Zurück zur Programmübersicht Autor: Reini Urban

"dancer in the dark" (2/4)

Lars von Trier. imdb
Auf der Viennale natürlich ausreserviert, kommt aber gleich danach in alle Kinos. Das ist der Vorteil Stars zu casten.
Von Trier ist ja ein Extremfall. Zuerst macht er einen der pathetischsten und formal überzeichnesten Erstlingsfilme überhaupt (knapp hinter Carax). Schöne nackte Körper, rot beleuchtet, viel Wasser, Nebler und so. Oh Gott.
Dann aber kratzt er irgendwie die große Kurve: "Breaking the waves", "Riged", "Idioten". Alles große Höhepunkte der Filmkunst. Und jetzt Björk und Pathos pur. Endlich die Palme in Cannes (allerdings wäre Idioten gerechter gewesen), formal wieder sehr mutig, die Story etwas zu naiv. Eine bombastisch prätentiöse Musical Tragödie, aber es muß so sein und es wirkt. Die Sachjuroren gehen angeblich weinend aus dem Saal. Sehr spannend. Alles wird gut? Doch nicht. Sehr entäuschend und dilletantisch im Rückblick.

[berardinelli review] [40 other reviews] und die berüchtigte Daily Variety Kritik: "artistically bankrupt, cannibalize the genre ..."


[viennale link], Ausschnitte aus einigen newsgroup threads

davor: der versuch auch die hartgesottesten kritiker zum weinen zu bringen, soll ja angeblich funktioniert haben. leider kann ich selbst nicht viel dazu sagen, karten waren trotz größter anstrengungen unmöglich zu bekommen. allerdings waren die leute die aus dem saal kamen, sichtbar gezeichnet, und die projektion des nächsten filmes verzögerte sich, weil erst die gänge von den tränenströmen gereinigt werden mußten. nüchtern betrachtet ist der film wohl ein ziemlicher schmus, wohlwollend betrachtet äußerst interessant. da der film am donnerstag eh in alle kinos kommt, reservierte hurch nur einen gartenbau prime-time termin, thematisch passt er auch nicht ganz zur viennale. pathos und melodramatik pur.


danach:

From: rurban@sbox.tu-graz.ac.at (Reini Urban)
Newsgroups: de.rec.film.misc
Subject: Re: Kritik: Dancer in the Dark.
Message-ID: 3a06c9ac.3202053749@judy
Date: Mon, 06 Nov 2000 15:22:10 GMT

Tuvok wrote:
>Dancer in the Dark
>Es fängt alles im Dunkeln an. Ihr erinnert euch sicher noch, bei der
>Zeugung, in Abrahams Wurstkessel war es auch dunkel. In der Gebärmutter ist
>es dunkel. Davon können sich einige von euch ein Lied singen, und im Keller
>ist es dunkel. Wenn man eine Schwarze Augenbinde um hat ist es dunkel, und
>wenn dieser Film anfängt ist es ca. 4 Min. lange dunkel, und man hört eine
>Musik.
>Ich wollte schon den Billiardeur rufen, und mich beschweren, als nach langer
>langer Zeit der Film anfing.

das ist so nicht ganz richtig. 
es gibt eine ausdrückliche anweisung des verleihs (dh. vom regisseur) an
die vorführer, das saallicht bis zum anfang des film an zu lassen und
dann ziemlich abrupt runterzufahren.
dein vorführer hat sich also entweder nicht daran gehalten, oder es gibt
inzwischen kontroversielle anweisungen des verleihs.

deine reaktion den billeteur zu rufenm wird von userem lokalen billeteur
bestätigt, viele zuseher fühlten sich dazu genötigt "licht aus" oder so
zu rufen. interessante neue taktik.

>Der Film ist so einfach, und so wirkungsvoll, und das Ende is so einer der
>besten aller Filme die ich je sah.
>Tränen fließen, und ich verspreche eben jedem, der mich  weint, er ist kein
>Mensch.

na da habe ich aber glück. ich habe geweint weil mir die rechte
kontaktlinse ab der mitte des filmes sehr tat und ich mir immer das auge
reiben mußte.

ansonsten hätte ich vielleicht geweint aus ärger über die üble strategie

anspruchsvolle themen und ernsthafte kollegen so zu verarschen wie in
der zelebrierten 30 min. todesstrafen anklage. 
die bösen amis und die guten europäer.
wo die deneuve aber die treppe hinaufrennt, kann man nur mehr lachen.

