eines Drachen, rechnet aber nicht damit, dass Prinzessinnen sich oft unbedingt in ihre Retter verlieben wollen - und dass sich weibliche Drachen mitunter in Esel verlieben. Der Konkurrenzkampf mit Disney, den Jeffrey Katzenberg nach einem Gagenprozess seines Exarbeitgebers durchaus lustvoll betreiben dürfte - dieser Kampf wird hier also nicht nur über Seitenhiebe ausgefochten, sondern er ist unabdingbarer Bestandteil einer Geschichte, die damit beginnt, dass auch Pinocchio und die sieben Zwerge mittlerweile Sklaven eines Imperiums geworden sind, das man, ähnlich wie Disneyland, nur noch durch Drehkreuze betreten kann. Das heißt: Der Wunsch nach Familie und Harmonie, wie ihn Disney immer predigte, ist der gleiche geblieben. Shrek kratzt nicht an den alten Werten (die bei Disney meist nur noch Schablonen sind), verkehrt sie aber so lange, bis sie wieder halbwegs human daherkommen. Aber es geht zumindest so weit, dass die Kreaturen, die wir schon bei Disney als Nebenfiguren mehr liebten als die gelackten Helden, auch in den Hauptrollen ihr Gesicht wahren dürfen - selbst wenn es aussieht wie das eines Esels. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4. 7. 2001)