Blow (*1/2) Johnny Depp als Drogenzar - Franka Potente verstirbt früh "Davor hatte der fiktive Jung bereits im Gefängnisgarten verlorenes Familienglück herbeihalluziniert. Unvermeidlich flüchtet sich die Einfalt des Films in garstige Sentimentalität. Hier bringt sich "Blow" als Produkt Hollywoods auf den kleinsten gemeinsamen Nenner des verlogenen Umgangs mit komplexen Themen: wer nicht denken will, muss heulen. Und statt keiner Lösung hat man wenigstens eine Moral."(EK) Ein Bild des Grauens bietet gleich die erste Szene. Bierbäuchig, ungepflegt und langhaarig ist der Typ auf der Leinwand. Was? Das soll Johnny Depp sein? Doch: Der schräge Vogel entpuppt sich tatsächlich als der einst so schöne Teeniestar. Hat ihn das Vatersein zermürbt oder hat ihn Vanessa Paradis mit ehelichen Pflichten zugrunde gerichtet? Nein, nichts von alledem. Depp verkörpert hier mit Mut zur Entstellung den berüchtigten Kokainschmuggler und –händler George Jung, von dessen Aufstieg und Fall Ted Demme's „Blow" erzählt. . . . Schon früh wird George klar, dass er als Erwachsener nicht arm sein will. Als er als junger Mann (Depp hier sexy wie eh und jeh) aus der Provinz nach Kalifornien geht, zieht er mit seiner großen Liebe Barbara (Franka Potente) einen florierenden Marihuanahandel auf. Doch das Schicksal nimmt ihm seine Frau und weil er mit 660 Pfund Marihuana beim Schmuggeln über die Mexikanische Grenze erwischt wird, wandert er in den Knast. Was nach seiner Entlassung folgt, ist die wahre Geschichte eine Mannes, der als erster Amerikaner Geschäfte mit dem Kokainzar Pablo Escobar (Cliff Curtis) und dem kolumbianischen Medellin-Kartell macht, große Mengen der Droge in die USA schmuggelt und wieder dafür ins Gefängnis muss. George Jung wird noch bis 2014 im Gefängnis sitzen. Die größte Überraschung, die Demme's Film bereit hält, schon mal vorweg: Was für Franzosen oder Spanier schon längst Normalität ist, widerfährt dem deutschen Kinobesucher in „Blow" das erste Mal seit langer Zeit. Nach dem internationalen Erfolg von „Lola rennt" hat nämlich Frank Potente das geschafft, was den Schweigers und Stahnkes dieser Republik bisher mehr schlecht als recht gelungen ist – der Sprung in eine amerkanische, eine Hollywoodproduktion. Mit ihrer gelungenen Vorstellung, einem super-sexy Haschischkuss mit Depp und einem Englisch, das eindeutig über Leistungskursniveau liegt, empfiehlt sie sich für zukünftige internationale Produktionen. . . Ansonsten hat „Blow" leider nicht so viel zu bieten, obwohl das erste Drittel des Filmes Tempo und Witz hat und durchaus unterhält, auch wenn Demme einen Hang zum platten Nostalgisieren der Siebziger hat. Oder hatte dieses in zahllosen Mythen verwobene Jahrzehnt wirklich dieses Gefühl, das Demme dem Zuschauer verkaufen will? Ein buntes Ambiente, schräge Frisuren, ein paar coole Freeze-Frames und ein Soundtrack, der durchaus als Filmmusik zu Schulmädchenreport 16 durchgehen könnte, zeigen allerdings eher, daß „Blow" irgendwo im Bermuda Dreieck zwischen Authentizität, Ironie und großen, ausgelutschten 70er-Klischees herumirrt. Diese Vergröberungen und Unentschlossenheiten, die sich im Laufe des Filmes nicht mehr nur auf das Zeitkolorit der verschiedenen Jahrzehnte, in denen sich die Geschichte abspielt, beschränken, sondern sich auf den Plot ausweiten, halten „Blow" im Mittelmaß. So schlängelt sich der Film durch kleine Familiendramen (beeindruckend: Ray Liotta als weichherziger Vater) und große Kokaingeschäfte, durch verkorkste Ehen (die zweite übrigens mit dem zweiten Euroexport in „Blow", Penelope Cruz) und zahllose Ups and Downs ohne einen Eindruck zu hinterlassen. Wenn der Film zum Schluss Depp endlich den Freiraum