>Wie wichtig ist es doch Menschen zu helfen, die arm sind. Nachdem Film
>diskutierten wir die Patenschaft für ein Dritte Welt Kind.
>Der Film hat eine eigenartige Wirkung eben auf das Gemüt, er beschäftigt
>dich noch einige Zeit danach.
>Es gibt so viel Grausamkeit auf dieser Welt, und ich frage mich, warum
>müssen immer so zerbrechliche Gemüter am meisten leiden ? Wieso ist Geld so
>wichtig auf dieser Welt ?

trier's erfolgsrezept (und nicht nur seins) ist also: 
vereinfachung, emotionalisierung und überhöhung. 
hat anscheinend funktioniert. tolles rezept, klingt ganz nach neuem
deutschen kino.


From: rurban@sbox.tu-graz.ac.at (Reini Urban) Newsgroups: de.rec.film.misc Subject: Re: dancer in the dark Message-ID: 3a017da2.2854907790@judy Date: Thu, 02 Nov 2000 14:54:17 GMT news.eplus-oline.de wrote: >Ich suche Meinungen zu "dancer in the dark", da ich, vollkommen begeistert >und entrückt, mir Kritiken zur Kameraführung anhören mußte. da haben die kritiker vollkommen recht. nicht nur die handlung und die regie ist schwachsinn, vor allen die kamera ist schwach. >Wer kann mir >seine Erfahrugen mitteilen? Kann man Robby Müller nur jenseits der 8. Reihe >ertragen oder ist es ein Generationsproblem? credits: camera operator: lars von trier das hat wahrscheinlich hr. müller durchgesetzt, da er sich mit der dilletantischen arbeit des chefs wohl nicht seinen ruf verderben wollte, vor allen in den dialogen. was bei breaking the waves und vor allem idioten gut funktionierte, muß deshalb nicht auch bei dancer funktionieren. im dancer steckt leider die ganze arbeit nur in den letzten 30 minuten, in der zelebrierung der todesstrafe. formal und inhaltlich. schade. aber trier hat mit seinem überego schon viele ideen zu tode gebracht: europa, medea, musical, als nächstes wohl den alternativ porno. >Muß man sich gewöhnen oder sind es körperliche Prädispositionen, die uns diese >Kamera ertragen lassen oder nicht? >Sagt doch mal... der MTV effekt, homevideos und aehnliches hat jüngere unter uns anscheinend schon darauf eingestimmt, während älteren übel wird. störend ist aber weniger die technische unzulänglichkeit der schwenks und schnitte, mehr der hintergrund dazu. die armen schauspieler und die inhalte verkommen zu beliebigen figuren und floskeln, alles wird relativiert und in frage gestellt. da ist system dahinter. schade um die gute björk.
From: rurban@sbox.tu-graz.ac.at (Reini Urban) Newsgroups: de.rec.film.misc Subject: Re: Dogma Filme Message-ID: 3a06cd0a.3202916109@judy Date: Mon, 06 Nov 2000 15:33:25 GMT Frank Moesle wrote: >Also ist Dancer in the Dark, obwohl er auch von Lars von Trier ist, >kein Dogma-Film? gewaltige (nicht nur kleine) verstösse gegen folgende 9 von 10 dogma regeln: - Das shooting muß auf dem jeweiligen Standort ausgeführt werden. - Ton und Bild bilden eine Einheit. Kein externer Sound. - Es sind für die Aufnahmen nur Handkameras erlaubt. - Der Film muß in Farbe sein. Beleuchtung und Lichteffekte sind nicht erlaubt. - Optische Effekte und Filter sind nicht erlaubt. - Zeitliche und geographische Entfremdungen sind verboten. - Der Regisseur darf im Vorspann/Nachspann nicht genannt werden. - Genre-Filme sind nicht erlaubt. - Der Film darf keine oberflächlichen Handlungen enthalten. die 35mmm regel ist ja eh nur ein witz, um pornos, amateur- und billigfilme auszuschließen. da das aufblasen von digi-beta (dv) auf 35mm heutzutage noch wahnsinning teuer ist im vergleich zu hdtv projektionen, ist diese regel ausgesprochen hollywood freundlich und "undogmatisch". muß also von trier sein. trier's einziger dogma film ist "idioten".

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