Zurück zur Programmübersicht

Le Petit Voleur (1999)

von Erick Zonca
ab 5.Jan 2001 im Grazer Augartenkino, 20:30
16 reviews, imdb, filmfestivals.com review.

 
"«Le petit voleur» zeigt die Revolte eines 19jährigen, der sich in Marseille als Mitglied einer Gang neu erfinden möchte. Der Franzose Erick Zonca schildert das Erwachen aus diesem Traum mit schonungsloser Härte, doch ohne sich dem Melodrama hinzugeben." (M. D. -NZZ)

Story von videofreak:
S. (Nicolas Duvauchelle), Bäckerlehrling in Orléans, wird gefeuert. Er hat ohnehin genug von seiner bürgerlichen Existenz am unteren Ende des sozialen Spektrums, bestiehlt nach dem Beischlaf Sandra (Emilie Lafarge) und macht sich mit dem Geld auf nach Marseilles. Dort beginnt er zu boxen und lernt Mitglieder einer Gangsterbande kennen. Er geht mit ihnen auf Raubzüge und arbeitet sich hoch: Chef Tony (Joe Prestia) befördert ihn nach und nach zum Zuhälter seiner Nutte, zum Aufpasser seiner altersschwachen Grossmutter und schliesslich zum eigenen Chauffeur. S. glaubt sich am Ziel, doch er muss bald erkennen, dass die Welt der Gangster ganz ähnlichen Spielregeln folgt wie die normale Gesellschaft.

NZZ kritik:
Erick Zoncas «Le petit voleur»
Schon mit seinem Début, «La vie rêvée des anges», hat Zonca gezeigt, wie persönliche Krisen glaubhaft geschildert, wie psychische Fallhöhen ausgelotet werden können, ohne dass sie an den melodramatischen Klippen eines Sozialdramas zerschellen müssen. In seinem Zweitling lässt er den 19jährigen S. (Nicolas Duvauchelle) eine pubertäre Rebellion durchleben und Blut lecken - an der Gewalt. S., eine zarte Erinnerung an den jungen Paul Newman, hat seine Heimatstadt Orléans und seinen Bäckerberuf verlassen, um in Marseille das zu realisieren, was er sich unter Unabhängigkeit und Erwachsensein vorstellt - und unter Männlichkeit, natürlich. Nichts soll ihn mehr mit der Vergangenheit verbinden, nichts mit der bürgerlichen Welt. S. wird sich neu erfinden.

Wie diese Verwandlung erreichen? Er verdingt sich bei einer Bande Kleinkrimineller, Götter einer Halbwelt, die nach eigenen Gesetzen lebt. In dieser Gesellschaft, in dieser Familie will er Mitglied sein. S. lernt boxen, S. lernt mit Waffen umgehen - um dem Bild zu entsprechen, das sich seine Vor-Bilder von einem echten Mann machen, von einem echten Helden. Er kriecht und lernt Kadavergehorsam, buckelt und kämpft sich in der Hierarchie der Gang nach oben; bis er feststellt, dass auch seine Idole ihre Fäuste nur gebrauchen, um die eigene Angst (vor dem Stärkeren, der schnelleren Waffe) bewusstlos zu prügeln. Freundschaft zählt auch in diesem Milieu nur so viel, wie der Gegner dafür bezahlt.

Zonca schildert diese Ernüchterung mit gnadenloser Offenheit und scharfem Blick auf die zwischenmenschlichen Abhängigkeits- und Kräfteverhältnisse. Die Kamera rückt S. dicht auf die Haut, den Schweiss, das Blut, seine Tränen. Und doch rapportiert sie die rohe Episode aus dem Leben eines Adoleszenten leidenschaftslos und lakonisch - zum Glück. Denn damit verliert Gewalt den falschen Glanz, werden Helden sterblich und zeigen sich, wie sie sind: orientierungslos. Hoffnung hat Zonca nur für den, der wie S. seinen eigenen Weg findet.


Übersetze diese Seite nach  
Created by XEmacs HTML 3.2 Validator
Reini Urban • Created: "2000-10-20 rurban" • Last update: "2001-01-03 12:40:54 rurban"