bietet, Jung vom Abziehbild zum Menschen werden zu lassen und die Figur das erste Mal an Tiefe gewinnt, werden die Szenen leider sofort mit einigen Kellen Tränenschmalz zugeschüttet. Wenn als letztes ein Foto des wirklichen George Jung zu sehen ist, wünscht man sich, dass Demme mehr auf Jung als auf die Mechanismen des Kokainhandels gesetzt hätte. ------------------------------ filmtabs - günther jekubzik Blow USA 2001 (Blow) Regie Ted Demme, 123 Min. FSK ab 12 Die Jugend kümmert sich endlich um Karriere: Johnny Depp gründet ein florierendes Startup-Unternehmen mit Drogenschmuggel in großem Stil. Franka Potente möchte eine Karriere in den USA starten. Um das lokale Thema zu erledigen: Der deutsche Star macht seine Sache richtig gut, Frankas Figur stirbt aber tragisch früh und bekommt von einer extrem schlampigen Penelope Cruz die Schau gestohlen. Frisch aus dem elterlichen Provinznest entschlüpft, erkennt George (Johnny Depp) in Kalifornien die Möglichkeiten eines rauschenden Lebens. Er dealt als erster Marihuana im großen Stil und schafft sich einen enormen Markt, den er locker beherrscht. Das Trauma seiner Kindheit (als Eltern Ray Liotta und Rachel Griffiths) treibt ihn an: George will nie wieder arm sein! Mit einem geklauten Flugzeug wird Gras aus Mexiko geschmuggelt, dann sorgt die Stewardess Barbara (Auftritt Franka als Georges Freundin am sonnigen Strand der Leichtlebigkeit) für den Weitertransport ins Inland. Später fliegt eine ganze Flotte Kokain aus Kolumbien ein, bis George und Partner in ihrem Haus keinen Platz mehr für die Umzugskarton voller Dollars haben. Einer ersten Verurteilung folgt der Krebstod Barbaras. Auf der Flucht wird George von der eigenen Mutter verraten. Das familiäre Drama und die große Liebe zum Vater wird den Schmuggler ein Leben lang begleiten. Der Knast erweist sich als Gangster-Uni und schafft die Verbindungen zum Koks des kolumbianischen Medellin-Kartells. Zusammen mit dem bedrohlich mächtigen und rücksichtslosen Pablo Escobar erreicht der Drogendeal eine neue Ebene. Dieser Karriere-Kick auf Koks erzählt im Kern die übliche Gangsterstory, brav inszeniert, mit ein paar exzellenten Blenden nett gestylt, mit rockigen Gitarrenriffs und milchig blassen Bildern wird Zeitstimmung der Sechziger evoziert. Aber ansonsten ohne besondere Tiefe oder Überraschung. Fast schematisch ist der gleiche Ablauf mit euphorischen Momenten, tragischen Beziehungen und unvermeidlichen Niedergängen. Immer wenn George ganz oben ist, tauchen seine Eltern als personifiziertes Gewissen auf. Diese Familienstory sorgt immerhin für seltene bewegende Momente. Damit auch jeder das tragische Scheitern versteht, wiederholt sich die Szene eines von Armut angefachten Familienstreits fast deckungsgleich bei Vater und Sohn. Georges ausgeflippte Traumfrau Martha (Penelope Cruz) entwickelt sich zu einer Koks verschlingenden und geldsüchtigen Schlampe. Witzig ist dieser Psychotrip ganz selten, etwa wenn sich herunter gekommene Drogenbarone im schäbigen Jogginganzug begegnen. Die auf der Tonspur erzählte Abbitte Georges - denn die Story ist echt wahr, echt - zeichnet sich durch naive Einseitigkeit aus: Gewalt taucht bei dem Milliardengeschäft kaum auf, vor allem geht sie nie von George aus. Nur um seine Familie anständig zu ernähren, überschwemmte er die USA nicht nur mit gutem Gras, sondern auch mit Kokain. Die Persönlichkeit verändernden Wirkungen dieses Pülverchens sind wiederum nie an George zu sehen, nur im Koks-Größenwahnsinn in Augen des verräterischen Partners. Da hat die Berufsberatung Mist gebaut, Herr Depp! http://www.getsomeblow.com --------------------------------------------------------------------------------