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"«Le petit voleur» zeigt die Revolte eines 19jährigen, der sich in Marseille als Mitglied einer Gang neu erfinden möchte. Der Franzose Erick Zonca schildert das Erwachen aus diesem Traum mit schonungsloser Härte, doch ohne sich dem Melodrama hinzugeben." (M. D. -NZZ) |
Story von videofreak:
S. (Nicolas Duvauchelle), Bäckerlehrling in Orléans, wird gefeuert. Er
hat ohnehin genug von seiner bürgerlichen Existenz am unteren Ende des
sozialen Spektrums, bestiehlt nach dem Beischlaf Sandra (Emilie
Lafarge) und macht sich mit dem Geld auf nach Marseilles. Dort beginnt
er zu boxen und lernt Mitglieder einer Gangsterbande kennen. Er geht
mit ihnen auf Raubzüge und arbeitet sich hoch: Chef Tony (Joe Prestia)
befördert ihn nach und nach zum Zuhälter seiner Nutte, zum Aufpasser
seiner altersschwachen Grossmutter und schliesslich zum eigenen
Chauffeur. S. glaubt sich am Ziel, doch er muss bald erkennen, dass
die Welt der Gangster ganz ähnlichen Spielregeln folgt wie die normale
Gesellschaft.
Wie diese Verwandlung erreichen? Er verdingt sich bei einer Bande Kleinkrimineller, Götter einer Halbwelt, die nach eigenen Gesetzen lebt. In dieser Gesellschaft, in dieser Familie will er Mitglied sein. S. lernt boxen, S. lernt mit Waffen umgehen - um dem Bild zu entsprechen, das sich seine Vor-Bilder von einem echten Mann machen, von einem echten Helden. Er kriecht und lernt Kadavergehorsam, buckelt und kämpft sich in der Hierarchie der Gang nach oben; bis er feststellt, dass auch seine Idole ihre Fäuste nur gebrauchen, um die eigene Angst (vor dem Stärkeren, der schnelleren Waffe) bewusstlos zu prügeln. Freundschaft zählt auch in diesem Milieu nur so viel, wie der Gegner dafür bezahlt.
Zonca schildert diese Ernüchterung mit gnadenloser Offenheit und scharfem Blick auf die zwischenmenschlichen Abhängigkeits- und Kräfteverhältnisse. Die Kamera rückt S. dicht auf die Haut, den Schweiss, das Blut, seine Tränen. Und doch rapportiert sie die rohe Episode aus dem Leben eines Adoleszenten leidenschaftslos und lakonisch - zum Glück. Denn damit verliert Gewalt den falschen Glanz, werden Helden sterblich und zeigen sich, wie sie sind: orientierungslos. Hoffnung hat Zonca nur für den, der wie S. seinen eigenen Weg findet.