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Reini's Bestenliste des Jahres 2002:

Leider nur aus Grazer Sicht (in Wien liefen mehr, wie zb: George Washington, Suzhou River, Startup.com, ...)
Die besten Filme 2002 in Graz
Kinonormalverbraucher-Wertung:
   (die besten werden wie immer nur auf Festivals oder erst nächstes
    Jahr oder gar nicht gezeigt)

Herausragend:
  1. Mulholland Dr.
  2. Lucia und der Sex
  3. Sprich mit ihr
  4. Amores Perros
  5. Nicht von dieser Welt

Klasse:
  6. Heaven
  7. Halbe Treppe
  8. Das weiße Rauschen

Sehr gut:
 9. Der Mann ohne Vergangenheit
10. Yi Yi
11. Elling
12. Ernst sein ist alles
13. Italienisch für Anfänger
14. Blue Moon
15. Zur Lage
16. Hundstage
17. About a boy
18. Minority Report
19. Bowling for Columbine
20. Le destinées sentimentales
21. Mein Russland
22. Dayereh

Die besten Filme 2002 inklusive Festivals und Retrospektiven
Filmliebhaberwertung:
   (wie gesagt, das beste nur auf Festivals oder nächstes Jahr
    oder gar nicht)

  1. El Bonaerense         (Viennale)
  2. Tot ziens             (Diagonale Retrospektive, 1995)
  3. Mulholland Dr.
  4. Lucia und der Sex
  5. Japón                 (Viennale)
  6. Oasis                 (Viennale)
  7. Sprich mit ihr
  8. Amores Perros
  9. Nicht von dieser Welt
10. One Fine Spring Day   (Viennale)
11. Comment j'ai tué mon père    (Franz. Filmtage KIZ)
12. Tan de repente        (Viennale)

13. Va Savoir             (Viennale)
14. No Man's Land         (DVD)
15. Heaven
16. Ken Park              (Viennale)
17. Le Fils / Der Sohn    (Viennale)
18. Halbe Treppe
19. Ich bevorzuge das Rauschen des Meeres     (Votiv)
20. Das weiße Rauschen
21. Richtung Zukunft durch die Nacht    (Diagonale)
22. À ma soeur!           (Franz. Filmtage KIZ)
23. Un moment de bonheur  (Franz. Filmtage KIZ)
24. Martha... Martha      (Viennale, Franz. Filmtage KIZ)

25. Der Mann ohne Vergangenheit     (Viennale)
26. Lundi Matin           (Viennale)
27. Yi Yi
28. Un Oso Rojo           (Viennale)
29. Elling
30. Donnie Darko          (Viennale)
31. Ernst sein ist alles
32. Italienisch für Anfänger
33. Blue Moon
34. Suzhou River          (Admiral Wien)
35. Only the strong survive (Viennale)
36. Zur Lage
37. Hundstage
38. About a boy
39. Minority Report
41. Bowling for Columbine
42. Le destinées sentimentales
43. Mein Russland
44. Lantana               (Viennale)
45. Dayereh
46. Divine Intervention   (Viennale)
Daneben noch die besten Filme ohne Festival Push für's nächstes Jahr,
die ich jetzt schon gesehen habe: The Rules Of Attraction, The good
girl, Scotland Pa, Knockaround Guys, The Hard Word, Igby goes down,
Secretary, Virgil Bliss; neben den noch ausstehenden Oscars 2001 No
Man's Land und Atanarjuat und die üblichen großen Hits von Cannes
2002. Allesamt exzellent.

Resumé und Ausblick

Wie jedes Jahr wieder waren die besten Filme nur für Spezialisten
erreichbar, und die meisten werden auch keinen Verleih finden. So hält
man das kulturelle Niveau tief und das Publikum freut sich weiterhin
auch über teils grottenschlechte, teils fahrlässig reaktionäre Sommer-
und Weihnachts Blockbuster wie Pearl Harbor, Men in Black 2, Harry
Potter oder Herr der Ringe. Trotzdem, sieht man sich der Anzahl der
hervorragenden Filme 2002 an, war es ein sehr gutes Kinojahr 2002 und
das neue Jahr 2003 zeichnet sich jetzt schon als hervorragend ab.

2002 fing mit "Memento" und "Mullholland Drive" stark an. So stark,
dass man kaum bessere Filme am Horizont erwarten durfte. Trotzdem
kamen noch einige solche Kaliber nach, und das war die eigentlich
Überraschung.  Z.B "Heaven", "Yi Yi", die Auswahl von Heddy Honigmann
als Gast auf der Diagonale. Oder die kleinen Filme wie "Richtung
Zukunft durch die Nacht", "Mein Russland" "Das weiße Rauschen" und
"Nachtreise" auf der Diagonale. Die großen "Klavierspielerin",
"Hundstage" und "Lovely Rita" waren ja diesmal schon vorher in den
Kinos.

Einige Cineasten Geheimtips gab es für Graz wie immer bei den
französischen Filmwochen im KIZ, bei dem etwa die Hälfte der Wiener
Auswahl im Votivkino bei uns gezeigt wird. Gleich sechs 4 Sterne Filme
von 10 ist kein schlechter Schnitt.

Die Diagonale brachte den Rückblick auf die Königssaison 2001, das
beste österreichische Spielfilmjahr aller Zeiten und kürte "Gebürtig"
als Eröffnungsfilm und "Jedermann's Fest" als Hauptpreis. Auch die
übrigen Preise gingen schwer an der künstlerischen Qualität und dem
Publikumsgeschmack vorbei, lediglich die Jugendjury war noch nicht
verseucht, und sogar die Kollegen in Wien haben schon etwas abbekommen
und haben einen der schlechtesten Filme des Jahres auf ihrer
Bestenliste: "Sea Concrete Human".

Nach der Diagonale ging's mit "Amores Perros" und "Nicht von dieser
Welt" gleich munter weiter, bevor die lange Sommerpause
anstand. Dieses Jahr nicht so schlimm, das KIZ im Augarten raffte sich 
zu einem reichhaltigen Sommerprogramm auf. Und nach ein paar weiteren 
großen Filme wie "About a boy" und "Sprich mit ihr", dachte man schon, 
jetzt sei das Feuer verschoßen. Spielberg's "Minority Report" 
überraschte positiv, der neue Medem "Lucia und der Sex" war großartig 
und die Viennale überschlug sich auch.

Wie üblich war auch die Kritiker Wertung auf der Viennale äußerst
zweifelhaft, diesmal blieb aber das Publikum halbwegs und die
Intendanz vollkommen vernünftig und leistete sich nur einige
Ausrutscher. Qualititiv war die Viennale 2002 sicher einer der besten
der letzten Jahre. So viele herausragende Filme hat man noch selten
auf einen Fleck zusammen gesehen. Sicher nicht im Cannes Hauptbewerb
oder Venedig. Wir sind also schon fast so gut wie Toronto oder
Rotterdam. Auch ein Zeichen, dass das Jahr 2003 wieder herrausragend
wird.

In den Kinos kamen die Topfilme durchwegs aus Europa, aus dem
normalerweise besseren Lateinamerika schaffte es bislang nur "Amores
Perros" zu uns. Auf die argentinischen Meisterwerke müssen wir wie
üblich verzichten und auf die zwei anderen mexikanischen Filme "Y tu
Mamá También" und "Japón" müssen wir uns noch etwas gedulden. Aus
Hollywood schaffte es fast keiner auf meine Liste, aus Bollywood und
Hong-Kong keine in unsere Kinos.

Nächstes Jahr wird aber vieles besser, auf meiner internen 2003 Liste
sind diesmal sogar einige Klassefilme aus Hollywood dabei. Sogar viele
übliche Hollywood Dramen wirken nach verhaltener Exposition plötzlich
tiefgehender und ausgewogener als die Hau-Drauf oder
Rührsel-Verkitschungs Filme aus der ersten Zeit der Bush
Ära. Anscheinend bildet sich sogar auf Produzentenebene ein kleines
Maß an Widerstand gegenüber den diesjährigen Kriegs- und
Erzreaktionärs-Verharmlosungen zum Zwecke des nationalen
Schulterschlusses oder der schnellen Kasse. Das leidige TrueStory TV
Format wurde in den letzten Jahren auch immer besser, von einigen
alten Meistern und jungen Talenten genutzt. Und vor allem viele junge
amerikanische Filmemacher (Richard Kelly, Miguel Arteta + Mike White,
Roger Avary, Billy Morrissette, Burr Steers, Steven Schachter &
William H. Macy, Steven Shainberg) begeben sich 2003 plötzlich in die
Topliga. Auch nicht so schwer, nachdem Paul Thomas Anderson mit "Punch
Drunk Love" haarscharf am Prätentiösen vorbeischrammt, Steven
Soderbergh mit "Solaris" sehr hoch, vielleicht zu hoch (Tarkowskij)
greift, und die meisten etablierten Franzosen und Engländer endgültig
im Camp Lager ("Form over Substance") mit den bereits etablierten
Deutschen, Ungarn und Skandinaviern versumpfen.

Von den Filmen aus dem Fernen Osten haben mich vor allem die
Koreanischen begeistert ("Oasis" und "One Fine Spring Day"), die
japanischen haben stark nachgelssen, und aus China kann man auch nur
mehr dem Altmeister Zhang Yimou halbwegs vertrauen. Österreichische
Filme haben kein Geld mehr und die Deutschen haben sich endgültig in
Gut und Böse (Potsdam - dt. Kommerzschulen) gespalten. Schön aber, daß
die Postdamer langsam die Tradition der guten österreichischen
Qualitäten der letzten paar Jahre aufgreifen. Vielleicht gewinnt ja
heuer erstmals ein deutscher Film in Saarbrücken, und dann wird es
endgültig wegrationalisiert. Gedroht wurde ja schon mit der Schließung
des besten Festivals des deutschsprachigen Films.

Andere Jahresrückblicke: Kino Jahresrückblick 2004, Kino Jahresrückblick 2003, Kino Jahresrückblick 2001.
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